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Internationale Konferenz zum Weinbau in Heilbronn

Der Deutsche Weinbauverband und sein europäisches Pendant wünschen sich mehr politische Unterstützung. Dies ist eine der Forderungen, die auf der internationalen Weinbaukonferenz in Heilbronn mit Applaus bedacht wurde.

Jörg Kühl
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Internationale Konferenz zum Weinbau in Heilbronn
Mit Hilfe von Kopfhörern konnten die Teilnehmer den Ausführungen der Referenten lauschen. Mit Krönchen im Haar: die Deutsche Weinkönigin Sina Erdrich. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Dolmetscher-Kabinen, Kopfhörer, vier Konferenzsprachen: Bei der gemeinsamen Jahrestagung des Deutschen Weinbauverbands (DWV) und der Versammlung der Weinbauregionen Europas (Arev) hat sich die internationale Weinwelt in Heilbronn ein Stelldichein gegeben. Im Konferenzzentrum Redblue in den Böllinger Höfen tauschten sich am Mittwoch Weinbau-Vertreter über aktuelle Chancen und Herausforderungen am Weinmarkt aus. Fünf Innovationspreise wurden an Entwickler weinbaubezogener Produkte vergeben. Der Präsident des DWV, Klaus Schneider, wurde im Rahmen der ebenfalls durchgeführten Mitgliederversamlung mit großer Mehrheit wiedergewählt.

Wie der Weinbaupräsident Nachhaltigkeit definiert

Der DWV-Präsident stellte den Begriff der Nachhaltigkeit ins Zentrum seiner Ausführungen zur Perspektive des Weinbaus in Deutschland. In der Branche müsse Nachhaltigkeit auf drei Säulen gelebt werden: ökologisch, ökonomisch und sozial. Nur so könne es gelingen, den Weinbau auch für künftige Generationen attraktiv zu halten. Die Qualität des Produkts sei dabei der Schlüssel: "Nur wenn ich meinen Wein gut vermarkten kann, habe ich die Möglichkeit, nachhaltig zu arbeiten", sagte der Präsident, der in der Pfalz selbst einen Betrieb führt.

Der Appell der Deutschen Weinkönigin

Klaus Schneider bedauerte, dass der Weinbau in der Politik nach Ansicht des Verbands zu wenig Beachtung findet. "Schade, dass weder der Bundesminister noch seine drei Staatssekretärinnen heute bei uns anwesend sind." Der Verband suche den Diskurs und lade dazu ein, versicherte der Präsident.

Die deutsche Weinkönigin Sina Erdrich appellierte, im Weinbau europaweit zusammenzustehen. Nur so könne es gelingen, die Herausforderungen der Branche zu stemmen. "Wir wollen unseren Kindern nicht sagen müssen: Lernt lieber erst einmal etwas anderes."

 

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Welches Zukunftsproblem auf die Winzer zukommt

Wie Klaus Schneider zur aktuellen Lage des Weinbaus ausführte, lasse das exponenzielle Rebenwachstum im Frühjahr auf eine frühe Ernte hoffen. Allerdings habe es insgesamt zu wenig geregnet. Die Wasserversorgung bezeichnete Schneider als eine der größten Zukunftsprobleme der Branche. Bis jetzt herrsche eine entspannte Situation beim Pflanzenschutz.

Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk, der verhindert war, übermittelte eine Videobotschaft. In ihr bekräftigte der CDU-Politiker sein Bekenntnis zur weiteren Förderung der Steilhanglagen. Demnach unterstützt das Land seit dem Jahr 2018 den Anbau in Steilwandlagen mit 3000 Euro pro Hektar und Jahr. Auch unterstütze sein Ministerium die Bewirtschaftung solcher Lagen mit Sprühdrohnen. Der Minister versprach in seiner Rede, sich für den Schutz der geografischen Herkunftsbezeichnungen einzusetzen. Der europäische Geoschutz für Wein war auch Thema einer abschließenden Reihe von kurzen Fachvorträgen mit internationalen Referenten.

 

Hermann Hohl blickt auf 25 Jahre im Verband zurück

Im Rahmen einer ebenfalls durchgeführten Mitgliederversammlung des DWV wurde dessen Präsident Klaus Schneider aus Dirmstein in der Pfalz mit 94 Prozent im Amt bestätigt. Ergänzt wird das Präsidium durch fünf Vize-Präsidenten, darunter Hermann Hohl vom Weinbauverband Württemberg. Ferner wurde ein besonderes Jubiläum gefeiert: Hohl nahm bereits 1997 sein ehrenamtliches Engagement für den Deutschen Weinbauverband auf und beging daher auf dem internationalen Weinbaukonvent im Redblue sein 25-jähriges Dienstjubiläum.

Im Rahmen der gemeinsamen Konferenz von DWV und Arev wurden auch Erfindungen und Weiterentwicklungen gewürdigt, die den Weinbau voranbringen. Eine der Goldmedaillen bekam die Firma Naïo Technologies aus Toulouse für den elektrischen Agraroboter Ted. Dieser ist in der Lage, Beikräuter zu bekämpfen und dabei den Boden nur gering zu verdichten. Die andere Goldmedaille ging an die Firma Lallemand Inc. aus Österreich. Sie hat ein Präparat für die Kellerwirtschaft entwickelt, das den biologischen Säureabbau unterstützt.

Welchen Auftrag der Weinbauverband hat

Der Deutsche Weinbauverband, kurz DWV, ist die Berufsorganisation der deutschen Winzerinnen und Winzer. Der Zusammenschluss vertritt die Gesamtinteressen seiner Mitglieder gegenüber internationalen und nationalen Institutionen und Organisationen und setzt sich dafür ein, die beruflichen Belange der deutschen Winzerschaft zu wahren und zu fördern. Sitz des 1874 gegründeten Verbandes ist Bonn.

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