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Als „Hemm“ Sturm auf dem Großfeld wirbelte

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Handball - In Neckarsulm finden die württembergischen Meisterschaften der Handballer auf dem Rasenfeld statt

Von Klaus Apitz
Zu Großfeld-Handballzeiten war er ein Großer: Hermann Sturm.Foto: privat
Zu Großfeld-Handballzeiten war er ein Großer: Hermann Sturm.Foto: privat

Handball - Lange ist es her, seit Könner wie Hermann Sturm, Walter Kaufmann, Karl Graumann und Fritz Rauleder auf großem Rasenfeld für die Sportvereinigung Neckarsulm Erfolg um Erfolg einheimsten. Handball war in den Fünfzigern und Sechzigern ein Freiluftspiel auf Plätzen, die in etwa die Größe eines Fußballfelds hatten.

Inzwischen dominiert der Hallenhandball, es gibt allerdings nach wie vor Clubs, die die alte Art des Spiels pflegen. 28 sind es in Württemberg, und zehn davon messen sich an diesem Samstag (ab 14.30 Uhr) und Sonntag (ab 9 Uhr, Finale 15 Uhr) im Neckarsulmer Pichterich bei den Verbandsmeisterschaften.

Die Tore hatten einst die Maße wie bei den Kickern, es wurde mit elf Mann gespielt, der Wurfkreis hatte einen Durchmesser von 13 Metern. Da waren kräftige Kerle gefragt, die bei ihren Würfen auch Druck hinter den Ball bringen konnten. Männer wie „Hemm“ Sturm, der in seinen Hochzeiten beim Bundesligisten SV Möhringen spielte. Oder Fritz Rauleder: „Wir haben sieben, acht Jahre mit dem gleichen Angriff gespielt, da waren wir stark“, sagt er. Trainer war Ferdl Czak, der am Wochenende die Neckarsulmer Truppe betreuen wird.

Verbandsliga-Aufstieg

Es waren die besten Zeiten für die SV-Truppe, die über die Bezirksklasse und Landesliga 1962 sogar in die Verbandsliga aufstieg. Da war man dann zwei Jahre mit den damals regional schon dominierenden Horkheimern in der höchsten Klasse Württembergs. Und die beiden anderen Asse neben Sturm und Rauleder hießen Karl Graumann und Walter Kaufmann.

Anders als heute waren fünf Mann für den Angriff zuständig, fünf für die Abwehr. Lediglich ein Abwehrspieler oder einer aus dem Angriff pendelten zwischen den Wurfkreisen hin und her. „Wir haben zeitweise vor 2000 Zuschauern gespielt“, sagt Rauleder. Interessant ist, dass sich nach und nach die Sportfreunde Neckarsulm leistungsmäßig heranpirschten. Sie verdarben in einem denkwürdigen Spiel 1971 dem Lokalrivalen den Landesliga-Aufstieg. „Die SV hätte gewinnen müssen, doch es endete 13:13“, erinnert sich Hans Schütterle.

Ein Jahr später wurden die Kräfte dann mit der Bildung der Spielgemeinschaft aus beiden Clubs gebündelt. Es war das Ende des Feldhandballs nicht nur in Neckarsulm, der Zug in die Hallen war nicht aufzuhalten. Denn auf Großfeld spielt sich alles an den Wurfkreisen ab, dazwischen ist praktisch Niemandsland.

Kalte Schulter

Jetzt also ein kurzes Wiederaufleben an diesem Wochenende. Unter den zehn teilnehmenden Clubs sind auch Titelverteidiger SG Lauterstein, die SG Neckarsulm und die SG Degmarn/Oedheim als Gewinner der kürzlich ausgetragenen Bezirksmeisterschaften. Für die Gastgeber dürfte nicht viel drin sein, denn das Gros der ersten Mannschaft zeigt den Titelkämpfen auf dem großen Rasenfeld die kalte Schulter. SG-Sprecher Hermann Kühner: „Die wollen nicht.“ Also stellt die zweite Mannschaft mit Leuten wie Sven Fischer, Christian Harst und Denis Prinz das Rückgrat der Truppe. Aufgefüllt wird mit A-Jugendlichen und Routiniers.

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