Schwäbisch Hall
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Wie die Bausparkasse IT-Experten gewinnt

Weil der Arbeitsmarkt wenig hergibt, bildet das Unternehmen die Fachkräfte an einer internen Akademie selbst aus. Bis zum Jahresende werden 100 Mitarbeiter die Smart Data Akademie besucht haben. Das Interesse in der Belegschaft ist groß.

Jürgen Paul
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Wie die Bausparkasse IT-Experten gewinnt
Data Scientistinnen wie Olga Redko sind bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall sehr gefragt. Das Unternehmen bildet an seiner internen Smart Data Akademie seit zweieinhalb Jahren die IT-Experten selbst aus. Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall  Foto: Sebastian Berger

"Wir sind einer der größten IT-Arbeitgeber in der Region", sagt Claudia Klug, Generalbevollmächtigte der Bausparkasse Schwäbisch Hall selbstbewusst. Das Problem schiebt sie aber sofort nach. "Es weiß keiner."

500 Mitarbeiter sind im IT-Bereich tätig

Denn bei der Bausparkasse denkt man eher an Vertriebler, Kreditsachbearbeiter oder Bausparberater als an IT- oder Software-Experten. Dennoch arbeiten rund 500 Mitarbeiter der Bausparkasse im IT-Bereich, während gut 2500 Beschäftigte in den klassischen Bereichen tätig sind. Und der Bedarf an IT-Experten steigt stetig. Während wie überall in der Finanzbranche einfache Tätigkeiten zunehmend automatisiert und digitalisiert werden, nimmt das Thema intelligente Datenanalyse und -verarbeitung - Smart Data - an Bedeutung zu.

Bausparkasse konkurriert mit Banken und Industrie um Fachkräfte

Deshalb hat die Bausparkasse vor zweieinhalb Jahren die Smart Data Akademie ins Leben gerufen, in der Mitarbeiter für das Thema qualifiziert werden. "Die Konkurrenz um Top-Talente aus dem IT-Bereich ist riesig", sagt Jannick Töppel, der die Smart Data Akademie verantwortet. Auf dem Arbeitsmarkt konkurriert die Bausparkasse in diesem Bereich nicht nur mit den Banken, sondern auch mit den Mittelständlern und Konzernen der Region - IT-Experten werden überall gebraucht. Da reicht auch das gute Arbeitgeber-Image der Bausparkasse nicht mehr aus, die bekannt ist für sehr flexible Arbeitszeitmodelle. Es sind beispielsweise Mitarbeiter im Unternehmen, die von Hamburg, Berlin oder vom Schwarzwald aus arbeiten.

Aktuell sind 20 Stellen im IT-Bereich zu besetzen

"Rund 20 freie Stellen haben wir derzeit im IT-Bereich", sagt Claudia Klug. Mithilfe der Smart Data Akademie soll diese Lücke gefüllt werden. Töppel hat mit seinem Team verschiedene Module entwickelt. Es geht etwa um Programmiersprachen, um Schnittstellen zwischen der IT und den verschiedenen Fachbereichen oder um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Umgang mit den Kundendaten. An vier bis fünf Präsenztagen werden die Mitarbeiter in kleinen Teams über mehrere Wochen weitergebildet und haben anschließend je nach gewähltem Kurs die Möglichkeit, als Data Architect, Data Scientist oder Analytics Translator zu arbeiten.

Die Bereitschaft der Mitarbeiter, diese neuen Bereiche kennenzulernen, sei groß, sagt Claudia Klug. "Die Nachfrage ist immer größer als die Plätze." Bis zum Jahresende werden mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kurse an der Smart Data Akademie absolviert, darunter auch 30 Führungskräfte.

Nutzen für die tägliche Arbeit

Wichtig ist der Bausparkasse, dass das erlernte Wissen konkreten Nutzen in der täglichen Arbeit hat und direkt angewendet werden kann. Smart Data sorgt zum Beispiel dafür, dass der Kundenberater direkt im Gespräch schon sehen kann, welche Unterlagen des Kunden zum Vertragsabschluss noch fehlen - das spart viel Zeit.

Bei aller Bereitschaft zur Weiterbildung im IT-Bereich betont Claudia Klug, dass kein Mitarbeiter gezwungen werde, die Smart Data Akademie zu besuchen. "Wir haben ja immer noch die klassischen Bereiche", sagt sie. Auch hier gebe es weiterhin Bedarf, nicht zuletzt aufgrund des in den vergangenen Jahren stark gewachsenen Baufinanzierungsbereiches. Das Ziel für die interne Akademie ist dennoch klar. "Wir wollen jedes Jahr Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen dabei haben", sagt Töppel.

Das Unternehmen

Die Bausparkasse Schwäbisch Hall ist mit rund sieben Millionen Kunden und einem Marktanteil von rund 30 Prozent die größte Bausparkasse in Deutschland. Das Unternehmen beschäftigt rund 6700 Mitarbeiter im Innen- und Außendienst und arbeitet eng mit den Genossenschaftsbanken zusammen. Neben dem Bausparen ist die Bausparkasse in der Baufinanzierung tätig. Im Ausland ist Schwäbisch Hall in China, Ungarn und der Slowakei mit Beteiligungsgesellschaften aktiv.

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