Bei Intersport läuft's: Sporthandelsverbund wächst und plant neuartige Filialen
Der Sporthändler-Verbund mit Sitz in Heilbronn will Marktanteile hinzugewinnen. Denn beim Umsatzplus im abgelaufenen Jahr soll es nicht bleiben.

Das neue Jahr wird wohl rein vom Veranstaltungskalender her ein gutes für Intersport: Gerade läuft die Handball-WM, es folgen Olympia und die Fußball-EM - Gelegenheit genug für die Verbraucher, um selbst zu Sportaktivitäten zu finden oder wenigstens Fanartikel zu kaufen. Da dürfte das Abschneiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gar nicht mal entscheidend sein, erwartet Vertriebsvorstand Frank Geisler: "Es werden ja viele Fans nach Deutschland kommen. Und die müssen wir auch bedienen. Wir sind da sehr flexibel."
Intersport: Online-Geschäft ist nur schwach gewachsen
Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr - es endete am 30. September - hat der Sporthändlerverbund mit Deutschland-Zentrale in Heilbronn deutlich zugelegt: Der Umsatz wuchs um 5,7 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Die meisten Mitglieder hätten "eine sehr ordentliche Rentabilität", deutete Vorstandsvorsitzender Alexander von Preen an. Die Umsätze in den Geschäften legten dabei um 6,6 Prozent zu, das Online-Geschäft aber nur noch um 0,6 Prozent - da die deutlich höheren Bestellzahlen während der Corona-Pandemie nun weggefallen sind. Dennoch erwartet der Vorstand der Genossenschaft, dass 2030 bereits 60 Prozent der Umsätze auf den Onlinehandel entfallen. Der Sportmarkt soll dann von heute 13 auf 19 Milliarden Euro angeschwollen sein. Intersport will in jenem Jahr 30 Prozent Marktanteil erreichen - aktuell sind es knapp 24 Prozent.
Dem Wandel in den Innenstädten will sich der Verbund mit neuen Strukturen entgegenstemmen: Insgesamt vier verschiedene Ladenkonzepte sollen bis Jahresende gestartet sein, kündigte von Preen an. Neben dem heutigen normalen Geschäft wird es künftig nicht nur Spezialisten für einzelne Sportarten geben, sondern auch sogenannte Flagship Stores und das Konzept "Big Box". Letzteres hat sich der deutsche Verbund von seiner Schwester in Frankreich abgeschaut, dem Heimatland des großen Wettbewerbers Decathlon. Es bedeute, einen großflächigen Markt mit allgemeinerem, häufig verkauftem Sortiment zu betreiben. Noch dieses Jahr sollen erste Märkte im Großraum Berlin und im Ruhrgebiet eröffnen. Sie werden von Mitgliedern des Verbunds betrieben, betonte von Preen.
Vier Intersport-Flagship Stores öffnen im Frühjahr
Die Betreiber der künftigen Flagship Stores stehen sogar schon fest: Los gehen wird es mit vier Standorten unter der Regie von L&T (Osnabrück), Reischmann (Ravensburg) und Engelhorn (Mannheim). Sie sollen noch im Frühjahr eröffnen, sagte von Preen. "Das ist ein Zusammenschluss der besten Händler, um sie noch besser zu machen." Hier solle das absolute Top-Segment erhältlich sein.
Intersport-Vorstandschef fordert Sauberkeit, Sicherheit und Erreichbarkeit für die Innenstädte
Ansonsten übte von Preen, der auch Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE) ist, deutliche Kritik am Zustand der Innenstädte und der Bundespolitik. "Sauberkeit, Sicherheit, Erreichbarkeit - das sind die Anforderungen, die wir an die Städte stellen", sagte er. "Die lokalen Politiker müssen sich dringend um das Thema kümmern. Die Menschen fühlen sich nicht mehr sicher in den Innenstädten." Derzeit liefen Gespräche auf Bundesebene, um mit Verwaltungen und Immobilienbesitzern Bewegung in die Problematik zu bringen. Unter anderem müssten auch die Möglichkeiten verbessert werden, Läden zusammenzulegen, forderte er. "Wir benötigen für ein Intersport-Geschäft mindestens 800 Quadratmeter Fläche", machte der Vorstandschef klar.
Aber auch allgemein müsse die Politik wieder langfristiger arbeiten, anstatt Beschlüsse kurz darauf wieder zurückzuziehen. "Unsicherheit ist für den Handel Gift", warnte von Preen. Auch bei Bürokratie und den EU-Vorschriften seien Erleichterungen nötig. Und zusätzlich bei der Steuer: "Es muss sich wieder lohnen, arbeiten zu gehen. Gerade bei den unteren Einkommensklassen müssen wir dringend etwas tun." Denn nur wer gut verdiene, konsumiere auch.
Intersport: Investitionen in Heilbronn
Mehr als zehn Millionen Euro investiert Intersport gerade in eine Photovoltaik-Anlage neben dem Verwaltungssitz sowie die energetische Sanierung seiner Hallendächer. "Dadurch sparen wir deutlich bei den Energiekosten", sagte Vorstandsvorsitzender Alexander von Preen. "Wir wollen nicht nur klimaneutral werden, sondern auch energieautark." Wegen des anhaltenden Wachstums werde außerdem das Logistikzentrum erweitert, kündigte Finanzvorstand Thomas Storck an: Dort sollen weitere Hochregallager eingebaut werden.
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