Angriff auf die Handball-Bundesliga

Die Zweitligisten TV Kornwestheim und TSG Oßweil wollen es mit einer Spielgemeinschaft wissen

Von Klaus Apitz
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Angriff auf die Handball-Bundesliga
Der bisherige Oßweiler Coach Oliver Hess könnte auch Trainer der neuen Spielgemeinschaft mit Kornwestheim werden. (Foto: Andreas Veigel)

 

Wer bisher im Großraum Ludwigsburg wohnt und Erstligahandball sehen will, der muss nach Göppingen fahren. Doch schon bald könnten Topclubs wie THW Kiel, SG Flensburg-Handewitt und VfL Gummersbach in Ludwigsburg spielen, könnte es Landes-Derbys gegen Frisch Auf Göppingen und die SG Kronau-Östringen geben.

Noch im vergangenen Sommer sah es so aus, als wollte Oßweil sein Glück allein versuchen. „Reif für die 1. Liga“, hieß nach der gewonnenen Vizemeisterschaft der Slogan, der sich freilich als Bürde für die Spieler erweisen sollte. Ganz schwer kamen die Oßweiler in die Gänge, sind dann aber durchgestartet und können nach zwölf Spielen ohne Niederlage noch Zweiter werden.

Mittlerweile hat sich hinter den Kulissen einiges getan. Da man in Kornwestheim zum Schluss gekommen war, dass es ein Club allein nicht stemmen kann, versuchte man zunächst mit dem Erstligisten VfL Pfullingen ins Gespräch zu kommen. Dieser soll in der neuen Porschehalle neben dem Daimlerstadion unter dem Namen Stuttgart-Pfullingen die Zuschauer anlocken. Als es keine Einigung gab, konzentrierte man sich auf den nur wenige Kilometer entfernt angesiedelten Nachbarn Oßweil.

Auch da ist ein erster Kontaktversuch Ende des Jahres 2005 gescheitert, doch im zweiten Anlauf hat es geklappt. In Oßweil krachte es zwar intern mächtig, weil der Vorsitzende Thomas Lutz und der Geschäftsführer Olaf Schimpf hinter dem Rücken des Oßweiler Trainers Oliver Hess verhandelten. Doch dieser hat seinen Rücktritt inzwischen zurückgenommen und sitzt jetzt mit im Boot. Womöglich wird er sogar Trainer der gemeinsamen Mannschaft. Denn Kornwestheims Thomas König wurde vergangene Woche signalisiert, dass er dafür nicht in Frage komme. Das führte zum Bruch, König wird kommende Saison Coach des Zweitligisten TSG Friesenheim sein.

„Allein hätten es beide Clubs schwer, es ist ein Vernunfts- und Wirtschaftsgedanke“, sagt Markus Graf vom Kornwestheimer Management. Denn für die 1. Liga muss man mit rund zwei Millionen Euro rechnen, mindestens das Vierfache dessen, was ein Zweitligist benötigt. Graf spricht von einem „Gegenpol zu Stuttgart“.

Angesprochen fühlen sollen sich die Fans vom nördlichen Rand Stuttgarts bis hinauf nach Heilbronn. Und jetzt, da es auf die Spielgemeinschaft zuläuft, ist die Stadt Ludwigsburg drauf und dran, auf einem Gelände hinter dem Bahnhof eine Halle mit 6000 Zuschauern hinzustellen. Noch im April wird darüber im Stadtrat abgestimmt, und die Signale von dort sollen positiv sein. Denn in der neuen Arena würde auch der Basketball-Bundesligist eine Heimat finden.

Immerhin hat die Vertretung der Bundesliga, die HBL, der Spielgemeinschaft bereits das Spielrecht für die kommende Saison erteilt. Und auch am Württemberg-Verband dürfte die Sache nicht scheitern, denn dessen Chef Bernhard Bauer hat kürzlich in einem Stimme-Interview gesagt, er befürworte in diesem konkreten Fall eine Bündelung der Kräfte.

Spielen will die neue SG, ob sie nun Oßweil-Kornwestheim hieße oder anders, mit den besten Leuten aus beiden Clubs. Das sind auf Kornwestheimer Seite Spieler wie Pascal Morgant, Gunnar Dietrich Jochen Bauer und Nils Brandt und Benjamin Matschke. Bei der TSG Oßweil sind neben anderen der Ex-Horkheimer Ingo Meckes, Christian Löffler, Markus Becker, Mike Wolz und Sebastian Knierim Kandidaten.


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