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Viel Kritik am geplanten Aus für Verbrenner in der EU

Wirtschaftsverbände in der Region sind nach dem Beschluss des EU-Parlaments in Sorge, die Autobauer bleiben dagegen gelassen. In der Ampel-Koaltion zeichnet sich Streit ab.

von Jürgen Paul und dpa
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Lesezeit 2 Min
Verbrenner Auto
Das EU-Parlament will neue Autos mit Verbrennungsmotor ab 2035 verbieten. Das sorgt für viel Wirbel.  Foto: dpa

Das vom EU-Parlament angestrebte Verkaufsverbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2035 hat heftige Reaktionen in Politik, Wirtschaft und Verbänden ausgelöst. Während es bundesweit Lob und Kritik für die Pläne gibt, überwiegt in der Region Heilbronn-Franken klar die Ablehnung.

Ernstberger spricht von vertaner Chance

Für Jörg Ernstberger, Geschäftsführer von Südwestmetall in der Region, hat das EU-Parlament mit der Entscheidung "die Chance vertan, den Verlust von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung in der Transformation noch abzumildern". Er fürchtet, dass Zulieferern in der Region, die bis vor kurzem noch weitgehend vom Verbrenner abhängig waren, die Überforderung drohe. Ernstberger sieht jetzt die Politik in der Pflicht, die Ladeinfrastruktur für E-Autos und die Tankinfrastruktur für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge zügig auszubauen.

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IHK vermisst Technologieoffenheit

Christof Geiger, stellvertretender Hauptgeschäftsführer IHK Heilbronn-Franken, sagt: "Wir sehen kritisch, dass die EU mit dem Beschluss des EU-Parlaments den Pfad der Technologieoffenheit verlässt. Denn für innovative Lösungen im Wettbewerb der Ideen müssen alle Optionen offen stehen. Nur auf die eine Karte Elektromobilität zu setzen erschwert den Weg andere klimafreundliche Lösungen zu finden." Das sieht auch Ulrich Bopp. Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, so.

Er findet den Beschluss, "mehr als befremdlich" und fragt sich, wie die ganzen Ziele erreicht werden sollen. "Vor allem wenn der Ausbau der erforderlichen Infrastruktur für die Elektromobilität weiter so zögerlich voranschreitet, die Genehmigungen für Windkraftanlagen Jahre in Anspruch nehmen sowie Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden sollen", so Bopp. Handwerker, die große Entfernungen mit schweren Fahrzeugen und Geräten zurücklegen müssten, dürften wohl die größten Probleme bekommen.

Innung betont, dass sich für Bestandsfahrzeuge nichts ändert

Die Kfz-Innung Heilbronn-Öhringen weist darauf hin, dass der Beschluss des EU-Parlaments, so er denn von Mitgliedsstaaten grünes Licht bekommt, nur für Neufahrzeuge gelten würde. "Weder für die rund 315.000 Pkw mit Verbrennungsmotoren, die im Stadt- und Landkreis Heilbronn derzeit unterwegs sind, noch für die rund 84.000 Verbrenner-Pkw im Hohenlohekreis, hat das Verbot irgendwelche unmittelbaren Auswirkungen", betont Innungs-Geschäftsführer Siegfried Heer.

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Er hat Zweifel daran, dass bis 2035 ein Fünftel der Pkw-Flotte elektrisch angetrieben wird, wie es die Bundesregierung anstrebt. Derzeit sei man in der Region mit rund 6000 E-Autos weit entfernt von diesem Ziel. "Es könnte sogar sein, dass es 2034 einen Run auf die dann noch verfügbaren Verbrennerfahrzeuge gibt", sagt Heer.

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In der Werkstatt werden weniger Mitarbeiter benötigt

Mittelfristig habe die Entscheidung aber Auswirkungen auf die Mitgliedsbetriebe, betont der Geschäftsführer. Zum einen im Verkauf, wo sich die Frage stelle, mit welchen weiteren Maßnahmen der Verkauf von E-Autos gestärkt werde. Zum anderen in der Werkstatt, "weil ein hoher Anteil von E-Fahrzeugen weniger Arbeitsplätze in der Werkstatt erfordert, weil Arbeiten teilweise entfallen", so Heer.

Positives Echo aus der Autobranche

Die Autohersteller begrüßten die Entscheidung. Der VW-Konzern sprach von einem "ambitionierten, aber erreichbaren Ziel" und lobte die "Planungssicherheit für die Unternehmen und Verbraucher". Die Tochter Audi wies darauf hin, dass sie in elf Jahren global ausschließlich ein rein elektrisches Portfolio anbieten werde. Mercedes-Benz will bereits bis 2030 "überall dort vollelektrisch werden, wo es die Marktbedingungen zulassen". Die Stuttgarter sehen die Politik in der Pflicht, "für die erforderliche Infrastruktur zu sorgen".

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VDA macht sich für synthetische Kraftstoffe stark

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bemängelte, dass synthetische Kraftstoffe nicht in die Klima-Strategie des EU-Parlaments einbezogen wurden. "Wir haben derzeit rund 280 Millionen Verbrennungs-Pkw", sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. "Das heißt: Klima-Neutralität schaffen wir nicht, wenn wir nicht zum Beispiel auch die Bestands-Autos über synthetischen Kraftstoff einbeziehen".

FDP-Chef Lindner fordert Änderungen

Auch die FDP kritisierte diesen Punkt. Parteichef Christian Lindner sagte, die Bundesregierung müsse "Änderungen für Technologieoffenheit anstreben". Die Grünen drängen dagegen auf ein Aus für den Verbrenner. "Es ist gut, dass das Europäische Parlament mit dieser Entscheidung klarmacht: Elektromobilität is die Zukunft", sagte Parteichefin Ricarda Lang.

Die IG Metall forderte eine Perspektive für alle vom Umbau der Branche betroffenen Beschäftigten.

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