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Wetterextreme und der Klimawandel hängen zusammen

Forscher warnen: Hitzewellen werden heißer werden, Dürren trockener, Starkregen intensiver. Sie fordern Maßnahmen zu einer besseren Anpassung an die Folgen der Erderhitzung.

Valerie Blass
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Wetterextreme und der Klimawandel hängen zusammen
Ein aktuelles Foto aus dem rheinland-pfälzischen Altenahr. Die Wassermassen der Ahr haben in diesem Restaurant alles zerstört. Foto: dpa

Nach dem dramatischen Starkregen im Westen Deutschlands mit Dutzenden Toten und Hunderten zerstörter Existenzen warnen Wissenschaftler: Solche Wetterereignisse werden in Folge der Klimakrise weiter zunehmen: Hitzewellen werden heißer werden, Dürren trockener, Starkregen intensiver. Eine Einordnung:

 

Wie hängen Hochwasserkatastrophe und Erderhitzung zusammen?

"Solche Wetterlagen treten ganz natürlich auch ohne Klimawandel auf, und auch ohne Klimawandel wären die Niederschläge heftig gewesen", sagt Douglas Maraun vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der Universität Graz. Allerdings könne wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen. "Man kann deshalb davon ausgehen, dass der Klimawandel die Niederschläge gestern um sicher 10 bis 20 Prozent verstärkt hat." Auch das Umweltbundesamt UBA sieht eine "Tendenzen zu einer größeren Häufigkeit von Starkniederschlägen in den letzten 65 Jahren".

 

Wie eindeutig ist der Zusammenhang?

Schon vor mehr als zehn Jahren habe die Klimaforschung vorausgesagt, dass extreme Niederschläge mit dem Klimawandel stärker ausfallen und häufiger vorkommen werden, sagt Jakob Zscheischler vom Institut für Klima und Umweltphysik der Universität Bern.

Der Zusammenhang zwischen der Erderwärmung und Hitzerekorden wie jetzt in Nordamerika sei jedoch noch ausgeprägter, erklärt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: "Bei Niederschlagsextremen ist die Zunahme noch nicht so groß, weil die natürlichen Schwankungen im Vergleich zum Effekt der Erderwärmung stärker sind." Man könne daher nicht sagen, ob dieses Ereignis eine Folge der Erderwärmung ist, aber man könne festhalten, "dass derartige Ereignisse durch die Erderwärmung häufiger werden", so Rahmstorf weiter.

 

Und wie erklären Forscher den Mechanismus genau?

Das sei alles eine Folge der Physik, sagt Rahmstorf: "Schon vor über 30 Jahren haben Klimamodelle vorhergesagt, dass Extremniederschläge häufiger werden, während Tage mit schwachem Regen seltener werden." Der Grund: Pro Grad Erwärmung könne die Luft sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen und dann auch abregnen. Ein weiterer in der Forschung viel diskutierter Effekt sei die Abschwächung der Sommerzirkulation der Atmosphäre. Diese führe zu weniger Wetterwechseln und länger anhaltenden Wetterlagen. "So werden ein paar heiße Tage zur Hitzewelle, ein ?steckengebliebenes" Tief führt zu Dauerregen", sagt Rahmstorf. "Das hat mit der Tatsache zu tun, dass die Arktis sich in den vergangenen Jahrzehnten dreimal so stark erwärmt hat wie der Rest der Erde. Dadurch schwächt sich das Temperaturgefälle von den Subtropen zum Pol ab, das die typische Luftbewegung von Westen nach Osten in den mittleren Breiten antreibt."

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Welche Konsequenzen sollten folgen?

Starkregen wird überall dort zum Problem, wo das Wasser nicht abfließen kann. Das gilt für geologische Lagen wie in Gebirgen und für Städte. "Dass derartige Starkregenfälle so dramatische Konsequenzen haben, liegt zu einem großen Teil an der Versiegelung der Böden", sagt Friederike Otto vom Climate Research Programme der Universität Oxford. Die Stadtplanung müsse sich auf den Klimawandel einstellen. Hannah Cloke von der Universität im britischen Reading ergänzt: Die vielen Toten durch die Überflutungen hätten vermieden werden müssen. Sie spricht von "Systemversagen": Wettervorhersagen hätten diese Art von Starkregen schon Tage zuvor prognostiziert. "Die Warnung wurden nicht ernst genug genommen, und die Vorbereitungen waren unzulänglich."

 

Wie ist die Prognose für die Zukunft?

"In der Zukunft werden solche Starkniederschläge noch extremer werden, solange wir weiterhin CO2 ausstoßen", sagt Jakob Zscheischler. Auch Hannah Cloke malt ein pessimistisches Bild: "Die Tatsache, dass Nordamerika derzeit von einer beispiellosen Hitzewelle und Feuerstürmen heimgesucht wird, sollte uns mahnen, dass noch viel gefährlichere Wetterereignisse in einer sich weiter erwärmenden Welt drohen." Die Frage sei nun, so die Forscher: "Wie schnell schaffen wir es, damit umzugehen?" Hafenstädte wie Rotterdam in den Niederlanden befassen sich schon seit längerem mit Strategien für sogenannte Klima-Resilienz. Dort gibt es beispielsweise große unterirdische Wasserspeicher, die in normalen Zeiten als Tiefgarage dienen. Begrünte Dächer und üppige Parkanlagen, die Wasser besser aufnehmen, sind Standard.

 

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