Schozachtal
Lesezeichen setzen Merken

Hochwasserschutz im Schozachtal: Die Bäche sind gebändigt

Der Zweckverband hat in 20 Jahren seine Hausaufgaben an der Schozach und den Nebengewässern fast vollständig erledigt. Das Land hat 70 Prozent der Kosten von 20 Millionen Euro übernommen.

Sabine Friedrich
  |    | 
Lesezeit 3 Min
Hochwasserschutz im Schozachtal: Die Bäche sind gebändigt
Verbandsvorsitzender Klaus Zenth (rechts) und Ingenieur Rüdiger Koch am größten Becken Abstatt/Schozach, das auch zuerst gebaut wurde.  Foto: Berger, Mario

Bäche, Erdreich, Abwasserschächte und Kanäle konnten die Massen nicht aufnehmen. Das Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen, das am 1. Mai 1998 auch das Schozach- und Bottwartal mit voller Wucht traf, verwandelte etwa in Abstatt Straßen in Seen. In wenigen Minuten versank der Sportplatz 50 Zentimeter tief im Wasser. In Untergruppenbach quoll die Schozach aus ihrem Bett, in Oberheinriet stand das Wasser bis zu 1,30 Meter in den Straßen. Das berichtete damals die Heilbronner Stimme. Viele Keller und Wohnungen liefen voll. Die Schäden gingen in die Hunderttausende. "Das war das Schlüsselereignis", sagt Rüdiger Koch, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Winkler und Partner. Die Kommunen handelten, schlossen sich 2002 zum Zweckverband Hochwasserschutz Schozachtal zusammen.

Politische Druck im Weinsberger Tal war höher

Ein junger Zweckverband, wie der Vorsitzende, Abstatts Bürgermeister Klaus Zenth, sagt. Der Wasserverband Sulm zum Beispiel wurde schon 1973 gegründet. Da war der politische Druck größer, hatten doch verheerende Hochwasserereignisse im Februar und Mai 1970 Kolbenschmidt und Audi in Neckarsulm unter Wasser gesetzt. Der damalige VW-Chef drohte, das Audi-Werk abzuziehen. Im Einzugsgebiet der Schozach war in den 1990er Jahren meist Privatbesitz von Überflutungen betroffen.

Fast alle Hausaufgaben erledigt

In den vergangenen 20 Jahren wurden an der Schozach fast alle Hausaufgaben erledigt. Bis auf ein Hochwasserrückhaltebecken (HRB) sind alle sieben gebaut und zwei saniert worden. Das mehr als 20 Millionen Euro teure Konzept, zu 70 Prozent vom Land gefördert, wirkt. Zum Vergleich: An der Sulm kosteten 17 Becken 41 Millionen Euro. Das Stauvolumen im Schozachtal kam noch nie annähernd an seine Grenzen. Nur zu einem Drittel war das größte Becken in Abstatt mal gefüllt, zeigt Koch der Blick in die Statistik. Seit dieser Schutz gebaut worden sei, habe es in Abstatt keine Probleme mehr gegeben, nennt Klaus Zenth seine Kommune als Beispiel.

Topografie ganz anders als an der Ahr

"Kann das auch bei uns passieren?" Das war der erste Gedanke, der Zenth nach der Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021durch den Kopf ging. Anlass für ihn, prüfen zu lassen, ob an der Schozach weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen. "Wir haben nicht die topografischen Verhältnisse wie an der Ahr, keine solch schmalen Taleinschnitte." Der Klimafaktor wurde bei den Planungen der Becken berücksichtigt. Ein Anstieg der Wassermenge um 15 Prozent wurde eingerechnet. Das soll bis 2050 reichen, gibt Koch zur Auskunft.

Es gilt den Schutz weiter zu verbessern

"Becken und Gewässerausbau gehen Hand in Hand", sagt Zenth und weist auf örtliche Maßnahmen wie die Ufermauererhöhung in Talheim hin, um für ein 100-jährliches Hochwasser gewappnet zu sein. "Das wird uns die nächsten Jahrzehnte beschäftigen", spricht er das ökologische Gewässergutachten an, das Uferaufböschungen oder Mäandrierung beinhaltet, die die Kommunen umsetzen sollten, damit die Schozach im Ernstfall mehr Platz hat.

Gleich zum Start gab es Streit

Das Hochwasserschutzkonzept im Schozachtal war nicht unumstritten. Bürger wollten keine hohen Dämme, die das Landschaftsbild beeinträchtigten. Der Ilsfelder Gemeinderat verärgerte damals seine Nachbarn, weil er um den Umlagenschlüssel feilschte - ein schwieriger Start. Hat sich das Bewusstsein verändert? "Durch jedes Hochwasser wird die Akzeptanz größer", beobachtet Zenth. Beispielhaft führt er das Umdenken in Untergruppenbach an, wo der Gemeinderat 2016 noch den Bau des zehnten Beckens "Schwinglesklinge" in Oberheinriet abgelehnt hatte. Weil so lange Zeit vergangen ist, braucht es jetzt eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, um auch hierfür eine Förderung vom Land zu bekommen.

Wie beeinflussen neue Wohn- und Gewerbegebiete den Schutz?

Seit 2002 sind in den Kommunen an der Schozach und ihren Nebengewässern Wohn- und Gewerbegebiete aus dem Boden gewachsen. Inwiefern tangiert diese Entwicklung die Konzeption? Die Fortschreibung der Hochwassergefahrenkarte, die bis 2023 erfolgen soll, werde das zeigen, gibt Diplom-Ingenieur Koch zur Antwort. In den vergangenen Jahren sei nicht das Hochwasser aus fließenden Gewässern das Problem gewesen, vielmehr habe Starkregen bereits Schäden verursacht, bevor die Wassermassen die Bäche erreichten, schildert Zenth die Erfahrungen. Vor allem Untergruppenbach wurde wiederholt von Schlammlawinen heimgesucht. Für diese Fälle gewappnet zu sein, das sei nicht Aufgabe des Zweckverbands, sondern der Gemeinden. Diese haben zum Teil schon beschlossen, ein Starkregenrisikomanagement erstellen zu lassen, um dann entsprechende Vorkehrungen zu treffen.

 
Kommentar hinzufügen
Kommentar hinzufügen
Kommentare werden geladen
  Nach oben