Asperg
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Was sich durch Corona in der Gastronomie geändert hat

Im Jubiläumsjahr muss sich das Hotel und Restaurant Adler in Asperg in einigen Punkten neu orientieren. Die zentralen Probleme der Branche schlagen voll durch.

Heiko Fritze
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Lesezeit 2 Min

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Was sich durch Corona in der Gastronomie geändert hat
Leiten den Adler in Asperg in vierter und fünfter Generation: Christian, Dory und ihr Sohn Ricardo Ottenbacher (von rechts).  Foto: cfsdcv

Natürlich wird noch groß gefeiert. Für den 2. Oktober ist eine Gala geplant und für den 20. November die traditionelle Küchenparty, diesmal in erweiterter Form. "Wir wollten sie trotz Corona nicht verlegen", sagt Geschäftsführer Christian Ottenbacher. Und doch hat das Virus in dem Unternehmen, das heute in vierter Generation geführt wird und sich seit 125 Jahren in der Hand der Familie befindet, genug durcheinandergewirbelt.

70 Zimmer und drei Restaurants

Als Urgroßvater Christian Ottenbacher das 1846 errichtete Gebäude im Ortskern 1897 kaufte, richtete er darin eine Metzgerei mit Gastwirtschaft ein. "Das war damals so üblich", erklärt der heutige Inhaber. Über mehrere An- und Umbauten ist daraus ein Betrieb mit 65 Beschäftigten, einem 70-Zimmer-Hotel, drei integrierten Restaurants und einem Pachtbetrieb auf dem Hohenasperg geworden. Ergänzt wird das Angebot mit Tagungs- und Seminarsälen sowie Cateringservice.

Kundenverhalten hat sich geändert

Die Sorgen der Gastronomiebranche machen auch vor dem Unternehmen mit einem Michelin-Stern - für das Restaurant Schwabenstube - nicht halt: Die Kosten steigen, das Kundenverhalten hat sich geändert und die Fachkräfte sind rar. Zwar bekräftigt Ottenbacher: "Wir haben während der Corona-Schließungen niemanden entlassen müssen. Die staatlichen Hilfen haben uns sehr geholfen." Aber wenn Fachkräfte den Job wechseln, sei es viel schwerer, Ersatz zu finden.

Kein Wunder, dass der Geschäftsführer für das erste nahezu normale Nach-Corona-Jahr keine Erweiterungen oder große Umbauten plant, sondern Investitionen ins Personal: "Wir wollen die Mitarbeiter stärker ans Unternehmen binden, qualifizieren und weiterbilden", sagt er. Freie Stellen gibt es derzeit einige, im Service, bei Küchenhilfen und im Hotel.

Viele Feiern wurden nachgeholt

Auch bei der Kundschaft hat sich einiges nach Corona verändert. Nicht nur, dass einige immer noch vorsichtig sind und das Restaurant nur mit Maske betreten. "Die Gäste wollen jetzt noch lieber draußen sitzen", erzählt Ottenbacher. Ein Grund sei wohl corona-bedingt, dass sie lieber an der frischen Luft als in geschlossenen Räumen sein wollen. Immerhin: In den vergangenen Wochen wurden auf diese Weise auch viele Feiern nachgeholt, die in den vergangenen zwei Jahren abgesagt werden mussten.

Videokonferenzen statt Tagungen

Immer noch deutlich sind die Rückgänge bei Tagungen und Dienstreisen. "Firmen und Mitarbeiter haben die Vorteile von Videokonferenzen und Homeoffice entdeckt", erklärt der Geschäftsführer. "Wichtige Besprechungen finden zwar weiterhin vor Ort statt, aber weniger wichtige gehen inzwischen auch online. Keiner fährt mehr für zwei Stunden in den Raum Stuttgart. Und das spüren wir bei den Übernachtungen von Geschäftsreisenden." Auch bei Tagungen und Seminaren erwartet der Geschäftsführer, dass der Trend anhält. "Das wird jetzt erst einmal nicht mehr so stark zurückkommen wie vor Corona." Einen gewissen Ausgleich schaffe aber der Tourismus - denn in der Pandemie haben viele festgestellt, dass sie auch im Inland ein paar schöne Tage verbringen können.

 

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