Einer, der den Weg zum Tor kennen soll

Eishockey - Stürmer Mikhail Nemirovsky hat einen Auflösungsvertrag unterschrieben. Der 34-jährige Angreifer hat die Erwartungen nicht erfüllt. Dafür verpflichten die Heilbronner Falken den Stürmer Maxim Birbraer. Am Freitag im Heimspiel gegen die Wölfe Freiburg wird Birbraer wohl erstmals spielen.

Von Andreas Öhlschläger
Email
Maxim Birbraer möchte für die Falken viele Tore schießen. Der Stürmer besetzt die Ausländerstelle, die seit der Trennung von Scott Mifsud verwaist war.Foto: Kugler

Eishockey - High Noon. Zwölf Uhr mittags. Aber es ist nicht so wie im Western, dass sich Gut und Böse im gnadenlosen Entscheidungskampf gegenüberstehen. Hier Falken-Manager Ernst Rupp, dort Stürmer Mikhail Nemirovsky - am Ende des Gespräches zur Mittagszeit gehen beide aufrecht durch die Türe der Geschäftsstelle. Geschiedene Leute sind sie allerdings. Nemirovsky hat einen Auflösungsvertrag unterschrieben. Wohin er wechseln wird, ist Rupp egal. Der 34-jährige Angreifer hat die Erwartungen nicht erfüllt. Vier Tore in 31 Zweitligaspielen waren zu wenig - aussortiert.

Debüt am Freitag

Es gibt seit gestern aber auch einen Neuen im Heilbronner Kader. Mit Stürmer Maxim Birbraer ist seit Mittwochnachmittag alles klar. Er soll dafür sorgen, dass die Angriffsflaute nicht noch länger zur Belastung wird. Am Freitag im Heimspiel gegen die Wölfe Freiburg wird Birbraer wohl erstmals spielen. „Die Transferkarte haben wir weggeschickt, da ist alles am laufen“, sagt Manager Rupp. Falken-Trainer Rico Rossi hatte sich schon im Sommer über den 28-Jährigen erkundigt. „Ich habe mit einigen Trainern gesprochen.“ Dann aber entschied sich Rossi gegen Birbraer. Nun soll der Stürmer mithelfen, die miserable Chancenverwertung zu verbessern. „Er ist ein großer Spieler, der den geraden Weg zum Tor sucht“, sagt Rico Rossi über Maxim Birbraer. „Er hat eine gute Lauf-, Stock- und Schusstechnik.“ Eines allerdings sollte der Flügelstürmer, den Rossi neben Samendinger und Petrozza spielen lassen möchte, auch mitbringen: Schussglück. Daran fehlte es den Falken zuletzt.

Maxim Birbraer stammt aus Kasachstan, ist im Besitz eines israelischen Passes und hat auch Länderspiele für Israel bestritten. Er verbrachte einen Großteil seiner sportlichen Karriere in Amerika und spielte mehrere Jahre in den Ligen AHL und ECHL. In Vorbereitungsspielen wurde er sogar einige Male im NHL-Team der New Jersey Devils eingesetzt. Die laufende Saison begann er bei Torpedo Ust-Kamenogorsk in seiner kasachischen Heimat. Zuvor stürmte er für die Cardiff Devils in der britischen Liga.

Ob Birbraer nach etlichen Winter-Flops in den vergangenen Jahren ein Volltreffer ist? Bald wird man es wissen. Rico Rossi jedenfalls verweist immer wieder darauf, dass seine Mannschaft gute Chancen habe, die Playoffs zu erreichen. Soll dies auf direktem Weg gelingen, muss zumindest der sechste Tabellenplatz verteidigt werden, den die Falken derzeit punktgleich mit dem Siebten aus Landshut belegen (45 Zähler). Zwischen Rang vier (Ravensburg, 51) und Platz elf (Freiburg, 37) sind noch große Verschiebungen möglich. Der Falken-Trainer ist zuversichtlich, dass sein Team dabei nicht zu den Verlierern gehören wird.

Max Birbraer soll helfen, die schwache Torquote zu verbessern. Seinen Mut beim Blick in die Zukunft schöpft Rossi aber vor allem aus der Defensivleistung. „Sollten wir die Playoffs schaffen, dann gehe ich lieber mit einer starken Verteidigung als mit einem starken Angriff in die K.o.-Runde“, hat er kürzlich gesagt. Eine alte Weisheit lautet: offense wins games, defense wins championships. Auf deutsch: Du musst hinten gut stehen, willst du wirklich etwas erreichen. Rossi verweist voller Zuversicht auf die jüngsten Ergebnisse: „Wir haben in drei Spielen nur drei Gegentore kassiert.“ Das ist wahrlich ein famose Quote.

Am Freitag im Duell mit den Wölfen Freiburg sollte eigentlich der Knoten im Angriff platzen. Wenn nicht jetzt, wann dann? 129 Treffer mussten die Südbadener bereits hinnehmen. Nur einen weniger als die Liga-Schlusslichter aus Crimmitschau und Dresden, 49 mehr als die Falken. Vielleicht trifft ja Derek Edwardson mal wieder? Der Amerikaner im Falken-Trikot wartet nun schon seit 21 Spielen in Folge auf ein Tor. Rico Rossi kann das nicht verstehen. Er ist vom Können seines Stürmers fest überzeugt - doch Edwardson hat in 30 Zweitligaspielen erst vier Mal getroffen. Damit ist seine Torbilanz so schlecht wie die von Mikhail Nemirovsky, der nun ein Ex-Falke ist. „Es hat auf dem Eis Signale gegeben, dass von Nemo etwas kommen kann, aber insgesamt war es zu wenig“, sagt Rico Rossi.

Kanadier zur Probe

Nicht ausreichen für einen Vertrag bei den Falken wird wohl das Können von Justin Todd. Der 23-jährige Kanadier kann sich im Probetraining empfehlen. Er ist von den Eisbären Berlin nach Heilbronn vermittelt worden. Manager Rupp hat ihm die Bahnfahrt ins Unterland bezahlt - es sieht aber so aus, als werde Todd bald wieder zurückreisen. Kommentar „Wieder ein Flop?“


Kommentar hinzufügen