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WG Heilbronn arbeitet mit Ex-Geschäftsführer Karl Seiter weiter

Dass sich die Genossenschaftskellerei Heilbronn nach nur neun Monaten von Geschäftsführer Michael Eißler trennt, sorgt überall für Gesprächsstoff. Karl Seiter springt tatsächlich als Berater ein.

Kilian Krauth
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WG Heilbronn arbeitet mit Ex-Geschäftsführer Karl Seiter weiter
Wie in allen Genossenschaften, Gütern und Privatkellereien ist der Weinverkauf trotz Corona geöffnet. Es darf nur nicht probiert werden. Foto: Mario Berger  Foto: Berger

Dass sich die Genossenschaftskellerei nach nur neun Monaten von Geschäftsführer Michael Eißler trennt, sorgt überall für Gesprächsstoff. "Was ist denn in Heilbronn los?", fragt etwa Fachjournalist Hansjörg Jung bei der Stimme nach. Wie der nunmehr geschäftsführende Vorstandschef Justin Kircher und Eißlers Vorgänger Karl Seiter versichern, sei das Württemberger-Flaggschiff nicht in wirtschaftlicher Schieflage.

Die Liquidität sei gesichert, das Traubengeld am 1. April geflossen. Bis Corona kam, seien die Geschäfte zufriedenstellend gelaufen. Die Trennung sei auf unterschiedliche Vorstellungen über die strategische Ausrichtung zurückzuführen, heißt es. Auf Details wolle man nicht eingehen.

Seiters Signal der Solidarität

Zwar haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart, aber offenbar waren die Fußstapfen, die Karl Seiter hinterlassen hat, zu groß für den schüchtern wirkenden Nachfolger, der neben dem großen Macher, Strategen, Netzwerker, Strippenzieher und Integrator blass wirkte. Dass sich Seiter ganz mit seiner Aufgabe identifizierte, zeigte bereits die zweijährige Verlängerung seines Vertrages.

Dass er den Titel "Ehrenmitglied" beim Wort nimmt, zeigt sich jetzt. Der Neipperger ist dem Ruf aus Heilbronn gefolgt und steht seinen ehemaligen Mitarbeitern bereits beratend zur Seite. Dies ist ihm wichtig festzustellen: Er sei in die Trennungsgespräche nicht involviert gewesen. Und: "Ich habe mich nicht aufgedrängt", so der bald 68-Jährige, zumal er sich an den Ruhestand gewöhnt habe und er seiner Frau Lore nun einiges abverlange.

Genossenschaften unter Druck

Vor Eißler kehrten andere Geschäftsführer ihrer WG den Rücken: Im Februar wechselte Bastian Remkes von den Bottwartaler Winzern ins Landesweingut Kloster Pforta (Sachsen-Anhalt), 2018 stieg Matthias Göhring in Dürrenzimmern aus und im Heilbronner Amalienhof ein, fast gleichzeitig verabschiedete sich Thilo Heuft von den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu zum Staatlichen Hofkeller Würzburg.

Solche Wechsel kann man als ganz normal abtun. Bringt man sie allerdings mit sinkenden Traubengeldern und unzufriedenen Mitgliedern in Verbindung, wird schnell klar, woher der Wind weht. Schon stellen Branchenkenner die Frage, ob das träge WG-System dem dynamischen Markt überall gewachsen ist.

Globalisierter Markt mit Dumping-Weinen

Die Winzer stehen nicht erst seit Corona unter Druck. Vor 20 Jahren lag das Traubengeld mancherorts bei über 15.000 Euro/Hektar, heute wird oft nicht mal die magische 10.000-Euro-Marke erreicht, bei der sich Weinbau überhaupt erst zu rentieren beginnt. Die Gründe sind vielfältig: Weltweit wird mehr Wein produziert als getrunken - und Deutschland ist Import-Weltmeister.

Im Ausland billig produzierte Tropfen drücken die Preise. Verschärft wird der Konkurrenzdruck durch die Konzentration des Lebensmitteleinzelhandels - und nicht zuletzt durch Verbraucher, die ständig nach Schnäppchen schielen oder sich mit fremden Etiketten aus dem Ausland schmücken.

Kleiner Lichtblick in Corona-Zeiten

Mit Corona verschärft sich die Lage vieler Winzer dramatisch: keine Messen, keine Präsentationen, kein Ausschank, keine Feste, Proben und sonstige Events. Immerhin ist der Ab-Hof-Verkauf wieder erlaubt. Und: Es gibt sogar Kunden, die bestellen jetzt doppelt, berichtet VDP-Chef Markus Drautz und freut sich über solche Zeichen der Solidarität.

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