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Von der hohen Kunst, Konflikte gut zu bewältigen

Interessierte verschiedenster Berufsrichtungen lassen sich vom Mediatoren-Netzwerk Heilbronn zu Mediatoren ausbilden: Expertinnen sehen viele Vorteile

Petra Müller-Kromer
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Lesezeit 2 Min
Von der hohen Kunst, Konflikte gut zu bewältigen
Beate Distelbarth, Eva-Maria Bauer und Dagmar Lägler (von links) leiten das Mediatoren-Netzwerk Heilbronn. Ihr Einsatzbereich in beruflichen und privaten Konflikten ist vielfältig. Foto: Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Sie haben ganz unterschiedliche berufliche Hintergründe: Anwältin Dagmar Lägler, Psychologin Dr. Eva-Maria Bauer, die im Bereich Personalmanagement promoviert hat, und Betriebswirtin Beate Distelbarth. Zu dritt leiten sie das Mediatoren-Netzwerk Heilbronn.

Eine Ausbildung zum Mediator bietet etwa die Volkshochschule Heilbronn an

Auch an der 120 Stunden umfassenden Ausbildung zum Mediator, die das Netzwerk an bis zu neun Wochenenden bei der Volkshochschule anbietet, haben ganz unterschiedliche Menschen Interesse. Physiker sind darunter, Verwaltungsfachleute, Theologen, zuletzt ein Croupier, ein Skilehrer und eine Flugbegleiterin zählt Dagmar Lägler auf.

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War der Einsatzbereich der professionellen Vermittler früher auf Scheidungen konzentriert, stehen längst auch andere Konflikte auf der Agenda, etwa im beruflichen Umfeld. Teils kommen Eltern, deren Kinder den Kontakt abgebrochen haben, Patchworkfamilien, es geht um die Übergabe des Geschäfts an die nächste Generation, um den Patron, der nicht loslassen kann - oder im Gegensatz dazu um Kinder, die die Nachfolge nicht antreten wollen.

"Neulich hatte ich vier Geschwister eines Familienbetriebes da. Zwei Impfgegner, zwei Befürworter", erzählt Dagmar Lägler. Da könne es auch einer erfahrenen Mediatorin "Himmelangst" werden. Neun Stunden dauerte der Austausch, der erfolgreich mit einer Annäherung endete.

Eine Mediation ist keine Therapie

Auch Beate Distelbarth sammelt immer wieder positive Erfahrungen: "Mir ist es wichtig, dass sich meine Mitarbeiter, die einen Konflikt haben, austauschen, und ich moderiere das dann. Und dass sie anschließend das Gefühl haben, die Sicht des anderen verstanden zu haben."

 

Allerdings ist eine Mediation, die meist rund ein halbes Jahr dauert, keine Therapie. "Es geht nicht um Rückblick. Die Vergangenheit ist Ausgangspunkt für das Hier und Jetzt", sagt Eva-Maria Bauer. Den Kontakt, etwa zu Geschwistern, von denen man lange nichts gehört hat, müssen die Betroffenen selbst wieder aufnehmen. "Oft erfordert es Mut, den ersten Schritt zu tun", sagt Lägler.

Expertinnen finden: Tragfähigkeit der Kompromisse ist nach einer Mediation oft größer

Die Mediatorinnen sehen viele Vorteile in ihrer Arbeit. "Wer zum Anwalt geht, erlebt oft eine Verhärtung der Verhältnisse, und das Unglück nimmt noch zu", sagt die Familienrechtlerin. Und Beate Distelbarth findet, dass die Tragfähigkeit der Kompromisse nach einer Mediation oft größer ist. "Wenn Recht gesprochen wird, findet häufig keine echte Befriedung statt."

Auch Dagmar Lägler ist froh, dass sie ihren Schwerpunkt weg von der Anwaltstätigkeit hin zur Mediation verschoben hat. "Ich verdiene bis zu 50 Prozent weniger, aber ich bin zufriedener und weniger aggressiv, weil ich nicht mehr die Schuld bei jemandem suchen muss."

Mediatoren präsentieren ihren Medianten, wie sie ihre Klienten nennen, keine Lösungen, sondern lassen sie am Konflikt arbeiten. Im beruflichen Umfeld geht es dabei allerdings genauso um Gefühle, Verletzungen und Kränkungen wie im Privaten.

Wenn eine bestimmte Grenze überschritten ist, funktioniert Mediation nicht mehr

Aber, auch da sind sie sich einig: Mediation funktioniert nicht, wenn eine bestimmte Grenze überschritten ist, wenn es um öffentlichen Gesichtsverlust oder Denunziation geht. Oder die Menschen unter schweren psychischen Problemen leiden.

Ob sie selbst als Expertinnen privat anders streiten? "Bei uns daheim knallt es auch", räumt Eva-Maria Bauer ein. Beate Distelbarth denkt an ihre 14-jährige Tochter, die am liebsten gar keine Grenzen hätte, wenn es abends darum geht, das Handy auszuschalten. Sie findet es überaus wichtig, Entscheidungen nicht über Autorität zu verfügen. "Es geht um Vertrauen. Ich weiß, sie geht zur richtigen Zeit schlafen, und das klappt dann auch."

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