Forchtenberg
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Quadax: Große Klappen für Zukunftsfelder bei SpaceX und Co.

Dicht von minus 270 bis plus 800 Grad: Die Müller-Co-ax-Tochter liefert ihre Spezialventile an SpaceX und andere Raumfahrtunternehmen und hofft auf den Erfolg des grünen Wasserstoffs.

Christian Gleichauf
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Quadax: Große Klappen für Zukunftsfelder
Quadax-Geschäftsführer Patrick Hofacker (rechts) und Montageleiter Gianluca Ortale mit einer der Ventilklappen, die beispielsweise für Fernwärme-Regulierung eingesetzt werden. Foto: Christian Gleichauf

Mit Ventilen geht im Kochertal offenbar immer was. Eines der jüngsten Unternehmen in diesem Bereich ist die Müller-Co-ax-Tochter Quadax. 2017 gegründet, besetzt sie konsequent eine Reihe von Zukunftsfeldern, von grünem Wasserstoff bis Raumfahrt. Damit erreichen die Forchtenberger in diesem Jahr bereits einen Umsatz von mehr als neun Millionen Euro.

Elon Musk pumpt Geld in seine Ideen

Quadax-Geschäftsführer Patrick Hofacker zählt auf: "SpaceX, Relativity, ULA - das ist die Nasa - für fast alle, die Raketen in den Weltraum schießen, produzieren wir Klappen." Diese kommen nicht in den Raketen selbst zum Einsatz, sondern am Boden bei der Betankung.

Ein Viertel des Umsatzes macht Quadax inzwischen in diesem Bereich, vor allem in den USA. Allein 200 Stück pro Jahr gehen an Elon Musk und sein Unternehmen SpaceX, verrät Hofacker. "Der pumpt da unglaublich viel Geld rein."

Eine rein metallische Abdichtung

Dabei kommt der Begriff "Klappen" eher einer Untertreibung in Bezug auf die Spezialventile gleich. Die "vierfach exzentrischen Absperrklappen", die Quadax verkauft, wurden bei Müller Co-ax entwickelt und haben durch ihre Konstruktion besondere Eigenschaften: Weil sie rein metallisch abdichten und keine ungleichen Wandstärken haben - wie viele einfachere Konkurrenzprodukte - halten sie auch unter extremen Temperaturschwankungen dicht: von Minus 270 bis plus 800 Grad. "Damit funktionieren sie bei flüssigem Wasserstoff ebenso wie bei heißen Ölen", erzählt der 34-Jährige.

Noch ist das Geschäft mit flüssigem Wasserstoff überschaubar. Doch sobald grüne Energie in großem Maßstab gespeichert werden soll, könnte es zu einem vielversprechenden Einsatzgebiet werden. Schon jetzt sind die Ventile bei Thermosolarkraftwerken etwa in Spanien im Einsatz, wo mit Sonnenenergie über Spiegel eine Flüssigkeit erhitzt wird, die eine Dampfturbine antreibt. "Ein sehr attraktiver Markt", kommentiert Hofacker.

Dichte Ventile können immer ein Beitrag zum Umweltschutz sein

Das Geschäft sei nicht ausschließlich nachhaltig oder grün, räumt er ein. Die Chemiebranche etwa mache 20 Prozent des Geschäfts aus. "Aber wenn wir verhindern, dass Öl oder Gas austritt, weil unsere Ventile wirklich dicht sind, dann hat das auch einen Umweltaspekt."

Quadax: Große Klappen für Zukunftsfelder
Einbau der sogenannten Top-Entry-Klappen in der größten Flüssiggasanlage Europas in Rotterdam. Foto: Quadax

In vielen Bereichen würden auch die Umweltvorschriften verschärft und Zertifizierungen verlangt, etwa beim LNG (Liquefied Natural Gas). Das verflüssigte Erdgas wird an Terminals aus Tankern gepumpt.

"Wir hatten einen Großauftrag in Rotterdam. Derzeit läuft eine Ausschreibung für das geplante LNG-Terminal in Brunsbüttel", erzählt Hofacker. Es geht um einen Auftrag in Millionenhöhe. Ein einziges Ventil mit 90-Zentimeter-Durchlass, das dort zum Einsatz käme, kostet mehr als 100.000 Euro.

 

Hofacker ist den Ventilen treu geblieben. Mehrere Jahre war er beim Ventilherstelller Gemü in Ingelfingen, bevor er einen Ort weiter zu Co-ax wechselte. Andere Ventile, andere Kunden. "Aber man spricht die gleiche Sprache", sagt der Wirtschaftsingenieur, der aus Künzelsau stammt und jetzt in Ingelfingen wohnt.

Quadax: Große Klappen für Zukunftsfelder
Zuvor wurde das Spezialventil in den Niederlanden einem Tieftemperaturtest unterzogen. Foto: Quadax

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Lampoldshausen etwa gehörte von Anfang an zu den Kunden, betont Hofacker, auch wenn für die Prüfstände nur wenige Ventile notwendig sind. "Aber wann immer sich da was tut, freuen wir uns."

Lieferfähig ist Quadax auch in der aktuellen Situation. Allerdings sind Transporte schwierig. Zur Umsatzrendite möchte das Unternehmen keine Angaben machen. Den Angaben im Handelsregister zufolge war das Geschäft bis 2019 - vorsichtig ausgedrückt - recht profitabel. Der Umsatz hat sich seit 2016 verdreifacht und soll in den nächsten fünf Jahren von zehn auf 15 Millionen Euro steigen. 50 Mitarbeiter zählt das junge Unternehmen derzeit. Es gibt Tochtergesellschaften in Singapur und den USA. Um das Wachstum zu ermöglichen, baut Müller Co-ax derzeit für neun Millionen Euro eine neue Quadax-Produktion neben seinem Firmensitz in Forchtenberg. Die bisherige Quadax-Verwaltung soll dann Platz bieten für Forschung und Entwicklung.

 
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