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Südwestmetall fordert Mäßigung statt Lohnerhöhung

Der Arbeitgeberverband lehnt Forderungen der IG Metall vehement ab. Eine aktuelle Umfrage in der Branche zeigt, dass viele Betriebe höhere Kosten und sinkende Gewinne erwarten

Jürgen Paul
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Lesezeit 2 Min
Südwestmetall fordert Mäßigung statt Lohnerhöhung
In der Metall- und Elektroindustrie gibt es Betriebe mit hohen Gewinnen und solche, denen es weniger gut geht. Dem soll die Tarifrunde Rechnung tragen. Foto: dpa  Foto: Silas Stein

Der Arbeitgeberverband Südwestmetall lehnt die Tarifforderung der IG Metall strikt ab. "Wir können uns keine weiteren Kostenbelastungen durch eine Tariferhöhung leisten", sagte Verbandsvorsitzender Joachim Schulz am Mittwoch in Stuttgart. Mit Blick auf die zahlreichen Herausforderungen der Branche - Kriegsfolgen, Inflation, steigende Preise, Lieferengpässe, Transformation - sagte Schulz in Richtung Gewerkschaft: "Mäßigung ist das Gebot der Stunde." Die IG Metall hatte am Dienstag ihre Forderung einer Lohnsteigerung von sieben bis acht Prozent für die im Herbst anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie bekanntgegeben.

 

Der Auftragseingang kühlt sich ab

Mit einer aktuellen Umfrage in der Branche unterlegten Schulz und Südwestmetall-Hauptgeschäftsführer Peer-Michael Dick ihre Position. Zwar sei der Auftragsbestand in vielen Unternehmen derzeit noch hoch. Doch der Auftragseingang habe sich deutlich abgekühlt. "Es gibt erste Stornierungen", berichtete Schulz. Auch liege die Produktion in der deutschen Metall- und Elektroindustrie derzeit noch 17,5 Prozent unter dem Vorkrisenjahr 2018. Als erfreulich bezeichnete der Verbandschef dagegen die stabile Beschäftigung.

Hohe Kosten belasten die Unternehmen

Die auf breiter Front gestiegenen Kosten werden zu einer immer stärkeren Belastung für die Unternehmen. So gaben 81 Prozent der im Südwesten befragten Unternehmen an, "in substanziellem Umfang" von den Kostensteigerungen betroffen zu sein, weitere elf Prozent sind "in geringem Umfang" betroffen. Nur 61 Prozent können die höheren Kosten "in geringem Umfang" weitergeben, 21 Prozent gelingt dies "in ausreichendem Umfang". Ein möglicher Gas-Lieferstopp träfe 82 Prozent der Betriebe.

Als "sehr besorgniserregend" bezeichnete Dick die Ertragssituation in der Branche. Laut Umfrage rechnen 81 Prozent der befragten Unternehmen in diesem Jahr mit einem Gewinnrückgang, 23 Prozent der Betriebe sehen sich sogar wirtschaftlich gefährdet.

 

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Viele Firmen verschieben Investitionen

Als Folge dieser Sorgen stellen die Unternehmen Investitionen zurück. Zwei von drei Betrieben gaben an, Investitionen zu reduzieren oder zu verschieben. Für Dick ein fatales Signal, da die Transformation der Branche ohne kräftige Investitionen kaum zu schaffen sei. 27 Prozent der Betriebe reagieren auf die angespannte Situation mit einem Personalabbau.

Joachim Schulz nannte angesichts dieses Befunds die Forderung der IG Metall nach einem Lohnplus von sieben bis acht Prozent "unrealistisch und schädlich". Der Südwestmetal-Chef räumte zwar ein, dass es in der Branche Unternehmen gebe, die glänzende Ergebnisse erzielt hätten. Doch innerhalb der Branche gebe es große Unterschiede, zudem sei die Lage in der Weltwirtschaft äußerst volatil. "Das Prinzip "One Size Fits All" ist hier unpassend", sagte Schulz mit Blick auf einen einheitlichen Tarifabschluss für alle Unternehmen. "Wir brauchen Fantasie." Wie eine Differenzierung aussehen könnte, wollte Schulz nicht sagen. Aber: "Wir gehen mit eigenen Vorstellungen in die Tarifrunde." Wichtig ist dem Verband, keine neuen, komplexen Regelungen zu erfinden.

Kritik an Aussage der Gewerkschaft

Hart kritisierte Schulz die Aussage der IG Metall, es habe seit 2018 keine dauerhaft wirksame Lohnerhöhung mehr gegeben. Durch die Einführung mehrerer fester, jährlich wiederkehrender Entgeltbausteine stünden den Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie heute jährlich rund fünf Prozent oder gut 3000 Euro mehr zur Verfügung als noch vor vier Jahren, betonte der Verbandschef. "Wir müssen also nicht über Armut bei den Beschäftigten reden."

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