Heilbronn
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Revierleiter der Bundespolizei ist jetzt Pensionär

Dieter Natterer war 20 Jahre lang Chef der Polizei am Hauptbahnhof. Der passionierte Läufer widmet sich nun auch seinem Hobby als Heimatkundler.

Jürgen Kümmerle
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Revierleiter der  Bundespolizei ist jetzt Pensionär
Jeden Tag läuft Dieter Natterer zwischen acht und zehn Kilometer. Daneben interessiert sich der 61-Jährige für Heimatgeschichte. Foto: Jürgen Kümmerle

Den Frisierstuhl aus den 1950er Jahren hat er seinem Nachfolger Sven Zaharansky überlassen. Das Relikt aus früheren Zeiten mit Nackenrolle und Lederbezug hat Dieter Natterer aus seiner vorherigen Dienststelle in Stuttgart Anfang der 1990er Jahre mit nach Heilbronn genommen. Dort durfte Platz nehmen, wer den Revierverantwortlichen Natterer (61) am Hauptbahnhof besuchte. Seit gestern ist er Pensionär.

1981 tritt Natterer seine Stelle beim damaligen Bundesgrenzschutz an, schiebt Dienst an den Grenzsperranlagen zur damaligen DDR im oberfränkischen Coburg. Eiserner Vorhang, Warschauer Pakt, illegal Eingereiste aus den Ostblock-Ländern - all das hat Natterer miterlebt. Oder die Pfingstkrawalle an der geplanten Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf: Der Oedheimer war als Gruppenführer in vorderster Reihe.

Aufbau der Struktur im Revier

"Ausdrücklich gegen meinen Willen", sagt Natterer, kommt er Anfang der 90er nach Heilbronn. Er, der Grenzschützer zur Bahnpolizei, die damals dem Bundesgrenzschutz zugeschlagen wurde? "Ich wäre am Liebsten wieder gegangen." Ist er dann doch nicht. Er baut die Struktur des Reviers in Heilbronn mit auf. Eine tolle Zeit sei es gewesen. Ausdrücklich lobt er die Zusammenarbeit mit der Stadt Heilbronn, den Kollegen der Landespolizei, der Rettungshundestaffel und anderen Einrichtungen, mit denen er zu tun hatte. "Das war eine unwahrscheinlich hohe Professionalität. Das hat mich begeistert."

Seine Zeit in Heilbronn ist geprägt von dem Mord an Michèle Kiesewetter auf der Heilbronner Theresienwiese im April 2007. Natterer hatte an dem Tag Dienst und anfangs die Führung der Bundespolizei übernommen. "Als der Funkspruch einging, konnten wir das alle nicht glauben. Das war ein Schock." Seine Frau Alexandra sagt: "Ich hatte Angst um ihn."

Im krassen Gegensatz dazu die Fußball-Weltmeisterschaft ein Jahr zuvor in Deutschland. Die Bundespolizei in Heilbronn war mit der Koordination der Besucher auf dem Fan-Dorf und den Anhängern der australischen Nationalmannschaft, die damals in Friedrichsruhe Quartier bezog, beschäftigt. "Eine Euphorie, eine Freude, lachende Menschen. Das war prägend. Ich bin froh, dass ich das erleben durfte."

Wichtig war ihm auch immer die Prävention und die Arbeit mit Kindern. "Projekte wie Schulwegbegleiter oder Tipps, wie sich Kinder am Bahnsteig richtig verhalten, lagen mir am Herzen."

Er schnürt die Laufschuhe

Als Pensionär hat der Vater von drei Kindern mehr Zeit für seine Hobbys. Dazu zählt die Heimatgeschichte rund um Bad Friedrichshall und die Historie der Bahnpolizei in Heilbronn. Und er schnürt jeden Tag die Laufschuhe und läuft bis zu zehn Kilometer. "Ich bin ein absoluter Läufertyp. Es ist eine Sucht." Als er noch im Dienst war, half ihm das Laufen, den Kopf freizubekommen.

Der Einzelsportler war im Berufsleben ein Mannschaftsspieler. "Ich komme aus einer Zeit, in der der Begriff Kameradschaft zählte. Das habe wir in Heilbronn versucht, zu leben." Und das ist ihm offensichtlich gelungen. Geschenke, Grüße und Glückwünsche haben ihm seine Mitarbeiter überreicht, viel Persönliches in Videos auf einem USB-Stick gespeichert. Kollegen von früher haben an ihn gedacht und sich gemeldet. "Das ist eine enorme Wertschätzung." Coronabedingt fällt der Ausstand aus. Er will ihn aber nachholen.

Mehrfach sei er gefragt worden, ob er nicht verlängern wolle. "Ich hatte mich bereits im Januar entschieden." Den (Frisier-)Stuhl gibt er für seinen Nachfolger frei.

Zur Person
Dieter Natterer ist am Tag seiner Musterung auf einen Berater des Bundesgrenzschutzes, der damals im selben Gebäude untergebracht war, aufmerksam geworden. Der Oedheimer entscheidet sich für die Polizei und ist für die Grenzsicherung zur DDR und zur Tschechoslowakei eingesetzt. Als Zugführer steht er bei Einsätzen in der ersten Reihe.
Nach Zwischenstationen kommt er zunächst in die Inspektion nach Stuttgart und wechselt Anfang der 90er Jahre nach Heilbronn. Der 61-jährige Polizeihauptkommissar ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er lebt in Bad Friedrichshall.

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