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E-Autos: Kritik an geplantem Förder-Aus

Christian Lindner will die finanzielle Unterstützung von Stromern streichen. Im Autoland Baden-Württemberg regt sich Widerstand. Die Kfz-Innung Heilbronn-Öhringen und der ADAC Württemberg fordern Planungssicherheit für Händler und Kunden.

Alexander Schnell
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Lesezeit 2 Min
Elektromobilität
Trotz steigender Verkaufszahlen von Elektroautos bleiben die Stromer gemessen am aktuellen Autobestand ein Nischenprodukt.  Foto: Bernd Thissen/dpa

Käufer von reinen E-Autos erhalten mit Umweltbonus und Innovationsprämie bis Ende 2022 derzeit in Summe eine Förderung von bis zu 9000 Euro, bei Plug-in-Hybriden beträgt die Förderung bis zu 6750 Euro. Bundesfinanzminister Christian Lindner will Kaufprämien für Elektroautos abschaffen. "Wir können uns fehlgeleitete Subventionen schlicht nicht mehr leisten", sagt der FDP-Chef. "Wenn es nach mir geht, werden zum Beispiel die Kaufprämien für Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride gestrichen."

 

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Geordneter Rückzug gefordert

Nach den Aussagen Lindners regen sich vor allem im Autoland Baden-Württemberg Kritik und Widerstand. "Dass sich der Finanzminister jetzt Gedanken macht, die E-Auto-Förderung komplett aufzugeben, ist angesichts der Nachfrage- und Liefersituation bei den E-Fahrzeugen einerseits und der Kassenlage des Bundes andererseits durchaus nachvollziehbar", sagt Siegfried Heer, Geschäftsführer der Kfz-Innung Heilbronn-Öhringen. "Allerdings ist festzuhalten, dass die Bundesregierung auf alle Fälle einen geordneten Rückzug aus der Förderkulisse organisieren muss, um die Autohäuser und Kfz-Betriebe nicht zu gefährden." Wenn hier Hals über Kopf gehandelt werde, könne es zumindest einem Teil der Betriebe durch drohende Umsatzausfälle an den Kragen gehen.

 

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Lieferzeiten reichen bis ins neue Jahr

Deutliche Worte kommen auch vom ADAC Württemberg. "Der Vorschlag von Christian Lindner ist angesichts der politisch geschaffenen Erwartungshaltung so nicht hinnehmbar. Wir brauchen Planungssicherheit und vor allem auch einen Bestandsschutz", sagt Christian Schäfer, Abteilungsleiter Mobilität & Technik. "Viele Verbraucher haben sich im Vertrauen auf die Förderung ein E-Fahrzeug bestellt. Die Lieferzeiten reichen teilweise bis in das nächste Jahr hinein, so dass für die Verbraucher die geplante Förderung des Staates entfallen würde." Zudem sei es fraglich, ob ein Hochlauf der Elektromobilität überhaupt gelingen kann, wenn die Förderung abrupt eingestellt wird.

 

"Gift für die Entwicklung der Elektromobilität"

"Lindners Ankündigung ist Gift für die Entwicklung der Elektromobilität in Deutschland. Derzeit sehen wir, dass die Preise für E-Autos schneller steigen als bei den Verbrennern", sagt Ferdinand Dudenhöffer vom Center of Automotive Research (CAR). "Der Tankrabatt und die Streichung der Elektroautoprämie verunsichern ebenso wie die hohen Energiepreise, die Inflation und die Ankündigung, wieder auf Kohlestrom zu setzen." Die Argumente für das Elektroauto würden von der Ampel ausgehebelt, so Dudenhöffer. "Eine Regierung mit grünem Koalitionspartner bremst das E-Auto aus."

E-Autos immer noch Nischenprodukt

Trotz steigender Verkaufszahlen von Elektroautos bleiben die Stromer gemessen am aktuellen Autobestand ein Nischenprodukt. Von den 48,5 Millionen Pkw in Deutschland, die am 1. Januar 2022 zugelassen waren, erreichten Elektroautos nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts in Flensburg einen Anteil von nur 1,3 Prozent. Fahrzeuge mit Benzin- und Dieselmotor kommen auf einen Anteil von fast 95 Prozent. Die Bundesregierung wird nach den Worten von Christian Lindner einem Verkaufsverbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2035 auf EU-Ebene nicht zustimmen. Lindner sagte auf dem Tag der Industrie in Berlin, es werde Weltregionen geben, in denen die Elektromobilität für die nächsten Jahrzehnte nicht eingeführt werden könne. 

 

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