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Mediation: So kann Streit gelöst werden

Trennung ohne Zorn und der Versuch, berufliche Zusammenarbeit verbessern. Zwei Fallbeispiele aus der Region zeigen: Mediation kann Konflikte lösen.

Petra Müller-Kromer
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Lesezeit 4 Min
Mediation kann im Streit eine Brücke bauen, damit der Ton nicht zu scharf wird

Der Zusammenhalt in der Großfamilie, sich um die betagte Großmutter kümmern, um die Kinder und ihren Mann, das war Sonja Monz (alle Namen von Betroffenen von der Redaktion geändert) immer sehr wichtig. Eine Trennung von ihm schien ihr so fern wie der Mond. "Ich wollte nie eine geschiedene Frau sein. Aber ich habe gelernt, dass das kein Stigma ist. Dass es passieren kann, dass man auseinandergeht." Es war ein langer Weg bis zu dieser Erkenntnis. Maßgeblich geholfen hat ihr dabei die Mediation von Dagmar Lägler.

Dirk Monz, ein Bär von einem Mann, nickt ihr zu. "Liebe heißt, den anderen gehen zu lassen, wenn er nicht mehr kann." Er sagt es ganz nüchtern. Es klingt wie eine Liebeserklärung.

Nach der Diagnose Burnout folgen harte Jahre

Harte Jahre hat die Familie mit den zwei inzwischen erwachsenen Kindern hinter sich. 2005 bekommt Dirk Monz die Diagnose Burnout, eine Reha folgt, einige Jahre später kommt er mit einer schizoaffektiven Psychose in die psychiatrische Klinik, zeitweise auch in die geschlossene Abteilung. Zuvor hat er seiner Schwiegermutter gesagt, er höre Stimmen, die ihn aufforderten, sich etwas anzutun.

Mit der Diagnose geht das Paar zwar offen um. Trotzdem ist es schwierig. Der Mann, von seiner Krankheit absorbiert, geschlaucht von den Medikamenten, immer daheim und schnell gereizt, wenn die Kinder und deren Freunde spielen, seine Frau, ständig bemüht, den Bedürfnissen aller Beteiligten gerecht zu werden. "Ich habe mich dauernd gefragt, was ich jetzt wieder falsch gemacht habe", sagt Sonja Monz. Wegen der Psychopharmaka entwickelt ihr Mann Heißhunger, isst alles, was ihm in die Finger kommt. "Er hat in der Zeit extrem zugenommen."

Die Ehefrau entwickelt Herz-Rhythmusstörungen

Gleichzeitig fehlen ihr seine Umarmungen. Die Nähe. Eine Paartherapie verläuft ergebnislos. Schließlich zieht Dirk Monz in die untere Wohnung des Hauses, doch das ist eine Zwischenlösung, die alle traurig macht. Seine Frau entwickelt Herz-Rhythmusstörungen, schläft schlecht, auch der Tochter machen gesundheitliche Probleme zu schaffen.

2015 beginnen die Eltern mit einer Mediation. Es ist ihnen wichtig, eine Lösung zu finden, auch für eine Schenkung, die Dirk Monz von seiner Mutter erhalten hat und die explizit nicht für die Schwiegertochter gedacht ist. "Unsere Mediatorin Dagmar Lägler hat vorgeschlagen, dass wir das gerecht aufteilen. Uns war beiden bewusst, dass wir nicht streiten wollten. Wir wollten nichts kaputtmachen." Sie schaut ihn an: "Viel Besitz haben wir eh nie gehabt."

In der letzten Sitzung sind die Kinder dabei, formulieren, was sie sich wünschen. "Unser Sohn hat gesagt, er möchte, dass wir als Familie zusammen sein können. Dass keiner den anderen über den Tisch zieht", sagt der Vater.

Der Vater sucht sich eine neue Wohnung

Dirk Monz sucht sich eine Wohnung, er hat einen guten Psychiater, und dank seiner Medikamente kann er heute wieder 100 Prozent arbeiten. Sonja Monz findet eine neue Liebe, was vor allem der Tochter zu schaffen macht. Etwas besser wird es, als der Vater sie zur Seite nimmt. "Mama ist doch auch jemand", sagt er zu ihr. "Mach es ihr nicht so schwer. Sie steht ja nicht auf und ist weg, alles bleibt beim Alten. Weißt du, das kann mir auch passieren, dass ich wieder jemanden finde."

Geburtstage feiern sie immer noch gemeinsam, der neue Partner ist genauso dabei wie ihr ehemaliger Ehemann. Dirk Monz findet heute, dass die Trennung der richtige Schritt war. Und besonders auch die Mediation. "Wenn Rechtsanwälte im Spiel sind, wird der Ton schnell viel schärfer als es nötig ist. Für uns war das so die ideale Lösung."

Er erzählt von Freunden, die sich bei ihm bedankt hätten. ",Ihr seid das einzige Paar, das wir kennen, das das so gut hingekriegt hat", sagen sie."

Nicht immer klappt Mediation so gut

Nicht immer funktioniert Mediation so reibungslos. Auch in Betrieben und in Verwaltungen menschelt es, und wenn die Fronten zu sehr verhärten, ist es schwer, in der Sache weiterzukommen.

So wie in einer Kommune in der Region. Auch der dortige Bürgermeister möchte aus Sorge um seine Amt, und weil er Nachteile für die Familie befürchtet, anonym bleiben. "Ich bin ein Freund von Mediation", sagt der Rathauschef, er soll hier Jakob Brönner heißen. "Ich glaube, dass sie Prozesse begleiten kann, wenn von allen Seiten der Wille besteht, sich darauf einzulassen."

Die Kommune leidet unter der Blockade im Gemeinderat

Weil sein fortwährender Kampf mit Teilen des Gemeinderats "irre viel Kraft" kostet, hatte auch er auf Hilfe von außen gesetzt. Sein Hauptproblem: "Die Kommune leidet unter der Blockade, weil Beschlüsse nicht umgesetzt werden können. Auf solche Spiele hat niemand Lust. Das ist einfach nur nervtötend. Wir verwenden in der Verwaltung viel zu viel Zeit darauf zu überlegen, wie wir Mehrheiten bekommen können."

Er selbst schlafe zwar noch gut, aber seine Frau belaste die Situation zusehends. Die erhoffte Verbesserung durch eine Mediation zwischen Verwaltung und Gemeinderat blieb indes aus. "Es hat leider nichts gebracht, es wurde danach eher noch schwieriger." Seine Erkenntnis: "Mediation hilft nur, wenn alle wirklich wollen."

Inzwischen haben sich die Gräben vertieft

Nun versucht er, seine Vorhaben im Gremium durchzusetzen, was ihm teils auch gelingt, "aber es hat die Gräben weiter vertieft". Seine Überzeugung: "Ab einem bestimmten Punkt muss Klarheit rein. Dann muss der Machtkampf gewonnen und beendet werden."

Jakob Brönner glaubt immer noch an Mediation. "Meine Frau und ich, wir hatten ziemliche Probleme im vergangenen Jahr. Wir haben uns schließlich helfen lassen, wie wir mit Konflikten anders umgehen können. Wie wir es schaffen, uns im Streit nicht gegenseitig anzuschreien." Beide seien bereit dafür gewesen, ergebnisoffen ins Gespräch zu gehen und ihr Verhalten zu ändern. Sein Fazit heute: "Es hat uns viel gebracht."

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