Schozach- und Bottwartal
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Die Besonderheiten der Schulen im Schozach- und Bottwartal

Zum Beispiel ein G9-Gymnasium in Beilstein: Was die weiterführenden Schulen im Schozach- und Bottwartal ausmacht, lesen Sie hier.

Anja Krezer
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Lesezeit 3 Min
Die Besonderheiten der Schulen im Schozach- und Bottwartal
Das Steinbeis-Schulzentrum in Ilsfeld ist für hunderte Jungen und Mädchen aus dem Schozach- und Bottwartal der Ort, an dem sie fit für ihren weiteren Lebensweg gemacht werden. Foto: Archiv/Kunz  Foto: Kunz

Hier gibt es manches, was es so nicht überall gibt: Die (weiterführende) Bildungslandschaft im Schozach- und Bottwartal hat einige Besonderheiten zu bieten. Aber für eine Region mit knapp 50 000 Einwohnern ist sie auch einigermaßen überschaubar. Das hat strukturelle, aber auch geographische Gründe.

Millionenschwere Sanierung

Vier fünfte Klassen gibt es im kommenden Schuljahr im Herzog-Christoph-Gymnasium in Beilstein. Das mag für viele Gymnasien eine gute Quote sein, fürs HCG ist es eher wenig. "Wir hatten auch schon sechs oder sieben fünfte Klassen", sagt Schulleiter Dr. Felix Stadtfeld. Das Gymnasium erfreut sich grundsätzlich großer Beliebtheit, weil es weit und breit das einzige ist, an der man das Abitur nach neun Jahren machen kann. Im Schozach- und Bottwartal ist es überhaupt das einzige Gymnasium. Dass Stadtfeld fürs kommende Schuljahr nur 118 Anmeldungen hat, darüber ist der Oberstudiendirektor sogar froh. Die Zahl ist vor allem der laufenden, millionenschweren Sanierung der Bildungseinrichtung geschuldet. Weil die Schule dadurch räumlich begrenzt ist, hatte Stadtfeld interessierte Eltern vorab informiert, dass womöglich angehende Fünftklässler abgewiesen werden müssen, wenn es zu viele werden sollten. Der Appell zeigte Wirkung.

Gute Verkehrsanbindung

Vor allem vom Schozachtal aus sind andere Gymnasien vergleichsweise leicht erreichbar, wenngleich sie allesamt nicht in neun, sondern in den üblichen acht Jahren zum Abitur führen. Das Hölderlin-Gymnasium in Lauffen ist nicht weit, und im nahen Heilbronn stehen gleich mehrere Alternativen zur Auswahl. "Die Verkehrsanbindung ist in alle Richtungen gut", sagt Katharina Eisenmann, die die Stettenfelsschule in Untergruppenbach kommissarisch leitet - eine Grundschule samt Gemeinschaftsschule. Die Konkurrenz spüre jede der Bildungseinrichtungen im Umfeld, sagt Eisenmann. Dennoch habe man gute Kontakte zu den anderen. Etwa ins benachbarte Ilsfeld. "Wir teilen uns zum Beispiel Lehrer."

Die Stettenfelsschule hat sich vor knapp zehn Jahren von einer Werkreal- in eine Gemeinschaftsschule verwandelt. Mit der Umstrukturierung wurde Schule in der Gemeinde nicht nur neu gedacht. Der Wechsel der Schulart ermöglichte es, dass Untergruppenbach als weiterführender Schulstandort erhalten blieb. Anders lief es einige Kilometer die Schozach abwärts, in Flein und in Talheim. Dort ging der Sinkflug von Haupt- und Werkrealschulen einher mit Schließungen. Seither sind in den beiden Kommunen nur noch Grundschulen ansässig.

Stiefmütterliche Behandlung

Sind Gemeinschaftsschulen inzwischen fest verankert in der Bildungslandschaft - und in der öffentlichen Wahrnehmung? "Sie kommen schon langsam an", findet Eisenmann. "Aber die Schulart wird in der Politik stiefmütterlich behandelt", kritisiert die kommissarische Untergruppenbacher Schulchefin.

Zwei unterschiedliche Schularten, die auf ein- und demselben Campus dieselben Abschlüsse anbieten - geht das konkurrenztechnisch gut, oder gräbt man sich gegenseitig das Wasser ab? Im Steinbeis-Schulzentrum in Ilsfeld haben die Schüler aus dem Schozach- und Bottwartal die Wahl zwischen der Steinbeis-Realschule und der Steinbeis-Gemeinschaftsschule. Nein, man mache sich gegenseitig nicht das Leben schwer, heißt es aus beiden Rektoraten. "Wir haben ganz unterschiedliche Schülerschaften und gehen unterschiedlich vor in der Erreichung unserer Ziele", sagt Tanja Bewersdorff, die die Gemeinschaftsschule leitet - eine Schule übrigens, die mehr auswärtige als Ilsfelder Jungen und Mädchen besuchen. So sieht das auch ihr Pendant in der Realschule, Andreas Gremmelmaier.

Waldorfpädagogik im SBBZ

Zum Ilsfelder Schulzentrum gehört neben einer Grundschule auch das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) mit dem Förderschwerpunkt Lernen für Klasse 1 bis 9. Apropos SBBZ: Nur ein paar Kilometer entfernt, in Flein, gibt es ein weiteres SBBZ: Die Freien Johannesschulen mit den Schwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung sind das einzige SBBZ weit und breit, in dem auf Grundlage der Waldorfpädagogik unterrichtet wird.

Profile und Schwerpunkte

Jede weiterführende Schule im Schozach- und Bottwartal hat ihre eigenen Schwerpunkte, ihre Besonderheiten, mit denen sie punktet. Das Herzog-Christoph-Gymnasium in Beilstein hat als G9-Schule ohnehin ein Alleinstellungsmerkmal. Außerdem bietet die Bildungseinrichtung ein Sportprofil und eine bilinguale Abteilung: Bestimmte Sachfächer werden auf Englisch unterrichtet. Das HCG ist zudem zertifiziert als MINT-EC-Schule, fördert und begeistert Jungen und Mädchen also in besonderem Maße in den Fächern Mathematik, Naturwissenschaft und Technik. Ein MINT-Profil hat auch die Stettenfelsschule in Untergruppenbach, die sich als familiäre Schule sieht und nach eigenen Angaben eng mit Einrichtungen der Gemeinde kooperiert. In der Ilsfelder Gemeinschaftsschule wird "SegeLn" groß geschrieben - eine Abkürzung für selbstgesteuertes Lernen. Es geht aber auch zum echten Segeln ins Schullandheim. Ein Auszug aus dem Portfolio der Realschule Ilsfeld: Neuntklässler können Teil der Junior-Ingenieur-Akademie werden. Informatik wird in Klassenstufe 5/6 als Extra-Fach unterrichtet.

 
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