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Der Neusser HV: Ein Vorbild für den TSB?

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Der Drittligist Neusser HV zeigt, wie der Weg ins Handball-Profigeschäft funktionieren kann. Dient er damit als Vorbild für erfolgreiche Mannschaften aus der Region wie den TSB Horkheim?

Von unserem Redakteur Stephan Sonntag
Das 19-jährige Talent Brian Gipperich (beim Wurf) hat der Neusser HV vom Bundesligisten Bergischer HC ausgeliehen.
Foto: nhv1
Das 19-jährige Talent Brian Gipperich (beim Wurf) hat der Neusser HV vom Bundesligisten Bergischer HC ausgeliehen. Foto: nhv1

Vom ambitionierten Amateurverein zum Proficlub − dieser Weg ist nicht nur steinig, er hat Vereine auch schon in den Ruin getrieben. "Entscheidend ist, dass der sportliche Erfolg und die Professionalisierung des Umfelds Hand in Hand gehen", sagt René Witte.

Der 38-Jährige ist Geschäftsführer beim Neusser HV. Mit nur einem Minuspunkt ist das Team souveräner Spitzenreiter in der 3. Liga West. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga scheint dem NHV kaum noch zu nehmen, doch die Ziele sind noch deutlich ehrgeiziger.

Schon als der Verein 2013 in die 3. Liga aufgestiegen ist, wurden die ersten Weichen in Richtung Profibereich gestellt. Die erste Männermannschaft wurde vom Hauptverein in die "nhv1 GmbH" ausgegliedert.

"Zum Einen, um den Verein bei einem Konkurs vor Haftungsansprüchen zu schützen. Zum Zweiten, um vom Vereinsrecht unabhängig wirtschaften zu können", erklärt Witte. Eingetragene Sportvereine unterliegen auf diesen Gebieten in der Regel engen Richtlinien. Für den Bereich Finanzen ist beim NHV Thomas Koblenzer zuständig. Der promovierte Jurist ist Experte für Steuerrecht und durch diese Tätigkeit überregional bestens vernetzt. Über die Kontakte des 49-Jährigen konnten viele Sponsoren gewonnen werden. Nächste Saison wird der Etat erstmals die Millionengrenze überschreiten. 

Investitionen in den sportlichen Bereich

Nachdem die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen waren, wurde gezielt in den sportlichen Bereich investiert. Dabei stand aber nicht nur die erste Mannschaft im Fokus, sondern auch die Nachwuchsarbeit. Seit dieser Saison spielen die A-Junioren in der Bundesliga West. Der langjährige Spieler Ceven Klatt ist inzwischen hauptamtlicher Trainer des Drittligateams. Trainiert wird praktisch unter Profibedingungen, sechs bis acht Einheiten die Woche. Einige Spieler sind bereits Profis, die übrigen bereit, diesen Schritt zu wagen. "Die Jungs sind alle heiß auf die 2. Liga", sagt Witte.

Niklas Frielingsdorf neben dem Slogan für die Vikings.
Foto: Sonntag
Niklas Frielingsdorf neben dem Slogan für die Vikings. Foto: Sonntag

Die GmbH beschäftigt zudem einen Nachwuchskoordinator und mit dem ehemaligen Stimme-Redakteur Niklas Frielingsdorf auch einen Leiter Medien und Kommunikation. Lediglich eine große Baustelle blieb bis vergangene Woche: die Spielstätte. Denn die Hammfeldhalle mit ihren 800 Plätzen versprüht den Charme der 1970er-Jahre. Der Rhein-Kreis hatte zwar zum Aufstieg des NHV 40.000 Euro investiert, um die Halle drittligatauglich zu bekommen, doch seitdem tat sich nichts mehr. "Für die 2. Bundesliga ist sie im momentanen Zustand untauglich", sagt Witte.

Kooperation mit Nachbarverein

Doch statt die mangelnde Unterstützung von Seiten der Politik zu beklagen, hat der Club gehandelt und ist eine Kooperation mit dem Nachbarverein ART Düsseldorf eingegangen. Der 2011 insolvent gegangene Ex-Bundesligist spielt zurzeit in der 4. Liga. Keine Klasse, in der sich seine frühere Heimspielstätte, das Castello Düsseldorf mit seinen 3000 Plätzen, füllen ließe. Dies soll in der kommenden Saison aber dem HC Rhein Vikings gelingen.

Unter diesem Namen wollen der Neusser HV und ART Düsseldorf in der 2. Bundesliga firmieren. Wobei die Zuschauerkapazität weit weniger wichtig ist, als die vier Vip-Räume mit Profi-Catering. "Bei Borussia Dortmund tragen die Zuschauereinnahmen gerade mal 15 Prozent zum Gesamtetat bei und da kommen jedes Mal 80.000 Leute", sagt Witte, der einen ähnlichen Anteil anstrebt.

Der nicht unbeabsichtigte Nebeneffekt dieses Schritts: Die Stadt Neuss sieht sich nun in der Pflicht, in der Hallenfrage Lösungen zu finden, damit der Club nicht dauerhaft nach Düsseldorf abwandert. "Wir würden unsere Heimspiele gerne abwechselnd in Düsseldorf und in Neuss austragen", sagt Witte. Der Neusser Fanclub "Rote Wand" jedenfalls unterstützt die Kooperation. Der Vorsitzende kam zum letzten Heimspiel mit Wikingerhelm.

Die Situation in der Region

Bei den Neckarsulmer Bundesliga-Frauen wird zurzeit unter Hochdruck daran gearbeitet, ein Umfeld zu schaffen, das einen dauerhaften Verbleib in der Eliteklasse ermöglicht. Bisher gibt es keine hauptamtlichen Mitarbeiter, nur wenige Spielerinnen sind Profis, das Trainingspensum ist verglichen mit vielen Ligakonkurrenten gering. Das Bundesligateam firmiert unter dem Dach des Hauptvereins, ist also bisher nicht in eine GmbH ausgegliedert worden. In der Ballei als Spielstätte besteht in den kommenden Jahren Sanierungsbedarf.

Männer-Drittligist TSB Horkheim klopft zurzeit ans Tor zur 2. Liga. Auch beim TSB gibt es keine hauptamtlichen Mitarbeiter und keine Profispieler. Trainiert wird drei Mal in der Woche. Eine Ausgliederung hat es ebenfalls nicht gegeben. Die Stauwehrhalle wäre nur mit Sondergenehmigung für Zweitliga-Handball geeignet. 

 

 
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