Stimme+
Region
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Was tun nach der Diagnose Glioblastom?

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Expertinnen beantworten am Lesertelefon Fragen zu dieser aggressiven Form bösartiger Hirntumore. Hier ein Überblick.

Foto: SciePro/stock.adobe.com
Foto: SciePro/stock.adobe.com  Foto: SciePro/stock.adobe.com

Bei der Behandlung eines Glioblastoms, der häufigsten und aggressivsten Form von bösartigen Hirntumoren bei Erwachsenen, gilt es, keine Zeit zu verlieren. Glioblastome wachsen sehr schnell und dringen in gesundes Hirngewebe ein. Für Betroffene bleibt kaum Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Umso wichtiger sind Informationen über die Behandlung, unterstützende Angebote und den Umgang mit der Erkrankung. Dr. Marie-Thérèse Forster, Leitende Oberärztin, und Oberärztin Dr. Anna-Luisa Luger, beide vom Universitätsklinikum Frankfurt, haben telefonisch Fragen von Interessierten und Betroffenen beantwortet. Ein Überblick zu häufigen Fragen.

 

Gibt es eine Möglichkeit der Früherkennung oder bestimmte Risikofaktoren für ein Glioblastom?

Da es sich bei Glioblastomen um sehr rasch wachsende Tumore handelt, gibt es keine Möglichkeit der Früherkennung. Selbst jährliche Screening-MRTs könnten diese in vielen Fällen nicht erfassen. Viele Betroffene fragen nach Risikofaktoren, um zu verstehen, weshalb sie an einem Glioblastom erkrankt sind. Allerdings gibt es für die bislang untersuchten Risikofaktoren keinen Hinweis, dass sie an der Entstehung von Glioblastomen maßgeblich beteiligt wären. Wir wissen lediglich, dass die Häufung von Glioblastomen mit zunehmendem Lebensalter steigt.

 

Wie kann eine möglichst schnelle Diagnose sichergestellt werden?

Häufig kann bereits aufgrund eines bildgebenden Verfahrens, zum Beispiel einer Magnetresonanztomographie (MRT), eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Für die definitive Diagnose ist jedoch immer die histologische und molekulargenetische Untersuchung von entnommenem Tumorgewebe notwendig.

 

Wie lange dauert es von der Diagnose bis zum Beginn der Behandlung?

Im Idealfall dauert es nur wenige Tage, bis der Tumor operativ entfernt wird oder − wenn das nicht sinnvoll möglich ist − eine Biopsie des Tumors erfolgt.

 

Wie riskant ist die operative Entfernung des Tumors?

Das hängt maßgeblich von der Lage des Tumors ab. Um wichtige Funktionen wie die motorische Bewegung, die Sprach- oder Sehfunktion zu schützen, werden während der Operation Techniken zur Überwachung dieser Funktionen eingesetzt. Unter Umständen müssen Reste des Tumors belassen werden, um wichtige Funktionen zu erhalten. Oftmals hat jedoch der Tumor selbst bereits Hirnfunktionen eingeschränkt. In manchen dieser Fälle kann die Operation zu einer Besserung der Symptome führen. Insgesamt ist das allgemeine Risiko der Tumorentfernung gering. Dank moderner neurochirurgischer Verfahren verlassen viele Patientinnen und Patienten bereits zwei bis drei Tage nach der Operation das Krankenhaus ohne neue Einschränkungen.

 

Welchen Einfluss hat die Untersuchung des Tumorgewebes auf die Therapie?

Auf Grundlage der molekulargenetischen Charakterisierung des Tumorgewebes kann die bestmögliche Therapie ausgewählt werden. Neben den Standardtherapien kann gegebenenfalls zusätzlich eine molekular zielgerichtete Therapie oder eine individuelle Therapie im Rahmen von Studien angeboten werden.

 

Erhalten alle Patienten eine Strahlen- und Chemotherapie?

Nach der Entfernung des Tumorgewebes beziehungsweise der Biopsie erfolgt zunächst eine Strahlentherapie, die in der Regel mit einer Chemotherapie mit dem Wirkstoff Temozolomid kombiniert wird. In Einzelfällen kann auch eine Kombinationstherapie mit einem zusätzlichen Chemotherapeutikum erfolgen. Nach Abschluss der Strahlentherapie wird die Chemotherapie als Erhaltungs-Chemotherapie weitergeführt. Grundsätzlich gilt jedoch: Die Behandlung des Glioblastoms folgt keinem festen Schema − wichtig ist die individuelle Ausrichtung der Therapie.

 

Was hilft den Betroffenen beim Umgang mit den seelischen Belastungen durch die Erkrankung?

Fast alle neuroonkologischen Zentren bieten den Patientinnen und Patienten sowie Angehörigen eine psychoonkologische Unterstützung zur Bewältigung der individuellen Belastung an. Das Angebot bezieht die gesamte Familie ein, ausdrücklich auch Kinder. Die Bandbreite der Unterstützung ist groß und erstreckt sich von pragmatischen Fragen der Alltagsbewältigung über den Umgang mit belastenden Gedanken und Gefühlen bis zu Hilfestellungen bei der Kommunikation innerhalb des sozialen Umfeldes. Auch zusätzliche psychosoziale Unterstützungsangebote, die Weitervermittlung an Selbsthilfegruppen oder, bei Bedarf, an psychoonkologisch geschulte Psychotherapeuten sind Teil der Beratung. 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben