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Qualität im Unterricht: Rektoren loben Offensive, den Eltern fehlen Lehrer

Zu datengestützter Qualitätsentwicklung an Schulen gibt es positive Reaktionen, aber auch Bedenken.

Simon Gajer
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Freiwilliges Soziales Jahr
Der Vorstoß des Landes, die datengestützte Qualitätsentwicklung an Schulen auszubauen, stößt auf positives Echo.  Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Das Land baut die datengestützte Qualitätsentwicklung an Schulen aus. Lehrer und Rektoren in der Region begrüßen diesen Schritt überwiegend, auch für Elternvertreter hört sich das Vorhaben gut an.

Das sagt Elternvertreterin zu dem Vorhaben

"Grundsätzlich finde ich alle Versuche gut, durch die die Schülerinnen und Schüler zielgerichtet gefördert werden sollen, damit sich ihre Lernergebnisse verbessern", sagt Viviane Kalisch, Vorsitzende des Heilbronner Gesamtelternbeirats. "Allerdings müssen die besten Analysen in der Praxis auch umgesetzt werden." Viviane Kalisch erinnert daran, dass den Schulen im Land die Lehrer fehlen. "Die Förderung kostet nun mal Geld."

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Ihrer Ansicht nach stelle das Land der Bildung "nicht ausreichend" Finanzmittel zur Verfügung. Interessant findet die Elternvertreterin, dass an Schulen mehr pädagogische Assistenten eingesetzt werden sollen. "Aber die Kinder brauchen in der Schule keine Betreuung, sondern gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer."

Für Sprecher der Direktoren ist Entwicklung keine Überraschung

Für Marco Haaf ist die datengestützte Qualitätsentwicklung keine Überraschung. Solche Schritte seien für ihn schon seit Jahren relevant, sagt der Sprecher der Direktoren von Gymnasien in der Region. Er begrüßt dennoch diese Entwicklung, bezeichnet sie als ein sinnvolles Instrument. "Es geht in eine ganz gute Richtung." Mit vorliegenden Daten könne man steuern, wenn es mal nicht gut laufe. Seiner Ansicht nach können Zahlen auch in der Schule genutzt werden. Stärken und Schwächen lägen Schwarz auf Weiß vor. "Damit hat man eine Gesprächsgrundlage."

Von einer "tollen Sache" spricht Slawomir Siewior, der in Heilbronn die Dammrealschule leitet. Ziel sei es, damit die Bildung der Kinder zu verbessern. Zielgerichteter und individueller solle sie werden, sagt er. Der Rektor begrüßt, dass der Schulentwicklung konkrete Daten zugrundegelegt werden. Dann habe man eben nicht nur ein Gefühl, was gut und was schlecht laufe - sondern Fakten.

Fürs Schulamt ist es ein Gewinn

Auch die Schulverwaltung ist mit im Boot. Laut Kultusministerium soll es institutionalisierte Statusgespräche mit Ziel- und Leistungsvereinbarungen geben. Darin werde festgelegt, welche Verbesserungen wie erreicht werden sollen und welche Unterstützung dafür notwendig sei. Für Markus Wenz, der das Staatliche Schulamt in Heilbronn leitet und für alle Schulen außer die Gymnasien zuständig ist, ist der Vergleich von ähnlichen Schulen "ein Gewinn".

Er warnt aber vor zu hohen Erwartungen an die Vorgaben des Landes: Die datengestützte Qualitätsentwicklung habe nichts mit zusätzlichem Personal zu tun. "Die Fachlichkeit ist schon da", blickt er in die Lehrerzimmer. Man müsse mit dem Personal, das schon da sei, "das erreichen, was man erreichen kann".

Aus einer weiterführenden Schule der Region kommen allerdings auch kritische Töne zu den Vorgaben aus Stuttgart. "Grundsätzlich haben wir aktuell vor Ort ganz andere Probleme", so die Schulleitung gegenüber unserer Zeitung. Sogenannte Vorbereitungsklassen seien übergroß, es fehlten Lehrer, Schüler hätten Probleme. "Da fällt es schwer, sich auf ein solches Thema einzulassen."

Vor einigen Jahren sei von Selbst- und Fremdevaluation gesprochen worden, "jetzt kommt die datengestützte Qualitätsentwicklung". Datenerhebung und Datenanalyse könnten helfen, neue Blickwinkel aufzuzeigen und Schulen weiterzuentwickeln. "Dazu braucht es aber Kontinuität und langfristige Planbarkeit und Ressourcen." Im Bildungsbereich sei dies seit langem nicht mehr gegeben.

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