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Meteorit in der Experimenta: Was es mit dem Campo del Cielo auf sich hat

Der Leiter der Experimenta-Sternwarte, Stephan Fichtner, erzählt die Geschichte des dort ausgestellten Eisenmeteoriten Campo del Cielo und erklärt, wie gut Himmelskörper auf Kollisionskurs mit der Erde entdeckt werden können.

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Meteorit in der Experimenta: Was es mit dem Campo del Cielo auf sich hat
Stephan Fichtner mit dem Meteoriten Campo del Cielo, der aus Eisen (92,6 Prozent) und Nickel (rund 6,7 Prozent) besteht. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Es muss eine heftige Erschütterung gegeben haben, als die Fragmente des Meteoriten Campo del Cielo (spanisch: Feld des Himmels) auf die Erde schlugen. Bisher hat man mehr als 100 Tonnen des Himmelskörpers in den Einschlagkratern in Argentinien gefunden, das schwerste bisher geborgene Stück wiegt 37 Tonnen. Ein rund 45 Kilo schwerer Teil des Meteoriten ist nun auch in Heilbronn ausgestellt - in der Experimenta.

Vor 4000-6000 Jahren auf die Erde gefallen

Wann genau der Himmelskörper eingeschlagen ist, lässt sich nicht zu 100 Prozent sagen. Immerhin besteht das Gebilde hauptsächlich aus Eisen, dessen Alter sich nicht einfach so bestimmen lässt. "Aber im Einschlagsgebiet des Meteoriten hat man verkohlte Baumreste gefunden, die man datieren kann. Der Campo del Cielo ist also wahrscheinlich vor 4000 bis 6000 Jahren auf die Erde gefallen", erklärt Stephan Fichtner, der Leiter der Experimenta-Sternwarte. Wegen seiner großen Masse, sagt er, würde er als "Eisenmeteorit der Superlative" bezeichnet, kleinere Teile davon gebe es auch als Schmuckstücke.

Überlieferungen der Einheimischen führen zu Funden

Die Geschichte des Meteoriten auf der Erde findet Fichtner ebenfalls sehr interessant: "1576 wurde er von den Spaniern gefunden. Sie hatten von Überlieferungen der einheimischen Indianer gehört, wonach Eisen vom Himmel gefallen sei. Also haben sie eine Expedition zu der Stelle gemacht, in der Hoffnung, dort Edelmetalle zu finden."

Als die spanischen Eroberer sahen, dass der Meteorit lediglich aus Eisen bestehe, "haben sie ihn einfach liegenlassen", erzählt Fichtner. Ein großes Stück, das die Spanier auf etwa 18 Tonnen schätzten, "ist bis heute verschollen".

Wie man einen Meteoriten erkennt

Die einzelnen Teile, erklärt Fichtner, würden meist im Flug entstehen. In der Atmosphäre werde der Himmelskörper heiß und fragmentiere dabei. Durch die hohe Geschwindigkeit reiße die Luft zusätzlich Mulden in das Gebilde. Sobald ein Meteoroid auf der Erde liegt, nennt man ihn Meteorit. Wolle man sichergehen, dass es sich bei einem Gebilde um einen echten Meteoriten handele, "kann man einen Anschnitt machen", so Fichtner. Die Strukturen im Inneren würden dann zeigen, dass er heiß wurde und in der Atmosphäre unterwegs gewesen sein muss.

Hundert Tonnen landen täglich aus dem All auf der Erde

Generell sammle die Erde viel außerirdisches Material auf, "etwa hundert Tonnen jeden Tag", sagt der Sternwartenleiter. Obwohl das zunächst bedrohlich klingt, handele es sich dabei meistens um kleine Staubpartikel und keine großen Brocken. Ungefähr alle zehn Jahre, schätzt Fichtner, würden aber auch größere Meteoriten einschlagen, wie zum Beispiel 2013 im russischen Tscheljabinsk.

Könnte man einen richtig großen, für die Menschheit gefährlichen, Asteroiden, der auf die Erde zusteuert, denn rechtzeitig entdecken und ablenken oder zerstören? "Das kommt darauf an. Wenn ein Objekt aus Richtung der Sonne kommt, können wir es quasi gar nicht vorhersagen", erklärt Fichtner. "Und selbst wenn wir eine Vorwarnzeit von ein paar Wochen haben, hilft uns das nicht wirklich."

Optionen, um Asteroiden von ihrer Bahn abzulenken

Mit ein paar mehr Monaten Zeit gebe es aber verschiedene Optionen, die von Wissenschaftlern getestet würden, um Asteroiden abzulenken oder zu sprengen. Eine Herausforderung sei dabei aber, dass die Gebilde, wenn man ihre Flugbahn auf Jahre berechne, diese Bahn noch ändern könnten. Unter anderem der Film "Don"t look up" habe Studien zu dem Thema inspiriert. In der Komödie ist ein Komet auf Kollisionskurs mit der Erde, der alles Leben zerstören würde. Im Film soll er unter anderem mit Atombomben abgelenkt werden.

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