Euphorie pur in Weinsberg

Handball - Ohrenbetäubender Jubel, 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und ein Duftgemisch aus Sekt, Schweiß und Bier - nein, das ist kein Erlebnisbericht vom Karneval in Rio de Janeiro. Das ist die Atmosphäre in der Weinsberger Weibertreuhalle am Samstagabend.

Von Stephan Sonntag

Handball - Ohrenbetäubender Jubel, 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und ein Duftgemisch aus Sekt, Schweiß und Bier − nein, das ist kein Erlebnisbericht vom Karneval in Rio de Janeiro. Das ist die Atmosphäre in der Weinsberger Weibertreuhalle am Samstagabend. 800 Zuschauer mit Trommeln, Trompeten und Vuvuzelas feiern ihre Handballer, die mit einem 41:25 (21:12)-Kantersieg im entscheidenden Relegationsspiel gegen den HC Wernau in die Oberliga stürmten. "Das ist einfach nur geil und der Lohn für die harte Arbeit der vergangenen zehn Jahre", sagte ein euphorischer Torjäger Bernd Bordon und fügte hinzu: "Der Druck in den letzten beiden Wochen war unmenschlich."

Denn nach der Heimspielniederlage gegen die MTG Wangen im ersten Relegationsspiel schien sich der Aufstiegstraum wie in den Vorjahren in Luft aufzulösen. Die Angst, in den entscheidenden Momenten zu versagen, schien den Glauben an die eigene Stärke erneut überlagern zu können. Doch in den drei folgenden Alles-oder-nichts-Spielen knüpften die Weinsberger an die herausragenden Leistungen der regulären Saison an. Was hat sich also verändert? "Der Zusammenhalt im Team ist sehr groß, größer als in den Vorjahren. Und der Trainer hat uns immer beruhigt, uns den Druck genommen", sagte Fabian Schmid. Aufstiegscoach Peter Baumann gab das Lob zurück: "Die Jungs sind so stabil geworden, sie lassen sich durch nichts zurückwerfen. Ich bin total erleichtert, dass wir es endlich gepackt haben."

Anspannung Ein Selbstläufer war die Partie zu Beginn nämlich nicht. Auch wenn Branko Dobricic, Trainer vom Lokalrivalen TV Flein, schon vorher sicher war: "Weinsberg packt das heute." Schon beim Einlauf des Teams herrschte Gänsehautatmosphäre, die Anspannung war gewaltig. "Ich war aufgeregt wie die Sau", lautete Schmids brachiale Beschreibung seines Gefühlslebens zu diesem Zeitpunkt.

Die Nervosität führte zu Beginn zu einigen überhasteten Abschlüssen. Bis zur 13. Minute lag der TSV ständig mit einem Tor in Rückstand. Nach einer Viertelstunde brachte Bordon sein Team mit dem 9:8 in Führung. Anschließend waren es Tim Landenberger mit seinen Treffern aus dem Feld und von der Siebenmeterlinie sowie die Paraden von Arthur Czech, die für eine beruhigende 21:12-Pausenführung sorgten. "Das war okay so", sagte der Keeper, der knapp zehn Minuten ohne Gegentor blieb und die Wernauer zur Verzweiflung trieb. Bescheiden fügte er hinzu: "Die Abwehr hat auch gut gestanden."

Keine Zweifel In diesem Stil ging es in der zweiten Halbzeit weiter. Nach 45 Minuten stimmten die Fans bereits "O wie ist das schön" an. Angesichts einer 33:19-Führung nicht vermessen. Obwohl Torhüter Czech hinterher sagte: "Ich war mir erst fünf Minuten vor Schluss sicher, dass wir gewinnen. Wir haben so ein Talent, klare Führungen abzugeben." Solche Zweifel waren aber unbegründet. Die Wernauer hatten sich längst in ihre Niederlage gefügt. Als endlich die Schlusssirene ertönte, ließen alle ihren Gefühlen freien Lauf. Ruck, zuck tauchten plötzlich auch die Aufstiegs-T-Shirts auf, die Sektgläser waren schon in den letzten Spielminuten auf der Tribüne gefüllt worden. "Dass wir es nach den verpassten Chancen in den letzten Jahren jetzt geschafft haben, macht den Aufstieg umso schöner", sagte Spielmacher Markus Kübler. Und umso heftiger wurde gefeiert. "Heute wird die Hütte abgerissen", kündigte Schmid an. Bordon ergänzte: "Wir feiern, bis wir tot umfallen." Ganz so weit ist es glücklicherweise nicht gekommen. Schließlich muss ja jemand in der nächsten Saison in der Oberliga antreten.

TSV Weinsberg: Lars Vollert 3, Fabian Schmid 5, Tim Landenberger 12 (7), Bernd Bordon 7, Achim Schöbinger 3, Martin Saefkow 3, Marco Dudenstädter 4, Stefan Martin 1, Markus Kübler 1, Jan Schliebe 2

Euphorie pur in Weinsberg
Trainer Peter Baumann freut sich über die obligatorische Sektdusche.
Euphorie pur in Weinsberg
Lautsprecher und Torjäger des TSV: Tim Landenberger.
Euphorie pur in Weinsberg
Der Jubelkreis der Mannschaft nach dem Spiel demonstrierte noch einmal den Zusammenhalt der Truppe. Außerdem musste der Druck der vergangenen beiden Wochen einfach mal raus geschrieen werden.Fotos: Alexander Bertok