Stammen weiße Eier wirklich von weißen Hühnern?
Geflügelzüchter aus der Region räumen mit Mythen rund um das Ostersymbol Nummer eins auf. Fazit: Es ist nicht so einfach wie gedacht.

Es ist eine immer wiederkehrende Frage: Warum gibt es braune und weiße Hühnereier, und welche Rolle spielt die Farbe des Gefieders dabei?
"Ja, es stimmt so ungefähr", bestätigt Legehennenhalter Peter Buyer aus Brackenheim-Botenheim. "Braun gefiederte Hühner legen meist braune, und weiße Hühner meist weiße Eier." Dass es zwischen der Gefiederfarbe und der Eierfarbe eine Zusammenhang gibt, bestätigt auch Buyers Kollege in Eppingen-Rohrbach, Georg Heitlinger. Doch er ergänzt ein Detail, das noch besser zur Identifizierung taugt: "Es ist die Farbe der Ohrläppchen", berichtet Heitlinger. Hühner mit roten Ohrläppchen legen demnach braune oder crèmefarbene Eier, weiße Eier stammen von Hühnern mit weißgefärbtem Ohrläppchen.
Auf Rasse und Züchtung kommt es an
Doch es gibt noch etwas zu beachten. "Die Farbe der Eier hängt von Rasse und Züchtung ab", weiß Kükenbrüter Werner Hockenberger aus Eppingen-Elsenz. Er selbst arbeite mit der Züchtung "Lohmann-Brown". Ob die Eierfarbe Auswirkung auf den Geschmack hat? "Dazu gibt es keine belastbaren Untersuchungen", sagt der Geflügelzüchter.
Zu Ostern sind Eier mit grünlich-türkiser Färbung beliebt. Sie stammen von den Araucana-Hühnern, die auch als "Grünleger" bekannt sind. "Früher wurde behauptet, dass das Eidotter grüner Eier weniger Cholesterin hat", erinnert sich Heitlinger. "Stimmt aber nicht." Das sei ein richtiger Hype gewesen. In der professionellen Eierproduktion spielten die Grünleger kein Rolle, weil sie eine geringere Legeleistung als die weißen oder braunen Hühner erzielen. "Grünleger legen180 Eier im Jahr, unsere 280 oder mehr", so der Rohrbacher.
Farbpigmente werden in die Kalkschale eingelagert
Wie die Farbe in die Eierschale kommt, erklärt Heiko Fröhlich. Der Züchter aus Münsingen betreibt mehrere Internetseiten, die viel Hintergrundwissen rund um die Hühnerzucht bündeln. Für die Färbung der Eier sei die sogenannte Schalendrüse im Legedarm der Henne zuständig. Sie sorgt demnach dafür, dass Farbpigmente in die Kalkschale eingelagert werden, die zuvor als Abbauprodukt aus Blut oder Galle anfallen und in der Leber zwischengespeichert wurden.

"Kommen alle Farbstoffe zusammen, entsteht die Eifarbe braun", erklärt der Fachmann. Fehle dem Huhn das für die Farbbildung verantwortliche Gen, lege es weiße Eier. Grüne Hühnereier sind demnach eine weitere Spielart der Natur. Schließlich durchlaufe der Blutfarbstoff beim Abbau einige Farbnuancen, von Blau über Grün bis hin zu Gelb, bevor er eingelagert werde.
Während bei Hühnern, die braune Eier legen, dieser Abbau bis zum Ende verläuft, endet der Abbau bei grünlegenden Hühnern bereits nach der ersten Stufe, erläutert der Münsinger: "Hier kommt es direkt zum Einlagern des grünlichen Farbstoffs in die Kalkschale."

Stimme.de
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