Der TV Flein ist fast genial
Nach einem 39:31-Sieg beendet der Oberligist die Hinrunde mit 13 Zählern auf Platz elf – Co-Trainer Dumitru Cartos tritt zurück

Handball - Rudolf Wagner ist erleichtert. Mit seinem roten Pullover und dem strahlenden Gesicht sticht er aus der Menschentraube im Foyer der Fleiner Sandberghalle hervor wie eine rote Christbaumkugel aus einer Tanne. „Das war unsere beste Saisonleistung“, sprudelt es aus dem Trainer des Baden-Württemberg-Oberligsten TV Flein, „also die erste Halbzeit – besser geht’s nicht. Das war fast genial.“ Mit 39:31 hat der TV Flein am Samstagabend den TuS Helmlingen abblitzen lassen, sich in der Tabelle mit nun 13 Punkten auf Platz elf geschoben und damit die Abstiegsregion verlassen. Doch ist die Stimmung nach der erfolgreichen Beendigung der Hinrunde im Verein eigenartig. Etwas steht im Raum, was keiner so recht beim Namen nennen will.
Noch ein Rücktritt Dumitru Cartos hat am Freitagabend die Mannschaft darüber informiert, dass er nach dem Helmlingen-Spiel nicht mehr als Co-Trainer zur Verfügung stehen wird. „Ich war jetzt zweieinhalb Jahre hier im Verein“, erzählt Cartos, „erst als Spieler, dann als Spielertrainer und eben zuletzt als Co-Trainer und Trainer der B-Jugend.“ Er habe immer viel Spaß bei der Arbeit gehabt, doch irgendwann sei das Vertrauen des Vereins nicht mehr so da gewesen. „In den letzten drei, vier Wochen habe ich das noch deutlicher gespürt, wenn man beispielsweise nicht darüber informiert wird, was der Verein plant.“ Also hat der Rücktritt Cartos’ zumindest indirekt mit dem Wechsel von Rudolf Wagner zu tun. Zum Saisonende wird, wie berichtet, Wagner von Branko Dobricic beerbt.
Michael Knorr, Abteilungsleiter Handball beim TV Flein, will zum Thema Co-Trainersuche nicht viel sagen: „Wir lassen das auf uns zukommen. Wir haben bis 7. Januar Zeit und werden eine Lösung finden. Nur so viel: Wie man drei Monate vor Rundenende seine Kids in der B-Jugend enttäuschen kann, das kann ich nicht verstehen.“ Es harzt beim TV Flein.
Rudolf Wagner hat mittlerweile sein Strahlen verloren. „Dass Dumitru aufhört, tut mir weh, denn er hat für das Team unheimlich viel getan, Spezial-Trainings gemacht und immer gute Stimmung in die Mannschaft getragen.“ Die Stimmung hat zuletzt etwas gelitten. Der Sieg gegen Helmlingen sei eine persönliche Genugtuung gewesen, so Wagner, denn es habe in den vergangenen Tagen schon viel Unruhe von außen gegeben.
In Gedanken Es dürfte in der Fleiner Oberliga-Truppe in den nächsten Wochen kaum ruhiger werden. Die Spieler machen sich Gedanken, bekommen in diesen Tagen, wie in der Branche üblich, Angebote von anderen Vereinen: Was wird, wenn der neue Trainer da ist? Soll ich wechseln? „Vor allem Oliver Heß macht sich viel zu viele Gedanken, setzt sich viel zu sehr unter Druck“, sagt Rudolf Wagner – und knipste wieder sein Strahlen an: „Aber wichtig ist, dass wir mit einem Erfolgserlebnis in die Rückrunde gehen und jetzt zufrieden zur Weihnachtsfeier ins Foyer gehen.“
Bei Fleischkäs und Bier gingen dort die Spieler die Partie noch einmal durch. Es klappte diesmal alles, auch wenn wieder eine Vielzahl an billigen Gegentoren kassiert wurde. „Helmlingen hat Horkheim und Großsachsen mit jeweils sieben, acht Toren Vorsprung besiegt“, sagt Edin Hadzimuhamedovic, „dann darf man nach einem 39:31-Sieg gegen Helmlingen nicht nach Fehlern schauen.“ Die Spieler des TV Flein scheinen sich die Stimmung nicht vermiesen zu lassen.
TV Flein: Hoffmann, Eberle – Gerstlauer (4), Göppele (4), Schaible (2), Hadzimuhamedovic (10/6), Jelinic (3), Denscheilmann, Vieler (6), Müller (1), Heß (5), Trampusch (3), Geiger (1).
Beste Werfer TuS Helmlingen: Posavec (8), Fenyö (7/2), Olovsson (5/1).
Zeitstrafen: Flein 4 – Helmlingen 6.
Siebenmeter: Flein 7 – Helmlingen 5.
Torfolge: 4:4, 10:6, 12:8 (17.), 15:9, 17:11, 19:11 (25.), 23:14 (30.), 24:19, 27:20 (42.), 32:25, 36:30, 39:31.
Schiedsrichterinnen: Jarke/Schuster (Rauenberg/Malsch). Zuschauer: 550.
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