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Rheinmetall-Konzern treibt den Verkauf seiner Kolbensparte voran

Der Rheinmetall-Konzern rechnet mit einer Einigung mit Investoren bis spätestens Anfang Juli. Das boomende Rüstungsgeschäft sorgt für ein gutes Ergebnis 2020. Die Autosparte soll sich stärker auf alternative Antriebe konzentrieren.

Jürgen Paul
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Verkauf der Kolbensparte rückt näher
Ob in Neckarsulm künftig noch Kolben gefertigt werden, ist unklar. Rheinmetall will das Geschäft mit rund 4000 Mitarbeitern weltweit verkaufen. Insgesamt beschäftigt der Mischkonzern 23?300 Mitarbeiter, die Hälfte davon in Deutschland. Foto: Rheinmetall

Der Rheinmetall-Konzern treibt den Verkauf seiner Kolbensparte voran. Vorstandschef Armin Papperger rechnet damit, bis spätestens Anfang des dritten Quartals 2021 einen Käufer für die Sparte des Kolbengeschäfts mit weltweit rund 4000 Mitarbeitern gefunden zu haben. Das Herz von Kolbenschmidt schlägt in Neckarsulm, wo rund 650 Mitarbeiter Klein- und Großkolben fertigen. Derzeit gebe es mehr als 100 Interessenten für die Übernahme der Kolbensparte, sagte Papperger gestern bei der digitalen Bilanzpressekonferenz. Die Investmentbank Goldman Sachs werde aus diesen Interessenten 25 herausfiltern, mit denen dann verhandelt werde, sagt der Manager. Namen nannte Papperger nicht.

Papperger glaubt an die Brennstoffzelle

Rheinmetall hatte Anfang des Jahres den Verkauf der Kolbensparte angekündigt, die nicht mehr zu den Kerngeschäften des Konzerns zählt. Hintergrund ist die Transformation der Automobilindustrie, in der Kolben für Verbrennungsmotoren eine immer geringere Rolle spielen. Deshalb setzt der Mischkonzern in seiner Automotivesparte künftig verstärkt auf Produkte und Lösungen für alternative Antriebe. Papperger nannte hier insbesondere die Wasserstofftechnologie für die Brennstoffzelle. "Die Brennstoffzelle wird sich im nächsten Jahrzehnt durchsetzen", ist der Rheinmetall-Chef überzeugt.

Insgesamt will der Düsseldorfer Konzern aber noch stärker auf den Bereich Defence, also Rüstung, setzen. Bis 2025 soll er mindestens 70 Prozent zum Umsatz beisteuern, aktuell sind es 63 Prozent. Die Rüstungssparte hat auch dafür gesorgt, dass der Konzern im Corona-Jahr 2020 ordentlich abgeschnitten hat. Insgesamt sank der Umsatz von Rheinmetall um sechs Prozent auf 5,875 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis ging um knapp 16 Prozent auf 426 Millionen Euro zurück. "Das ist das drittbeste operative Ergebnis der Unternehmensgeschichte", betonte Papperger.

Autosparte belastet den Ertrag

Unterm Strich steht jedoch nur ein Jahresüberschuss in Höhe von einer Million Euro nach 354 Millionen Euro im Vorjahr. Finanzvorstand Helmut Merch begründet dies mit Sonderabschreibungen und Restrukturierungskosten in Höhe von rund 345 Millionen Euro im Automotive-Bereich. Das Sorgenkind lieferte im vergangenen Jahr aber immer noch ein operatives Ergebnis in Höhe von 33 Millionen Euro nach 184 im Vorjahr. Der Umsatz der Automotive-sparte sank um gut 21 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro.

Dagegen legte die Rüstungssparte um knapp sechs Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zu und lieferte ein operatives Ergebnis in Höhe von 414 (Vorjahr: 343) Millionen Euro. Die Aktionäre sollen eine Dividende in Höhe von zwei Euro pro Aktie erhalten nach 2,40 Euro im Vorjahr.

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Rekord beim Auftragsbestand

Beim Blick nach vorne zeigte sich Papperger angesichts eines Rekordes beim Auftragsbestand von 13,4 Milliarden Euro sehr optimistisch. Vor allem die in vielen Ländern steigenden Verteidigungsbudgets bescheren den Düsseldorfern eine boomende Nachfrage nach Panzern, Lkws, Munition sowie Abwehr- und Aufklärungssystemen. Auch im noch recht jungen Bereich Cyber Security sieht Papperger "extremes Wachstum".

Bis 2025 will Rheinmetall den Umsatz auf 8,5 Milliarden Euro steigern, die operative Rendite soll von derzeit 7,3 Prozent auf mehr als zehn Prozent zulegen.

Neue Aufstellung im Konzern

Synergieeffekte und mehr Flexibilität erhofft sich der Manager von der organisatorischen Neuaufstellung. Statt der Zweiteilung in Defence und Automotive ist der Konzern nun in die fünf Divisionen Vehicle Systems (Fahrzeugsysteme), Weapon and Ammunition (Waffen und Munition), Electronic Solutions (Elektronische Lösungen), Sensors and Actuators (Sensoren und Aktuatoren) sowie Materials and Trade (Materialien und Handel) aufgeteilt. Die Restrukturierung bietet Papperger zufolge ein Einsparpotenzial von fünf bis zehn Millionen Euro im Jahr.

 
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