Heilbronn
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Lebensretter freuen sich über Auszeichnung

Mit jeder Minute, die nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand ohne Hilfe verstreicht, sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent. Deshalb setzt sich die "Region der Lebensretter in Heilbronn" für noch schnellere Erste Hilfe ein.

Jennifer Schnell
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Lebensretter freuen sich über Auszeichnung
Im Ernstfall kann über Leben oder Tod entscheiden, wie schnell ein Ersthelfer beim Notfallpatienten ankommt. Foto: pixelaway/stock.adobe.com

Mit jeder Minute, die nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand ohne Hilfe verstreicht, sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent. Bereits nach drei bis fünf Minuten treten im Gehirn irreversible Schäden auf. Gleichzeitig vergehen im Schnitt knapp zehn Minuten, bis der Rettungsdienst in der Stadt eintrifft. Auf dem Land dauert das häufig deutlich länger.

Um das zu verändern, hat sich die "Region der Lebensretter Heilbronn" mit knapp 280 ehrenamtlichen Ersthelfern gegründet. Für ihre Arbeit wurden sie mit dem Heilbronner Bürgerpreis der Kreissparkasse ausgezeichnet. Geht in der Leitstelle ein Notruf ein, und es fallen die Stichworte "Herzinfarkt" oder "Kreislauf-Stillstand", alarmiert die App FirstAED automatisch die Helfer, die sich in der Nähe aufhalten. Sind sie einsatzbereit, können sie den Auftrag annehmen und werden zum Notfallpatienten oder zum nächstgelegenen Defibrillator gelotst. Die Erfahrung: In zwei von drei Fällen sind die Freiwilligen vor dem Rettungsdienst vor Ort.

5000 Euro Preisgeld als Anerkennung

"Das kann ein lebensrettender Faktor sein. Und entscheidet oft über ein Leben mit oder ohne Behinderung", weiß Dr. Tatjana Hilker. Die Notärztin hat die Initiative First-AED mit dem DRK Heilbronn und der Integrierten Leitstelle, die die Notrufe koordiniert, ins Leben gerufen. Die Auszeichnung bedeutet Hilker viel: "Der Preis macht uns wahnsinnig stolz und ist Lob und Anerkennung für alle Ersthelfer." Das Preisgeld von 5000 Euro wird dringend benötigt. Damit werden Einsatzwesten angeschafft, die die professionellen Ersthelfer direkt zu erkennen geben. Das schafft Vertrauen bei den Angehörigen und beruhigt die Situation. Zudem ist für den eintreffenden Rettungsdienst direkt ersichtlich, dass bereits professionelle Erste Hilfe geleistet wird.

Als ehemalige Rettungsassistentin liegt Tatjana Hilker das Projekt besonders am Herzen. "Wenn der Rettungswagen eine längere Anfahrt hatte, fand ich es schlimm zu sehen: Der Mensch hätte bessere Chancen gehabt, wenn früher jemand da gewesen wäre." Als sie von den Lebensrettern erfuhr, zögerte sie daher nicht lange. "Ich dachte, wenn ich dazu beitragen kann, etwas positiv zu verändern – dann versuch ich es." Die Unterstützung des Roten Kreuzes habe sie zusätzlich motiviert. Für die Zukunft wünscht sich Hilker neben mehr zugänglicher Defibrillatoren vor allem mehr Ersthelfer. Voraussetzung ist die Mindestausbildung zum Sanitätshelfer. Vorrangig Pflegekräfte, Ärzte, Mitglieder der Feuerwehr und Mitarbeiter der Polizei kommen dafür infrage. Mit 500 bis 800 Helfern in Heilbronn und Umgebung könnte die Region gut abgedeckt werden. Und somit die Chance auf schnelle Hilfe in der Nähe maßgeblich gesteigert werden.

Mehr Informationen: www.regionderlebensretter.de

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