Heilbronn
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Spritztour ohne Führerschein: 20.000 Euro Strafe für Rapper Bausa

Der Musiker beißt während einer Verhandlung am Heilbronner Amtsgericht beim Richter auf Granit. Am Ende zieht er seinen Einspruch gegen einen Strafbefehl zurück.

Maike Skerstins
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Spritztour ohne Führerschein kostet Rapper 20 000 Euro
Die Anklage von Rapper Bausa wurde deshalb öffentlich, weil er Einspruch eingelegt hat. Jetzt bleibt es für ihn bei einer Geldstrafe über 20.000 Euro. Foto: dpa

In dunkelblauem Sakko und weißem Hemd erhebt sich der Angeklagte als Letzter, während der Richter den Saal betritt. Kühle Blicke treffen den Staatsanwalt, als dieser die Anklage vorliest. Dem Musiker und Rapper Bausa (bürgerlich: Julian Otto) wird vorsätzliches Fahren ohne Führerschein und unerlaubtes Entfernen vom Unfallort zur Last gelegt.

Der Rapper war Mitte Juni 2020 auf seinem Motorrad auf der Landstraße von Sachsenheim Richtung Unterriexingen auf Tour. In einer Linkskurve kam er von der Fahrbahn ab und beschädigte dabei einen Straßenpfosten. Der verursachte Sachschaden: 200 Euro. Den 32-Jährigen kümmerte dies nicht weiter, er stieg auf seine Maschine und fuhr davon. Es folgte eine Anzeige, dann ein Strafbefehl, gegen den Bausa Einspruch eingelegt hat.

16 Voreinträge, vor allem wegen zu schnellen Fahrens, stehen im Register

Der Musiker ist bei seinen Fans besonders durch Liebeserklärungen zu Frauen in seinen Liedern beliebt. Darunter sind Titel wie "Venus", "Was du Liebe nennst" oder auch "Tempomat". Eine nützliche Einrichtung, um zu schnelles Fahren zu vermeiden, wenn man sie denn auch verwenden will.

Der Rapper hat bereits 16 Voreinträge im Fahreignungsregister angesammelt, überwiegend Überschreitungen des Tempolimits. Eine Sammlung, die Richter Patrick Scheder nicht gerade nachsichtig stimmte.

Richter fordert Unterlagen zu Einkünften des Musikers an

Während der Verhandlung verweist Scheder auf die hohen Klickzahlen in Millionenhöhe, die Bausas Videos im Internet erzielt haben. Weiter schlussfolgert der Richter, dass der Musiker finanziell gut aufgestellt zu sein scheint. Das im Strafbefehl angesetzte Strafmaß von 40 Tagessätzen zu jeweils 500 Euro stuft der Richter als zu milde ein. Anwalt und Angeklagter verlassen den Saal, um sich zu beratschlagen.

Als Bausa zurück in den Saal kommt, versucht er den Richter von einer falschen Berichterstattung über seine Finanzlage zu überzeugen. "Die Bild und andere Zeitungen versuchen herauszufinden, wie viel Geld ich besitze. Aber ich kann Ihnen versichern, durch Corona sind die Zahlen bei Streaming-Angeboten um 40 bis 60 Prozent gefallen."

Weiter berichtet der Rapper, dass ihm höchstens 25 Prozent seiner Einnahmen bleiben würden. "Der Berg an Kosten für Videoproduktionen und Reisekosten türmt sich auf, der den kleinen Berg meines Einkommens auffrisst." Der Musiker verweist auf die schwierige Lage während der Pandemie. "Mehr als 50.000 Euro im Jahr werden es nicht gewesen sein", beteuert er.

Angeklagter zieht Einspruch zurück, Geldstrafe bleibt bestehen

Der Richter hingegen verlangt Zahlen. Er gewährt dem Angeklagten, binnen drei Wochen könne er seine Finanz-Unterlagen nachreichen. Dann werde das Gericht eine Prüfung durch das Finanzamt vornehmen lassen. Als Verteidiger Thomas Amann nachfragt, ob bei einer Fehleinschätzung der finanziellen Lage sein Mandant den Einspruch noch zurückziehen könnte, verneint der Richter dies.
Daraufhin zieht der Rapper den Einspruch sofort zurück. Es bleibt bei der Geldstrafe über 20.000 Euro aus dem Strafbefehl.

 

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