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Wichtige Helferchen für ein gutes Ökosystem

Der Bezirksimkereiverein Unteres Kocher- und Jagsttal setzt sich für Schutz und Erhalt der Bienen ein.

Kirsi-Fee Rexin
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Lesezeit 3 Min
Wichtige Helferchen für ein gutes Ökosystem
Im Schlossgraben in Neuenstadt-Bürg schauen Thomas Reichert (links) und Martin Ernst nach den 28 Bienenvölkern.  Foto: Seidel, Ralf

Die Honigbiene spielt eine wichtig Rolle für den Natur- und Artenschutz, die Artenvielfalt und ein intaktes Ökosystem. Rund 80 Prozent der 3000 heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung der Biene angewiesen, Vögel und Kleinsäuger erhalten so wiederum ihre Nahrungsgrundlage. Zum Schutz und Erhalt dieser wertvollen Insekten haben sich im nördlichen Landkreis über 100 (Hobby-)Imker unter dem Namen Bezirksimkereiverein Unteres Kocher und Jagsttal zusammengeschlossen.

Die Anfänge

Laut einem alten Protokoll entstand 1906 ein Imkerverein im Kochertal, 1934 kam es zum Zusammenschluss der Vereine im unteren Kocher- und Jagsttal. Seit 2017 ist Thomas Reichert Vorsitzender des Vereins, in dem neun Gemeinden vertreten sind. Angefangen hatte bei ihm alles 2013 mit einem Anfängerkurs für Imker in Möckmühl. "Die Arbeit mit den Bienen hat mich einfach fasziniert", erzählt er. Im Schlossgraben von Neuenstadt-Bürg betreut Reichert 28 Bienenstöcke. Der Standort auf dem Privatgelände sei ideal, weil die Bienen in naher Umgebung ausreichend Nahrung finden. Außerdem sei der Standort vor kaltem Wind geschützt. Mehrmals in der Woche schaut er nach den Tieren. Reichert rät dringend davon ab, Bienen in aufgebrachter Stimmung zu besuchen. "Wenn man sich ruhig verhält, hat man auch keine Stiche zu befürchten", so Reichert. "Bienen stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen." Passiert dies, bezahlt die Biene das allerdings mit ihrem Leben.

Königin hat größeres Hinterteil

Wichtige Helferchen für ein gutes Ökosystem
3000 Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung der Biene angewiesen.  Foto: Seidel, Ralf

Mit ruhiger Hand nimmt Thomas Reichert den Deckel des Bienenstocks ab, bläst etwas Rauch aus einer Kanne hinein, um die Insekten von der Wabe zu lösen. Er zieht eine der 25 Waben heraus, mehrere Tausend Bienen tummeln sich auf ihr. Dazwischen sticht eine Biene heraus, ihr Hinterteil ist deutlich größer als das der anderen. "Das ist die Königin", erklärt der 43-Jährige. Jedes Volk habe eine Königin, der Rest seien Arbeiterbienen.

Sobald es blüht fliegen sie aus, um Pollen und Nektar zu sammeln. An guten Tagen geschieht dies bis zu 30 Mal, dabei besuchen sie bis zu 300 Blüten. Damit versorgen sie die Königin und die Larven. Die sogenannten Wirtschaftsbienen sammeln den Honig in Form von Pollen an ihren Hinterbeinen als Futtermittel für die Jungtiere. Daneben produzieren sie das "Gelee Royal". 20 bis 30 Kilo Honig kann ein Imker im Jahr mit einem Volk Bienen ernten. Vorausgesetzt, das Frühjahr und der Sommer waren nicht zu nass. "Eine Pflanze kann blühen und trotzdem keinen Nektar hervorbringen, wenn es ihr zu nass ist", erklärt Reichert. Dann fehle den Bienen das Material. 2021 sei so ein Jahr gewesen, man habe kaum Honig geerntet.

"Für mich ist das aber nicht schlimm, weil ich nicht auf Wirtschaftlichkeit aus bin, sondern das Imkern als Hobby betreibe", so Reichert. So hält es auch Martin Ernst, der seit 2017 stellvertretender Vereinsvorsitzender ist. Der Landwirt kümmert sich auf seinem Hof in Roigheim neben den Schafen auch um zehn Bienenstöcke. Die Arbeit mit den Insekten habe seinen Blick auf die Natur verändert: "Seitdem schaue ich genau hin, wo was blüht." Er genieße das Imkern sehr, denn er könne dabei gut entspannen. Den ein oder anderen Stich hat sich der 52-Jährige dennoch geholt. "Weh tut"s immer, aber der Körper reagiert nicht mehr mit einer großen Schwellung."

Reichert: "Es ist ein Lebewesen. Man hat eine Verantwortung."

Wichtige Helferchen für ein gutes Ökosystem
An einer Wabe finden sich mehrere Tausend Bienen. Hier sammeln die Arbeiterbienen Pollen und Nektar, um die Larven zu ernähren.  Foto: Seidel, Ralf

Reichert und Ernst sind froh, dass die Bedeutung der Biene in der Zwischenzeit mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. "Jeder kann etwas tun, um sie zu erhalten. Es reicht schon, wenn man ein Bäumchen in den Garten setzt, das blüht", so Ernst. Reichert fügt hinzu: "Jeder, der das Imkern lernen möchte, sollte einen Kurs besuchen. Ein Buch zu lesen, reicht nicht aus" betont er. "Es sind Lebewesen, man hat eine Verantwortung."

Daten und Fakten

Unter dem Dach des Deutsche Imkerbunds wurden im Jahr 2020 rund 132 633 Imker erfasst, davon rund 15000 in Baden-Württemberg. Zwischen 15 000 und 25 000 Tonnen Honig werden jährlich geerntet, rund 1,1 Kilogramm verzehrt jeder Deutsche im Jahr. Immer wieder werden Bienenstöcke geklaut, auch in der Region ist dieses Thema präsent. "In der Regel sind das andere Imker, deren Bienenvölker beispielsweise über den Winter gestorben sind", weiß Thomas Reichert.

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