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Instrumente lernen in der Schule durch Kooperation mit Vereinen und Musikschulen

Schulen in der Region arbeiten nicht nur im Ganztagsbetrieb mit Vereinen und Musikschulen zusammen. Beide Seiten sehen die Expertise als Gewinn.

Petra Müller-Kromer
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Lesezeit 3 Min
Kooperationen zwischen Schule und Verein bieten viele Vorteile
Viel Freude haben die Kinder mit Antje Harloff von der Städtischen Musikschule Heilbronn, die mit ihrer Gitarre morgens in die Klasse kommt. Lehrerin Franciska Ehresmann (links) ist auch dabei. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Eigentlich profitieren alle: Die Musikschulen, weil sie Nachwuchs generieren, die Vereine, die etwa durch Bläserklassen in den Schulen ihren Kapellen eine Frischzellenkur bescheren - und die Schulen, denn "Musik", so Bärbel Hetzinger, Leiterin der Wartbergschule in Heilbronn, "ist ein Mangelfach". Deshalb ist sie begeistert davon, nach 20 Jahren endlich eine Referendarin in ihren Reihen zu haben, die Musik studiert hat.

Zusammenarbeit mit der Musikschule ist der Wartbergschule eine Herzensangelegenheit

Trotz dieses seltenen Glücksfalls ist ihr die Zusammenarbeit mit Externen eine Herzensangelegenheit. Sie hat keine Scheu davor, sich Fachkompetenz von außen in ihre Klassenzimmer zu holen. Und so ist die Wartbergschule in der Nordstadt einer der Vorreiter im Oberzentrum, wenn es um vielfältige Kooperationen geht.

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Schulleiterin findet Impulse von außen sehr wichtig

Jugendkunstschule, Handballakademie Heilbronn-Franken, die Stadtbücherei, nicht nur mit dem Bücherbus Robi, sondern auch mit einem Leseclub, der Judoverein Kano, die Experimenta: "wunderbar für den Sachunterricht in der dritten und vierten Klasse" - sie alle und noch einige mehr sind im Boot der Wartbergschule. "Bildung ist nicht nur Lernen, sondern betrifft viele andere Bereiche, die die Seele satt machen", sagt die Schulleiterin. "Diese Impulse halte ich für sehr relevant."

Das gilt auch für den kreativen Bereich. "Kunst ist so wichtig für Kinder, dass sie sich mit Farbe und Ton ausleben." Lehrer hätten da teils zu stark den "Blick durch die Leistungsbrille". "Ein Projekt mit einem Künstler anzubieten, das hat eine andere Qualität."

Wenn alle profitieren, warum nehmen nur 14 von insgesamt 35 Heilbronner Schulen die Chance auf eine Zusammenarbeit mit Externen wahr? Zwar finden die Kooperationen verstärkt an den Grundschulen statt, aber auch hier sind die Unterschiede deutlich. Einige, wie die Wartbergschule, haben einen ganzen Strauß von Partnern, andere Grundschulen haben gar keine.

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Die Stadt Heilbronn steckt viel Geld in ihre Bildungshäuser. Private Träger ergänzen die öffentlichen Einrichtungen, und da tut sich auch vieles.

Musikschule Heilbronn freut sich über Kooperationen

Am Interesse der Externen, etwa der Musikschule Heilbronn, liegt es offenbar nicht: "Wir freuen uns über alle Schulen, die sich wegen einer Kooperation melden", sagt Uta Mirjam Theilen, Leiterin der Städtischen Musikschule in Heilbronn.

Pandemie hat die Zusammenarbeit verringert

Während der Pandemiemonate ist die Zusammenarbeit ziemlich ausgeblutet. "Wir hatten vor Corona im Prinzip doppelt so viele Kooperationen wie jetzt." Und das, wo den Musikschulen der Nachmittagsunterricht und die vollen Stundenpläne der Jugendlichen sowieso schon zu schaffen machen. Sie bricht eine Lanze dafür, Geige oder Flöte zu lernen, warum nicht in der Schule? "Musizieren ist sinnvolle Freizeitgestaltung, Sozialprävention und universelle Sprache in einem," findet sie.

Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung mancher Bildungseinrichtungen könnte sein, dass an weiterführenden Schulen in Heilbronn eher Jugendbegleiter im Einsatz sind, sagt Dr. Anne Lepper, stellvertretende Leiterin des Schul-, Kultur- und Sportamts der Stadt Heilbronn. 28 Schulen nehmen hier teil und können so Schach AGs oder spezielle Sportangebote machen. Im vergangenen Jahr wurde das Konzept Ganztagsschule weiterentwickelt. "Wir wollen, dass Einrichtungen in die Schulen kommen, dass die Ganztagsschule Bildungsteilhabe für alle Kinder ermöglicht, etwa die Tennisstunde, die sonst zu teuer wäre."

Auch außerhalb des Ganztagsunterricht gibt es Ganztagsschulen

Die Heilbronner Stimme hat eine Umfrage unter den 46 Kommunen im Landkreis Heilbronn gemacht, die Rückmeldung von 16 Städten und Gemeinden ist nicht repräsentativ, trotzdem sind alle Varianten dabei. Deutlich wird: Der Einsatz externer Expertise geht nicht zwangsläufig mit Ganztagsbetrieb einher. Mit Lehrensteinsfeld, Oedheim, Kirchhardt, Massenbachhausen und Erlenbach gibt es Gemeinden, die keine Ganztagsschulen haben, aber trotzdem Kooperationen pflegen, etwa mit dem Musikverein. Und in Eppingen etwa arbeitet zwar keine der Grundschulen im Ganztag mit Vereinen oder Musikschulen zusammen. Außerhalb des Ganztags gibt es aber durchaus Vernetzungen mit Musikschule oder Volleyballverein.

Andere, wie die Gemeinschaftsgrundschule Nordheim, haben Kooperationen beendet. Waren vor Jahren noch der TSV Nordheim und der Tennisclub mit im Boot, wurde es mit der Zeit zu schwierig, für den Nachmittagsunterricht Leute zu finden, die nicht selbst arbeiten müssen. Ähnlich ist die Situation in Neudenau. Zwar engagiert sich die Volleyballabteilung des Sportvereins in der Ganztagsschule, und es gibt ein Win-Tsun-Angebot, so Bürgermeister Manfred Hebeiß. "Grundsätzlich gestaltet es sich aber schwer, Vereine in den Ganztagsschulbetrieb zu integrieren, da die Ehrenamtlichen während der Schulzeit meist selbst berufstätig sind."

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