Neckarwestheim
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Wie es mit dem Abriss des GKN weitergeht

Die EnBW stellte das Verfahren für die Entsorgung der Schuttmassen aus dem GKN vor. Dass dabei ausführlicher und umfangreicher dokumentiert wird als nötig, wundert selbst die Atomaufsicht.

Heiko Fritze
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Wie es mit dem Abriss des GKN weitergeht
Die Maschinenhalle des GKN I wird seit 2017 leergeräumt. Die meisten Metallteile können recycelt werden. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel

Es sollte ein Termin zur Vertrauensbildung sein. Ein Beweis der größtmöglichen Transparenz, bei dem alle Beteiligten vor Ort Rede und Antwort stehen und beispielhaft gezeigt wird, wie die Vorgänge ablaufen. Alleine: Mit dem erneuten Anstieg der Corona-Fälle in Baden-Württemberg hat der Energiekonzern EnBW vor zwei Wochen schon wieder strikte Zugangsbeschränkungen zu seinen Anlagen erlassen, erst recht zum Atomkraftwerk Neckarwestheim. Und so war nur am Bildschirm zu verfolgen, wie eine Charge Bauschutt geprüft wird, bevor sie auf eine Deponie gebracht werden darf.

Vier Tonnen Vorführ-Material

Konkret ging es um knapp vier Tonnen Abbruchmaterial aus dem Reaktorgebäude von GKN I. Dort sind mittlerweile fast alle Großkomponenten ausgebaut und abtransportiert. Nur der Reaktordruckbehälter wird noch zerlegt, berichtete eingangs Jörg Michels, Geschäftsführer der EnBW Kernkraft GmbH. Insgesamt fallen beim Abriss des Kraftwerks mit allen Nebengebäuden etwa 331.000 Tonnen Material an, von denen etwa ein Prozent, sprich etwa 3000 Tonnen, als schwach- bis mittelradioaktiv in ein Zwischen- und später in ein Endlager gebracht werden müssen. Etwa ein bis zwei Prozent benötigen eine "spezifische Freigabe" und werden auf Deponien eingelagert - aber der große Rest soll komplett wiederverwertet werden. "Dazu sind wir nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz verpflichtet", machte Michels klar.

Atomaufsicht: Null Risiko für die Bevölkerung

Unterstützung erhielt er von Gerrit Niehaus, Abteilungsleiter der Atomaufsicht im Landes-Umweltministerium. Der verwies auf die umfangreichen Prüfverfahren und die vielen Zwischenschritte inklusive neutraler Gutachter, die alles überwachen und dokumentieren. "Unser Job ist es, zu prüfen, ob wirklich null nukleares Risiko erreicht wird", sagte Niehaus. Und das werde erfüllt. "Die Bevölkerung kann von einem praktischen Nullrisiko ausgehen." Das Land betreibe da einen immensen Aufwand, "um auch die kleinste Kleinigkeit zu verhindern", bekräftigte er. Die Kontrollen dienten aber vor allem der Vertrauensbildung. "All das könnten wir als Aufsichtsbehörde niemals anordnen", meinte Niehaus. Für ihn stelle sich da auch die Frage, ob dieser Aufwand überhaupt noch verhältnismäßig ist.

Detektoren stehen auf "grün"

Im Fall der zehn großen Kunststoffsäcke, in die jene vier Tonnen Bauschutt verpackt wurden, besteht jedenfalls kein Risiko: Die Messungen am Morgen ergaben, dass die Grenzwerte eingehalten werden, und auch die Vorführung in der Videokonferenz mit einem dieser zehn Säcke brachte kein anderes Ergebnis - alle 24 Detektoren der Messanlage schalteten auf "grün".

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Landkreis Ludwigsburg muss entsorgen

Dass der Bauschutt nun auf eine Deponie bei Vaihingen/Enz kommt, begründete Tilmann Hepperle, Geschäftsführer des Ludwigsburger Abfallwirtschaftsverbandes AVL, mit einer einfachen Tatsache: Der Schutt muss in jenem Landkreis entsorgt werden, in dem er anfällt - und die Gebäude von GKN I inklusive Reaktorkuppel befinden sich im Landkreis Ludwigsburg, auf der Gemarkung Gemmrigheim. Der Kreistag habe sich zwar gegen diese Einlagerung ausgesprochen, aber akzeptiert, dass der AVL zuständig ist. Auch hier herrsche größtmögliche Transparenz, versicherte Hepperle: Unabhängige Gutachter kontrollierten alles, und die Unterlagen inklusive der Angabe, wo die Säcke auf der Deponie liegen, würden aufbewahrt, bis die Deponie eines Tages aus der sogenannten Nachsorge entlassen wird. Erst einmal müssen die zehn Säcke aber dorthin gelangen. Das, so Hepperle, werde frühestens Anfang 2022 der Fall sein.

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