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Digitale Stadtkarte

Von Parkplätzen bis Hundebeutel: Setzen bald weitere Städte auf die Neckarsulmer smap-App?

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Neckarsulm hat eine eigene Mobilitäts-App entwickelt. In der digitalen Stadtkarte sind Standorte und Ladestand von E-Bikes und -Scootern, Spritpreise, Bus-Abfahrtszeiten, aber auch Baustellen und andere nützliche Infos gelistet. Jetzt soll die "smap" als Vorbild für andere Kommunen dienen.

Die Smartphones gezückt: Wer noch kein "Smaper" ist, soll es jetzt werden, findet Klimaschutz-Managerin Carina Puff (vorne Mitte) zum Abschluss des Projekts Mobi-Wert in Neckarsulm.
Die Smartphones gezückt: Wer noch kein "Smaper" ist, soll es jetzt werden, findet Klimaschutz-Managerin Carina Puff (vorne Mitte) zum Abschluss des Projekts Mobi-Wert in Neckarsulm.  Foto: Seidel, Ralf

Nach drei Jahren ist das Projekt "MobiWert" abgeschlossen. Das gut sichtbare Ergebnis ist die "smart Mobility Map", kurz"smap", die nun als Blaupause für andere Kommunen dienen soll.

Mit der smap leiste Neckarsulm einen Beitrag, so die Stadtverwaltung, "die Verkehrsmittel intelligent zu vernetzen und Verkehre effizient zu steuern". Alle Mobilitätsangebote können aufgerufen werden: Standorte und Ladestand von E-Bikes und Scootern, die aktuellen Preise an den Tankstellen, die aktuellen Abfahrtszeiten der Stadtbusse, aber auch Baustellen, Umleitungen und Veranstaltungen. "Bei uns ist viel Mobilität, aber wir haben auch viel Verkehr auf unseren Straßen", so Projektmanagerin Carina Puff bei der Abschlussveranstaltung im Zweiradmuseum.

Ziel der "smap": Alternative Verkehrswege zum Auto aufzeigen

Das Ziel dabei ist: Alternative Verkehrswege zum Auto wie zum Beispiel das Fahrrad aufzeigen. Deshalb ist in der App auch ein CO2-Rechner integriert. In Neckarsulm gibt es rund 35.000 Pendler, also Menschen, die hier arbeiten, aber woanders wohnen. "Wer meint, Neckarsulm brauche keine Mobilitätsapp, sollte den Schichtwechsel bei Audi erleben", meinte der aus der Stadt stammende Beauftragte der Landesregierung für Informationstechnologie Stefan Krebs.

Von den 800.000 Euro Kosten für die Digitalisierung von Mobilitätsdaten übernimmt das Land Baden-Württemberg die Hälfte im Rahmen des Programms InKoMo 4.0. Hiermit fördert das Land die Entwicklung und Erprobung von neuen digitalen Mobilitätsdiensten. Hauptproblem war die Einbindung von Daten, die unter anderem multimodal den Weg zu öffentlichen Einrichtungen samt Öffnungszeiten abdecken. Diese können nun landes-, bundes- und sogar europaweit abgerufen werden. Die Stadt Neckarsulm deckt mit der Entwicklung drei wichtige Handlungsfelder ab: Digitalisierung, Mobilität und Klimaschutz.

Hinter der smap steckt eine Menge Programmierarbeit

So einfach die App zu bedienen ist, dahinter steckt eine Menge Programmierarbeit. Wichtig sei die Open-Data-Plattform für Mobilitätsdaten aller Art. Dass für die Planung von Spaziergängen die Lage von Hundetoiletten und Parkbänken wichtig ist, habe sich erst in der Bürgerbeteiligung herausgestellt. Hier hat Carina Puff einen Tipp für andere Kommunen bereit. "Wir hatten viele fleißige Helfer." Aber statt der mühsamen Kartierung per Zollstock und Notizblock sollte man künftig auf KI setzen.

Die Ergebnisse sind beeindruckend: Es gibt 233 Fahrradbügel in Neckarsulm, 652 Sitzbänke, 631 Mülleimer und Hundebeutelstationen, 2806 Verkehrsschilder und 2925 Parkplätze. "Demnächst werden auch die Standorte der Defibrillatoren angezeigt."

Man wolle aber keine Insellösung nur für die Kreisstadt. Um der zunehmenden Verkehrsbelastung Herr zu werden, brauche es vernetzte Angebote. "Nur so können wir die Verkehrsprobleme in unserem Wirtschaftsraum in den Griff bekommen. Wir arbeiten am Ausbau dieser Plattform unter anderem mit der Stadt Heilbronn, was uns sehr freut", betonte Oberbürgermeister Steffen Hertwig.

Ist die smap auch für Heilbronn denkbar?

Der Heilbronner Bürgermeister Andreas Ringle sagte beim Come-Together auf Nachfrage: "Wir sind im Mobilitätspakt verbunden und sehen das Projekt positiv." Man habe MobiWert mit Daten und KnowHow unterstützt. Es mache Sinn, die App der Heilbronner Verkehrsbetriebe und smap in Neckarsulm miteinander zu vernetzen.

Susanne Nusser, die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Städtetages, will das Modellprojekt "in und um Ulm, äh, Neckarsulm" in den 200 Mitgliedstädten bekannt machen. Der nun erstellte Handlungsleitfaden erleichtere die Übernahme der Vielzahl an Anwendungsmöglichkeiten. "Das Projekt MobiWert der Stadt Neckarsulm ist eine wunderbare Blaupause für nachhaltige und digitale Mobilität." Man hoffe nun auf eine landkreisweite, ja vielleicht sogar landesweite einheitliche Mobilitätsapp, so Carina Puff. "Die smap kann das", forderte die Klimaschutzmanagerin die Anwesenden auf, sich die App per QR-Code aus Smartphone zu laden.

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