Schwaigern
Lesezeichen setzen Merken

Tiny-Häuser: Klein, aber ein Zuhause

Der Verein Menschen in Not finanziert zwei Tiny-Häuser für Obdachlose. In Schwaigern zieht jetzt eine Familie in das Modulgebäude.

Tanja Ochs
  |  
Klein, aber ein Zuhause
In den Tiny-Häusern in Schwaigern lebt eine obdachlose Familie: Links zieht die Mutter mit den beiden Kindern ein, rechts wohnt der Vater. Sie sind froh, endlich wieder ein Zuhause zu haben. Foto: Ochs

Perplex sei sie gewesen, als sie dass Mini-Haus das erste Mal gesehen habe, erzählt die Mutter, die mit ihrer Familie in Schwaigern ein Dach über dem Kopf gefunden hat. Gleich neben der katholischen Kirche zieht die Frau mit ihren beiden kleinen Kindern in ein Tiny-Haus, ihr Mann wird nebenan untergebracht. Eines der zwölf Quadratmeter großen Häuser hat der Verein Menschen in Not finanziert.

Um wohnungslosen Menschen eine nachhaltige Perspektive zu bieten, hat die Sozialaktion der Heilbronner Stimme ein Sonderprojekt aufgelegt und Geld für zwei Tiny-Häuser gespendet, die von Obdachlosen genutzt werden sollen. Das erste wurde bereits in Schwaigern aufgestellt, die Erschließungsmaßnahmen hat die Stadt übernommen und auch das Grundstück zur Verfügung gestellt. Ein zweites Haus ist in Heilbronn-Sontheim geplant, dort ist der Bauantrag bereits genehmigt.

Zeichen für soziales Miteinander

Rund 85.000 Euro stellt der Verein Menschen in Not dafür zur Verfügung, um ein Zeichen für soziales Miteinander zu setzen. Die Heilbronner Aufbaugilde übernimmt die Betreuung der Bewohner, die zeitlich befristet in den Häusern unterkommen und gleichzeitig dabei unterstützt werden, wieder in der Gesellschaft Fuß zu fassen.

Für die Schwaigerner Familie ist das so kurz vor Weihnachten ein großes Geschenk. "Wir haben keine großen Ansprüche", sagt die Mutter. Aber sie möchte ihren ein- und vierjährigen Kindern ein schönes Weihnachtsfest bereiten. Nicht im Vier-Bett-Zimmer der Obdachlosenunterkunft, sondern im eigenen Zuhause.

Weiter auf Wohnungssuche

Nach sieben Jahren wurde der Familie wegen Eigenbedarf die Wohnung gekündigt. Die Zwangsräumung kam im Oktober. Mit zwei kleinen Kindern sei nichts zu finden gewesen, sagt die Frau, drei Jahre lang war sie auf Wohnungssuche. Ihr Lebensgefährte kann aufgrund einer chronischen Erkrankung nicht arbeiten, sie selbst ist in Elternzeit. Kurzzeitig zog die Familie zur Oma in den Schwarzwald. Doch der Lebensmittelpunkt blieb Schwaigern, wo ein Kind den Kindergarten besucht. Mit dem Tiny-Haus soll der Wiedereinstieg gelingen. "Wir suchen weiter eine Wohnung", erklärt die Mutter. Dabei erfahre sie viel Unterstützung. "Ansprechpartner sind wichtig in dieser schweren Zeit."

In Schwaigern ist das Netzwerk geknüpft. Neben der Aufbaugilde engagiert sich der Arbeitskreis "Flüchtlinge willkommen heißen" ebenso wie die Kirchengemeinde. "Es ist eine tolle Kooperation", freut sich Bürgermeisterin Sabine Rotermund. Mit der Unterbringung habe man kurzfristig auf eine aktuelle Notlage reagieren können. Die Bewohnerin jedenfalls ist begeistert und betont: "Ich schätze es sehr."

 
 
 
Kommentar hinzufügen
Kommentar hinzufügen
  Nach oben