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Ukrainer kommen auf dem Heilbronner Arbeitsmarkt an

Die Zahl der Erwerbslosen ist zwar leicht gestiegen, doch es gibt weniger jobsuchende Jugendliche als vor einem Jahr. Das hat einen einfachen Grund.

Heiko Fritze
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Lesezeit 2 Min

Noch schlagen sich die Krisen bei Energiepreisen, Gasversorgung und Inflation nicht auf den regionalen Arbeitsmarkt. Dass die Zahlen im Juli dennoch im Vergleich zum Vormonat leicht stiegen, liegt zum einen wie üblich an den auslaufenden Ausbildungsverhältnissen - und zum anderen an den Flüchtlingen aus der Ukraine, die allmählich in der Statistik auftauchen.

Ukrainische Flüchtlingen bekommen jetzt Hartz IV

So sagt der Heilbronner Arbeitsagentur-Leiter Manfred Grab: "Wie schon im Juni ist die Arbeitslosigkeit aktuell vor allem im Rechtskreis SGB II angestiegen. Seit diesem Zeitpunkt werden die Geflüchteten aus der Ukraine, die vorher Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten haben, von den Jobcentern betreut. Trotz der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten hat sich unser Arbeitsmarkt aber stabilisiert und die Arbeitskräftenachfrage ist nach wie vor hoch."

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Im Sozialgesetzbuch II ist die Grundsicherung geregelt, die umgangssprachlich auch als Hartz IV bezeichnet wird. Die Arbeitslosenquote im Stadt- und Landkreis Heilbronn stieg zwar durch diese Verschiebung um 0,2 auf 3,5 Prozent. Vor einem Jahr waren es aber noch 3,8 Prozent. Wie stark der Arbeitskräftebedarf ist, zeigt sich bei der Jugendarbeitslosigkeit: Die Quote stieg zwar von Juni auf Juli von 1,9 auf 2,3 Prozent, liegt damit aber 0,9 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert.

Ein Bewerber kann aus vier freien Ausbildungsplätzen wählen

"Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli ist nicht ungewöhnlich. Schulen und Ausbildungen enden und für viele junge Leute geht es beruflich erst nach den Ferien weiter", erklärt Elisabeth Giesen, Leiterin der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim. "Es gibt noch zahlreiche Ausbildungsangebote für dieses Jahr. Auf einen jungen Menschen, der jetzt noch auf der Suche ist, kommen fast vier freie Ausbildungsstellen."

Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober vergangenen Jahres haben Arbeitgeber 5280 Berufsausbildungsstellen gemeldet, das sind 4,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im gleichen Zeitraum haben sich aber nur 2416 Bewerber gemeldet, und das sind acht Prozent weniger als vor einem Jahr.

Erste Zeichen für Unsicherheit in der Wirtschaft

Auch in ganz Baden-Württemberg ist die Zahl der Arbeitslosen im Juli gestiegen. Die Arbeitslosenquote legte zum Juni um 0,1 Punkte auf 3,6 Prozent zu. Vor einem Jahr hatte sie noch 3,8 Prozent betragen. Die Zahl der Menschen ohne Job sei wegen der Übernahme von ukrainischen Geflüchteten in die Grundsicherung gestiegen, sagte der regionale Arbeitsagenturchef Christian Rauch. "Zum anderen lässt sich der Anstieg in der Arbeitslosenversicherung auf die bestehenden Unsicherheiten in der Wirtschaft zurückführen."

Die Regionaldirektion der Arbeitsagentur dämpfte aber Erwartungen, wonach Kriegsflüchtlinge nun rasch den Fachkräftemangel im Land ausbügeln könnten. So seien unter anderem Sprachkurse und die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse nötig, hieß es.

Hoffmeister-Kraut fordert Neuregelungen beim Kurzarbeitergeld

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut sagte, eine mögliche Verschärfung der Gasmangellage löse Risiken aus. "Sollte es so weit kommen, müssen wir mit einem massiven Einschnitt auf dem Arbeitsmarkt rechnen", warnte die CDU-Politikerin. Die Bundesregierung müsse rechtzeitig beim Kurzarbeitergeld nachjustieren. "Die Erleichterungen, die bei der Corona-Krise sehr gut funktioniert haben, müssen wieder aufgelegt werden", sagte Hoffmeister-Kraut. Auch der Wirtschaftsverband Unternehmer Baden-Württemberg pocht darauf, dass Unternehmen im Fall einer Gasmangellage breit auf Kurzarbeitergeld zurückgreifen können.

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