Die doppelte Herausforderung
Turnen - Kai Werner ist der neue Trainer der KTV Heilbronn und sagt über seine Gefühlslage: "Es ist eine interessante Sache, denn als Athlet hat man eine andere Sicht auf die Dinge. Ich versuche mich mit der Trainerrolle abzufinden."

Turnen - Es gibt Momente, in denen ertappt sich Kai Werner. Dann handelt er wie jene Menschen, die ihn einst das Turnen gelehrt haben. Das waren sein Vater Horst und Christian Adolf. Trainer, die ihn geprägt − und dafür gesorgt haben, dass Turnen einen solch extrem hohen Stellenwert im Leben des 29-Jährigen einnimmt. Auch jetzt noch, nachdem er den Stützpunkt in Cottbus verlassen hat. Auch jetzt noch, nachdem er nicht mehr aktiv ist.
Kai Werner ist der neue Trainer der KTV Heilbronn und sagt über seine Gefühlslage: "Es ist eine interessante Sache, denn als Athlet hat man eine andere Sicht auf die Dinge. Ich versuche mich mit der Trainerrolle abzufinden." Und weil das so ist, ertappt sich Kai Werner eben dabei, dass er mitunter wie seine Lehrmeister agiert. Eine neue Erfahrung. Eine spannende obendrein. Auch, weil der Mediengestalter die Turner nochmals neu kennenlernt. Aus Kameraden sind Athleten geworden.
Kai Werner schließt die Türe zur Trainingshalle in Sontheim-Ost auf. Stickige und sehr heiße Luft strömt ihm entgegen. Für einen Turner kein Grund, sein Übungsprogramm zu ändern. Leiden gehört zum Alltag. Die Herausforderung für Kai Werner und die KTV Heilbronn heißt 2. Bundesliga. Aufgestiegen sind sie − und wenn beim Saisonauftakt am 28. September in Koblenz die Kürelemente klappen sollen, gibt es keine Ausreden.
Härter sein
Bei den jüngeren unter den KTV-Turnern ist Kai Werner der Autoritäre. Sein Ziel ist es, ihnen wichtige Dinge mitzugeben. Auch ohne Trainerschein. Von seinen Kumpels gibt es mitunter schon erst mal einen Spruch. "Aber ich habe die nötigen Argumente", sagt der mehrmalige Junioren- und deutsche Mannschaftsmeister, "ich zwinge mich, härter zu sein." Wichtig ist Kai Werner ein pünktlicher Trainingsbeginn. Einen Strafenkatalog fürs Zuspätkommen gibt es nicht. Wohl aber die ein oder andere Gemeinheit am Ende der Einheit. "Die ist unangenehm, aber hilfreich", sagt Kai Werner und grinst.
Grundfitness
Für ihn zählen die Komponenten wie Kraft-Beweglichkeit und körperliche Grundfitness. Er selbst hat sie. Kein Gramm Fett ist unter seinem hautengen schwarzen Funktionsshirt versteckt. Kai Werner ist Sportler, nicht nur Turner. Beachvolleyball, Wasserski, Muay-Thai, das macht ihm Spaß.
Vor sechs Jahren ist der Reck- und Ringespezialist von Cottbus nach Heilbronn gezogen − des Jobs wegen. "Es war der erste Schritt weg von Mamas Rockzipfel", sagt Kai Werner. Er ist ihm leicht gefallen. Auch, weil die Turnfamilie überall ist. Bei der KTV haben sie ihn 2008 aufgenommen. Seither ist er als Turner dabei, seit Jahresbeginn als Trainer für René Lachmund, der aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen kürzertritt.
Druck verspürt Kai Werner keinen. Schließlich hat es das noch nicht gegeben, dass die KTV als Zweitligist geführt wird. In früheren Jahren gehörten sie einmal in die Liga, doch damals im Verbund mit Neckarsulm und Hohenlohe. "Wir sind neu", sagt der Coach, "da brauchen wir uns keinen Kopf zu machen." Erfahrung sammeln. Das ist das Motto für die regional geprägte Truppe, die es im dritten Anlauf in die Nord-Staffel geschafft hat. Die Vorgabe: Den ein oder anderen Kontrahenten zu ärgern.
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