Lesezeichen setzen Merken

Militärdepot soll Umweltpark werden

Siegelsbach - Wo heute in langen Reihen Panzer, Lkw und Lafetten lagern, soll dereinst ein moderner Umweltpark erblühen: So sieht die Vision für das Militärdepot bei Siegelsbach aus.

Von Steffan Maurhoff
  |  
Kein Höhenflug für Umweltpark
Schwerter zu Pflugscharen: Die Zukunft des Militärdepots bei Siegelsbach könnte in einem Umweltpark liegen.Foto: Archiv / Maurhoff

Siegelsbach - Wo heute in langen Reihen Panzer, Lkw und Lafetten lagern, soll dereinst ein moderner Umweltpark erblühen: So sieht die Vision für das Militärdepot bei Siegelsbach aus. Ein europäisches Leuchtturmprojekt (Eule) scheint zwar nicht daraus zu werden, doch die Vorplanungen dazu könnten die bislang sehr zähen Verhandlungen beflügeln. Die Vorgeschichte des Depots ist lang, die Zahl der Abkürzungen, die die mögliche Umwidmung der Militärfläche begleiten, verwirrend. Eule ist ein mit EU- und Landesgeldern finanziertes Modellvorhaben, um dessen Mittel sich unter anderem Siegelsbach und Bad Rappenau als Standortkommunen beworben haben.

Zähe Verhandlungen

In einer ersten Förderphase flossen 200 000 Euro, mit denen die Pläne für eine Vision konkretisiert wurden: ein europäischer Technologie-, Wissenschafts- und Ausstellungspark für Umweltforschung und Umwelttechnik. Für die Feinkonzeption wurde jetzt eine nachhaltige integrierte kommunale Entwicklungsstrategie (Nike) erarbeitet, deren Ergebnisse am Montag im Siegelsbacher Gemeinderat vorgestellt wurden. Gedanklichen Höhenflügen wurden dabei die Flügel gestutzt. Denn zur Realisierung des über 3,5 Millionen Euro teuren Parks können aus dem Eule-Projekt "keine weiteren Fördermittel mehr beantragt werden", so Projektleiter Reinhard Geyer von der Kommunalentwicklung. Zu lang dauert alles, insbesondere die Grundstücksverhandlungen mit dem Bund.

Hinzu kommt, dass auch die ursprüngliche Idee auf Sinkflug gegangen ist. Je konkreter die Überlegungen wurden, desto mehr verwandelte sich die Vision vom Wissenschafts- und Forschungsstandort in einen Umwelt-Technologie und Innovationspark (Umwelt-TIP), in dem auch normale Handwerksbetriebe siedeln oder Forstwirtschaft betrieben werden kann. Immerhin kommen zur Verfeinerung der Pläne aus dem Fördertopf nochmals 100 000 Euro. Für Bürgermeister Uli Kremsler der Spatz in der Hand: Mit der Planung sieht er "eine Grundlage geschaffen für bessere Verhandlungen" mit dem Bund. Denn nach wie vor ist unklar, wann die Bundeswehr, die einen Teil des Geländes als Depot für ausgemustertes Gerät nutzt, sich zurückziehen wird. Letzter Sachstand ist, dass der Bund noch 2010 abrücken will. Das Rathaus erkennt aber bislang nichts davon. Für den 18. März ist eine Besprechung unter anderem mit der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben anberaumt. "Dabei werden wir versuchen, ein bisschen mehr Klarheit zu bekommen", so Projektleiter Geyer. Das Kernproblem sind die Altlasten und Kampfmittel, die im Boden schlummern − und wie deren Beseitigungskosten bei einem Grundstücksverkauf zu bewerten wären.

Entwicklungskonzept

Die Untersuchung, die dabei hilfreich sein soll, kommt zu folgenden Ergebnissen: Der Umwelt-TIP mit insgesamt 13 Nutzungszonen wäre interessant für kleinere und mittlere Unternehmen. Der Park wäre in dieser Form einmalig in Baden-Württemberg und schlösse eine Lücke. Nicht zu erwarten ist die Ansiedlung von wissenschaftlichen Einrichtungen, auch für eine angedachte Wohnsiedlung gibt es keinen Bedarf. Stattdessen könnte das kürzlich errichtete Photovoltaik-Kraftwerk erweitert werden, denkbar wären auch sechs Standorte für Windräder.

Bestehende Gebäude könnten für Produktion, Handwerk, Lager, Depot und Kreislaufwirtschaft genutzt werden. In den mehr als 50 Bunkern könnte Abbruchmaterial landen. In die Pläne einbezogen soll noch die Möglichkeit, eine künftige Ortsumgehung von Siegelsbach durch das Gelände zu führen.

Geschichte und Zukunft

Als Heeresmunitionsanstalt nahm das Depot im Hitlerregime seinen Anfang. Bis Mitte der neunziger Jahre lagerten die Amerikaner auf dem Areal Sprenköpfe für die Pershings auf der Heilbronner Waldheide. Inzwischen nutzt nur noch die Bundeswehr das Depot für ausgemustertes Gerät. Umwandlungspläne für das 200 Hektar große Areal gab es schon viele. Vor Jahren platzte der Traum von einem interkommunalen Gewerbegebiet, auch die Umweltorganisation Green Cross bemühte sich vergeblich. Im Eule-Modellprojekt werden 24 Millionen Euro ausgeschüttet, um die sich 13 Standorte im Land beworben haben. Derzeit werden die Pläne konkretisiert, danach fällt die Entscheidung über die Förderung von Investitionen. off

Kommentare

Kommentar hinzufügen
In diesem Artikel findet keine Diskussion statt. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen.
  Nach oben