Heilbronn
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Intersport macht den großen Sprung nach vorne

Seit 2020 arbeitet die Sporthandelgenossenschaft in Heilbronn mit einem hochmodernen Logistikzentrum. Das musste während Corona gleich die Feuertaufe bestehen.

Heiko Fritze
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Lesezeit 2 Min
Intersport macht den großen Sprung nach vorne
Im neuen Logistikzentrum von Intersport holen hohe Regalbediengeräte die Ware aus den Fächern. Insgesamt gibt es 160 000 Stellplätze. Heiko Fritze  Foto: Fritze, Heiko

Der Hochlauf begann am 21. Februar 2020: Schritt für Schritt nahm die Sporthandels-Genossenschaft Intersport an ihrem Stammsitz auf den Böllinger Höfen bei Heilbronn ihr neues, erweitertes Logistikzentrum in Betrieb. "Wir waren alle voller Euphorie", erinnert sich Jürgen Beier, Leiter Logistik. "Und dann kam drei Wochen später der Lockdown."

Für die Genossenschaft war dies ein herber Einschnitt. Die Geschäfte der Mitglieder wurden geschlossen, aber die bestellte Ware war trotzdem unterwegs - Tag für Tag trafen Lastwagen mit Containern voller Schuhe, Shirts, Bällen und anderen Sportartikeln in Heilbronn ein.

Kaum gestartet, stand das neue Logistikzentrum vor der ersten Bewährungsprobe. Und das mit Arbeitsweisen unter Pandemievorschriften. "Uns kam aber das neue Lager zugute, weil wir darin noch viel Platz hatten." 160.000 Stellplätze waren eingerichtet worden, deutlich mehr als im bisherigen Heilbronner Betrieb.

 

Schlagartig waren die Geschäfte geschlossen

Heute sind Beier und Stefan-Marcel Schlepp, verantwortlich für die Intralogistik, mit dem Ergebnis hochzufrieden. "Wir hatten keinen einzigen Tag Stopp im Lager", erzählt Schlepp. "Nur wäre die Umstellung ohne Corona vermutlich wesentlich schneller gegangen." Doch die Zwangspause hatte auch Vorteile - die neuen Systeme mussten ohnehin erst einmal eingefahren werden. Das dauerte ein Jahr, während der Betrieb corona-bedingt immer noch phasenweise auf Sparflamme lief.

Aber auch die Wiedereröffnung der Läden nach den drei Schließphasen war eine Bewährungsprobe: Schlagartig gingen die Bestellungen der Händler nach oben, mussten die Sendungen so rasch wie möglich bearbeitet und verschickt werden. "Und der Bedarf hatte sich gewandelt", erzählt Beier: Bestellt wurden weniger Teamsportartikel, dafür mehr Ware für Einzelsportarten wie Fitness oder Laufen - das, was die Menschen während Corona angefangen hatten. Die neuen Anlagen ermöglichten eine flexible und schnelle Reaktion. "Das hat uns und unseren Mitgliedern sehr geholfen", sagt Beier. "Wir konnten mit Vollgas ausliefern", ergänzt Schlepp. "Jede eingehende Bestellung wurde am gleichen Tag bearbeitet und verschickt."

 

Vieles ist automatisiert

Beim Gang durch Hochregallager und Kommissionierung fällt die ausgeklügelte Konzeption auf. Viel ist automatisiert, von der Warenannahme, wo Kartons und Etiketten geprüft und gespeichert werden, über die Sortierung im Hochregallager bis zum Versand. 100 Mitarbeiter sind hier dennoch tätig, um etwa beschädigte Lieferungen zu prüfen und umzupacken, die Anlagen zu warten oder die Bestellungen zusammenzustellen. Sperrige Artikel wie Skier, Stöcke oder Eishockeyschläger können ohnehin nicht über die Förderbänder laufen. "Wir sind hier auch E-Commerce-fähig", erklärt Beier: Kunden, die bei einem Händler im Onlineshop bestellen, können ihre Ware direkt aus Heilbronn erhalten.

Nur noch drei Logistik-Standorte

Im vergangenen Geschäftsjahr wurden 19 Millionen Artikel ausgeliefert, in einer Million Paketen. Insgesamt werden in Heilbronn 70 000 verschiedene Artikel von 230 Lieferanten umgeschlagen, von Intersport-Eigenmarken bis zu großen Herstellern wie Adidas oder Puma. Nur Nike findet sich hier nicht - für den US-Produzenten wird ein eigenes Logistikzentrum in der Nähe von Schweinfurt betrieben. Einziger weiterer Logistikstandort ist Hamburg, wo vor allem die per Schiff angelieferten Container mit den Eigenmarken-Artikeln bearbeitet werden. Bis zum Start des neuen Logistikzentrums in Heilbronn waren es übrigens zehn Standorte in Deutschland.

 

Die Probleme sind inzwischen andere

Und heute? Größtes Problem für Beier und Schlepp ist nicht mehr Corona, sondern die Lieferkette an sich. "Da werden Container angekündigt, aber kommen erst zwei Tage später", erzählen sie. Häfen in China werden wegen Coronafällen geschlossen, Containerschiffe hängen fest. Gebuchte Plätze auf Güterzügen verfallen, neue müssen erst bereitstehen.

Lastwagenfahrer aus der Ukraine sind in ihr Heimatland zurückgekehrt, um gegen die russischen Invasoren zu kämpfen. Personal, das über Dienstleister angefordert wurde, stand untätig herum. Intersport hat daher die Belegschaft im Logistikzentrum aufgestockt, um auch bei Spitzen arbeitsfähig zubleiben. Noch sieht Beier keine Normalität heraufziehen: "Für uns ist, was die Lieferproblematik angeht, noch kein Ende in Sicht. Doch wenn es so weit ist, wollen wir vorbereitet sein."


Dieser Artikel stammt aus der Wirtschaftsstimme, die am Dienstag, 22. November, der Tageszeitung beiliegt. Die Themen sind Logistik, neues Arbeiten und die konjunkturellen Aussichten. Außerdem gibt es das Ranking der größten Unternehmen in der Region.

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