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Der Mythos von der intelligenten Maschine

KI-Experte Martin Ruskowski erklärt beim Unternehmerabend der Kreissparkasse, warum es ohne den Menschen nicht geht. Künstliche Intelligenz hilft lediglich beim Lösen von Problemen.

Jürgen Paul
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Der Mythos von der intelligenten Maschine
Industrie 4.0 verändert die Produktionsprozesse. Menschen kommunizieren mit Maschinen, Maschinen kommunizieren miteinander. Foto: Coloures-Pic/stock.adobe.com  Foto: Coloures-Pic

KI - diese beiden Buchstaben, die für künstliche Intelligenz stehen, lösen bei vielen Menschen Ängste aus. In Schreckensszenarien ist von menschenleeren Fabriken die Rede oder gar davon, dass die Maschinen den Menschen unterjochen. So wird es nicht kommen, beruhigt Professor Martin Ruskowski die Gäste beim Unternehmerabend der Kreissparkasse Heilbronn unter der Pyramide.

Ruskowski ist Inhaber des Lehrstuhls für Werkzeugmaschinen und Steuerungen an der TU Kaiserslautern und wissenschaftlicher Direktor des Forschungsbereichs Innovative Fabriksysteme am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern, kurz: ein absoluter Experte.

Mehr Informatik als Intelligenz

Auf den Menschen wird es auch in Zukunft entscheidend ankommen, betont Ruskowski. Denn künstliche Intelligenz ist häufig gar nicht intelligent. Für den Wissenschaftler steht KI eher für künftige Informatik - denn letztlich gehe es um die Weiterentwicklung von klassischer Informatik.

"Maschinen sind nicht intelligent, man muss sie intelligent machen", sagt der Wissenschaftler. Eine weitgehend autonome Produktion im Sinne von Industrie 4.0 sei nur möglich, wenn der Mensch die Maschinen richtig programmiert und gruppiert. Funktioniert das, werden natürlich weniger Mitarbeiter benötigt. "Aber menschenleere Fabriken wird es nicht geben", versichert Ruskowski. Er sieht vielmehr die Chance, dass die ohnehin knappen Mitarbeiter dort eingesetzt werden, wo sie gebraucht werden. Zum Beispiel, wenn es um die Produktion in Losgröße 1 geht, also Sonderanfertigungen. "Das wird mit Robotern richtig teuer."

Sinnvolle Einsatzmöglichkeiten von KI

Für Ruskowski eröffnet KI neue Möglichkeiten, Probleme zu lösen, "mehr nicht". Als Beispiele für den sinnvollen Einsatz künstlicher Intelligenz nennt er Bedarfsvorhersagen in der Logistik, die vorausschauende Instandhaltung von Maschinen, Rechnungen scannen oder Qualitätssicherung mittels Bilderkennungsverfahren.

Sind die Ängste der Menschen vor KI also unbegründet? Nein, sagt Ruskowski und verweist auf China, das künstliche Intelligenz für sein Sozialpunktesystem zur Überwachung seiner Bürger einsetzt. Und soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter seien nicht mehr beherrschbar. "Das Ding läuft aus dem Ruder", warnt der Experte und betont die große gesellschaftliche Verantwortung bei diesem heiklen Thema.

Mensch darf sich nicht von Maschinen dominieren lassen

"Wir dürfen uns nicht abhängig von den Systemen machen und uns von der KI dominieren lassen", stellt Ruskowski klar. Der Mensch dürfe sich nicht kleiner machen als er ist und den Maschinen alles überlassen. Nur der Mensch verfüge über Bewusstsein, Willen, Zielorientierung und Emotionen - Eigenschaften, die der künstlichen Intelligenz völlig fremd seien.

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