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Bosch setzt auf Wasserstoff

Technologiekonzern will die passenden Produkte für die Klimaneutralität entwickeln. Im Geschäftsjahr 2021 steigerten die Stuttgarter Umsatz und Gewinn, im laufenden Jahr dürften die Auswirkungen des Ukraine-Krieges das Ergebnis belasten.

Jürgen Paul
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Lesezeit 2 Min
Bosch setzt auf Wasserstoff
Bosch-Chef Stefan Hartung will die nötige Wende zu Klimaneutralität mit innovativer Technologie vorantreiben.  Foto: Bernd Weißbrod

Der Technologiekonzern Bosch setzt auf dem Weg zu einer klimaneutralen Gesellschaft auf Elektrifizierung und grünen Wasserstoff. In den nächsten drei Jahren wollen die Stuttgarter gut drei Milliarden Euro in Technologien investieren, die auf Klimaneutralität abzielen. Das sagte Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung, bei der Bilanzvorlage gestern in Renningen. "Das nachhaltige Leben kommt, es muss kommen", betonte Hartung.

Bosch sieht viel Potenzial in Wärmepumpen

Bei diesem Wandel will Bosch eine führende Rolle spielen. Zum einen im Bereich der Elektrifizierung. "Dies ist, Grünstrom vorausgesetzt, der schnellste Weg in ein klimaneutrales Leben", sagte Hartung. Bosch will hier mit elektrischen Antriebssystemen fürs Fahrzeug punkten, aber auch mit Wärmepumpen fürs Haus. "Die Wärmewende beginnt mit der Wärmepumpe, idealerweise mit grünem Strom betrieben", sagte Christian Fischer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung. Weil sich Wärmepumpen vor allem in Neubauten rechneten, in Deutschland aber 70 Prozent der Häuser älter als 50 Jahre sind, setzt Bosch auf die Umstellung der Heizungen von Erdgas auf Wasserstoff. In Deutschland seien bereits 96 Prozent aller Leitungen wasserstofffähig, sagte Fischer.

Brennstoffzellentechnik wird vorangetrieben

Im Bereich der Elektromobilität sieht sich der Konzern bereits gut aufgestellt. "Bosch versteht sich als Zulieferer Nummer eins für den elektrischen Antrieb auf der Straße", sagte der zuständige Geschäftsführer Markus Heyn. Neben der batterieelektrischen Mobilität treibt Bosch die Brennstoffzellentechnologie voran. Noch in diesem Jahr startet die Fertigung von Brennstoffzellen-Stacks (Stacks sind Stapel mehrerer Hundert einzelner Zellen) in Bamberg, 2023 beginnt in Stuttgart-Feuerbach die Montage des kompletten Brennstoffzellen-Systems. "2030 soll der Betrieb eines Brennstoffzellen-Trucks nicht mehr kosten als ein Diesel - das ist unser Ziel", sagte Heyn.

Wasserstoff als Lösung für viele Bereiche

Künftig will Bosch sich auch an der Herstellung von Wasserstoff beteiligen. "So werden wir Mitte der Dekade ins Komponenten-Geschäft für die Wasserstoff-Elektrolyse einsteigen", kündigte Konzernchef Hartung an. "Die Wasserstoff-Wirtschaft wird globalisiert kommen, und Bosch muss für alle Szenarien offen sein." Hartung zeigte sich überzeugt davon, dass Wasserstoff in allen Sektoren zum Klimaschutz beitragen kann. Das gelte nicht nur für den Einsatz von Wasserstoff in der Stahl- und Chemieindustrie, sondern auch in Gebäuden, in Lastwagen oder Arbeitsmaschinen. Wichtig hierfür sei der Aufbau einer Tankstellen-Infrastruktur für Wasserstoff-Fahrzeuge und die Förderung wasserstofffähiger Gasthermen, betonte der Manager.

Hartung zeigte sich trotz der aktuell schwierigen Rahmenbedingungen zuversichtlich, dass Bosch die erforderlichen Investitionen stemmen kann. Im vergangenen Jahr steigerte der Technologiekonzern seinen Umsatz um gut zehn Prozent auf 78,7 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) stieg von 2,0 auf 3,2 Milliarden Euro kräftig an. "2021 haben wir die Herausforderungen gut gemeistert", sagte Finanzchef Markus Forschner.

Die Vorjahresrendite von vier Prozent wird 2022 wohl nicht erreicht

Eine Prognose für das laufende Jahr wollte er angesichts etlicher Belastungsfaktoren nicht abgeben. "Bislang gehen wir davon aus, dass wir die im Geschäftsbericht prognostizierte Umsatzsteigerung von sechs Prozent übertreffen werden", sagte Forschner. Die operative Rendite von vier Prozent im vergangenen Jahr werde man aber "nicht ganz erreichen". Als Ursachen nannte er die hohen Kostensteigerungen bei Energie, Material und Logistik sowie das wegfallende Russlandgeschäft. Bosch machte zuletzt rund 1,2 Milliarden Euro Umsatz in Russland, dieses Geschäft liegt nun brach. Die rund 3500 Mitarbeiter in Russland würden aber weiterhin bezahlt.

Beschäftigte werden intern qualifiziert

Die Transformation im Bosch-Konzern geht derweil weiter - vom Verbrenner hin zu modernen Antriebsarten. Wie Personalchefin Filiz Albrecht betonte, klappe die interne Qualifizierung von Mitarbeitern gut. 1400 Mitarbeiter der Antriebssparte seien so in die Bereiche Software und Elektromobilität gewechselt. Bis Jahresende sollen knapp 2300 Beschäftigte für die Brennstoffzelle tätig sein. "90 Prozent dieser Stellen konnten wir intern besetzen", so Albrecht. Bosch will in diesem Jahr zudem 10 000 Software-Entwickler einstellen.

 
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