Regionale Wirtschaft kritisiert Gasumlage
Die von der Ampel-Koalition beschlossene Gasumlage in Höhe von 2,419 Cent pro Kilowattstunde stößt in der regionalen Wirtschaft auf scharfe Kritik.

"Die Gasumlage ist eine Zusatzbelastung mit Ansage für uns alle, aber für viele Unternehmen in der Region kommt sie zur Unzeit und trifft sie ins Mark", kommentiert Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, den Beschluss der Regierung. Sie verweist darauf, dass die Unternehmen bereits mit massiven Kostensteigerungen, Produktionsproblemen, steigenden Energie- und Rohstoffpreisen sowie Liefer- und Absatzschwierigkeiten zu kämpfen hätten.
"Bei vielen Betrieben dürfte mit der Gasumlage die Grenze der Belastbarkeit überschritten werden, wenn nicht an anderer Stelle entlastet wird", fürchtet Döring. Bereits jetzt sparten die Unternehmen Energie, wo sie nur könnten.
Handwerk befürchtet Kostenwelle
Auch das Handwerk in der Region dürfte die Gasumlage "hart treffen". Das erwartet zumindest Achim Hofmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. "Besonders für energieintensive Betriebe wie etwa Bäckereien, Textilreiniger oder Glaser kann die Gasumlage schnell zu sehr hohen Mehrkosten führen", sagt Hofmann. Diese Kosten könnten aber nicht in allen Branchen an die Kunden weitergegeben werden.
Mittelständler können nicht mehr investieren
Für viele Mittelständler wie etwa das Hammerwerk Baumann in Güglingen könnte die Umlage zur echten Belastungsprobe werden. Geschäftsführer Bernhard Baumann spricht von einer "massiven Belastung". "Mittelfristig stellt uns die Gasumlage vor eine existenzielle Bedrohung", sagt er. Im Hammerwerk Baumann betragen die Mehrkosten durch die Gasumlage dem Geschäftsführer zufolge bis zu 15.000 Euro im Monat. "Diese Kosten sind on top zu den bisherigen Steigerungen von rund 75 Prozent beim Gas in diesem Jahr und zu den zu erwartenden Steigerungen im kommenden Jahr", berichtet Baumann. Durch die Umlage werde ihm die Möglichkeit zu Investitionen genommen, beispielsweise um Öfen umzurüsten oder in alternative Techniken zu gehen.
Für Baumann steht fest, dass er die Mehrkosten nur bedingt an seine Kunden weitergeben kann. Das habe zur Folge, dass die Nachfrage nach den Teilen des Hammerwerks sinke und das Unternehmen weniger Aufträge bekomme, fürchtet der Geschäftsführer.
Gasversorgung bei Audi und VW ist gesichert
Bei Audi in Neckarsulm rechnet man im kommenden Winter mit Mehrkosten aufgrund der Gasumlage. Wie hoch diese ausfallen werden, konnte das Unternehmen nicht sagen. "Wir setzen am Standort Gas für Produktionszwecke in der Lackiererei und im Karosseriebau ein", teilt eine Sprecherin mit. Die gesamte Raumwärme beziehe man dagegen als Fernwärme. Grundsätzlich sei die Gasversorgung für die Werke des Volkswagen-Konzerns gesichert. "Weitere Einsparungen des Gasverbrauchs werden gerade bewertet", sagte die Sprecherin.
Die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland, Prezero) teilte auf Anfrage lediglich mit, dass man wie alle anderen Gasverbraucher in Deutschland von der Gasumlage betroffen sein werde.
SLK-Klinken schlagen Alarm
Konkreter werden die SLK-Kliniken. Durch die Umsetzung der Gasumlage werden die Energiekosten der SLK-Kliniken voraussichtlich um 1,2 Millionen Euro steigen, teilt ein Sprecherin mit. Wenn dann noch die Gaspreise wie erwartet weiter steigen, rechnet SLK mit "zusätzlichen Kosten von jährlich bis zu 15 Millionen Euro". Diese Mehrkosten seien nicht gegenfinanziert und "würden uns vor große finanzielle Probleme stellen", heißt es. Massive Sparmaßnahmen wären die Folge.
Lauter Ruf nach finanzieller Entlastung
Von der Bundesregierung erwartet die regionale Wirtschaft weitere Entlastungsmaßnahmen. Achim Hofmann von der Handwerkskammer fordert, dass das Handwerk im neuen Entlastungspaket entsprechend berücksichtigt wird, um Betriebsschließungen wegen zu hoher Energiekosten zu vermeiden. Elke Döring von der IHK vermisst hier klare Ansagen der Politik. "Zwar hat die Regierung Entlastungsmaßnahmen angekündigt. Wie die aussehen und ob sie die existenzbedrohenden Zusatzbelastungen abfangen können, ist noch offen", sagt Döring. Die Betriebe bräuchten eine politische Planbarkeit des Notstands, um zu überleben.
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