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Kraichgau: Die heimische Zuckerrübe zurück auf die Überholspur bringen

Am Stand der Eppinger Landwirte auf der Gartenschau dreht sich am Wochenende alles um die Zuckerrübe, die "Königin der Feldfrüchte". Jedoch gibt es derzeit einige Herausforderungen.

Lisa Könnecke
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Lesezeit 2 Min
Heimische Zuckerrüben zurück auf die Überholspur bringen
Groß und Klein nehmen auf dem kleinen Schaugarten am Stand der Eppinger Landwirte die süße Rübe ganz genau unter die Lupe . Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

"Die Königin der Feldfrüchte", so wird die Zuckerrübe auch genannt. Aber warum eigentlich? "Weil die Rübe den Landwirten viel Geld einbrachte. Aber auch weil sie anspruchsvoll ist und einen gewissen Arbeitseinsatz braucht", erklärt Larissa Kamp, Geschäftsführerin des Verbandes baden-württembergischer Zuckerrübenanbauer. Getreide beispielsweise sei im Anbau viel pflegeleichter. Zusammen mit der Südzucker AG stellt der Verband am Wochenende auf der Eppinger Gartenschau den Rübenanbau im Kraichgau vor. Die Region gilt nach wie vor als einer der Kernanbauregionen, erklärt Kamp. Auf rund 16.000 Hektar in Baden-Württemberg wird die Königin der Feldfrüchte angebaut.

Mit Vorurteilen aufräumen

Der 31-Jährigen geht es in diesen Tagen vor allem um Aufklärung: Viele würden Haushaltszucker im Supermarkt kaufen und gar nicht wissen, dass er von regionalen Zuckerrüben kommt, ist eine Beobachtung, die Larissa Kamp immer wieder macht. Aber auch mit Falschinformationen will die 31-Jährige aufräumen: Zum Beispiel mit der weit verbreiteten Annahme, dass brauner Rohrzucker gesünder sei. "Es ist das gleiche Produkt, das nur einen Produktionsschritt weniger durchläuft. Daher die andere Farbe."

Auch den regionalen Aspekt findet Kamp wichtig. Rübenzucker, der in Deutschland produziert und verbraucht wird, kommt vom Feld zum Kunden auf eine Transportentfernung von rund 225 Kilometer. Rohrzucker aus dem Ausland dagegen, wie zum Beispiel Brasilien, auf 10 000 Kilometer. Über Verbrenner-Verbote zu diskutieren, aber dann Rohrzucker aus dem Ausland zu importieren, wo doch die Rübe direkt vor der Haustüre liegt, macht für die 31-Jährige keinen Sinn. Um den Fokus wieder mehr auf den regionalen Aspekt zu legen, gibt es seit kurzer Zeit eine neue Verpackung: So wurde aus dem Aufdruck "Fein Zucker" "Feiner Rüben Zucker".

Heimische Zuckerrüben zurück auf die Überholspur bringen
Passend zum Thema gibt es Zuckerwatte, auch für Larissa Kamp, Geschäftsführerin des Verbandes baden-württembergischer Zuckerrübenanbauer. Foto: Lisa Könnecke  Foto: Lisa Könnecke

Rosige Zeiten waren einmal

Die Zeiten seien derzeit nicht mehr so rosig, wie sie einmal waren, räumt Larissa Kamp ein. "Wir hatten ein schwieriges Frühjahr mit relativ viel Starkregen." Aber auch Glyphosat- und Pflugverbote stellen den Anbau vor immer mehr Herausforderungen, erklärt die Geschäftsführerin. Zudem sorgen weiterhin Schilf-Glasflügelzikaden für Probleme - Insekten, die an Rübenblättern saugen und so die bakterielle Rübenkrankheit SBR (Syndrome Basse Richesse) übertragen. Durch das initiierte Bakterium können die Rüben keinen Zucker mehr einlagern. Die Folge: finanzielle Einbußen für die Landwirte.

Auf immer mehr zuckerfreie Lebensmittel in Discountern und Supermärkten angesprochen, gibt sich Larissa Kamp gelassen. Ein spürbarer Rückgang beim Kauf von Haushaltszucker sei nicht zu verzeichnen. Vor allem, weil über 80 Prozent in den Industriebedarf gehen, an Großkunden, die mit dem süßen Kristall beispielsweise Limonaden oder Schokolade herstellen, erklärt Kamp.

Den wohl süßesten Job der Welt

Jemand, der beruflich ebenfalls mit den süßen Rüben zu tun hat, ist Wilfried Merz. Seit 24 Jahren arbeitet der 77-Jährige als Gutachter im Offenauer Südzuckerwerk. Pro Schicht nimmt er die Ladungen von etwa 250 Lkw unter die Lupe und schaut sich den Zustand der Rüben an.

Der ehemalige Landwirt hat selbst schon Zuckerrüben angebaut, kennt sich also bestens aus mit dem "Brot des Kraichgaus", wie er sagt. Er findet wichtig, über die süßen Rüben aufzuklären. "Manche Kinder denken, das sind Steine", hat er schon feststellen müssen. Man sollte wissen, woher der Zucker kommt, wenn man ihn im Regal stehen sieht, findet Merz, der sich auch Jahre später davon fasziniert zeigt, dass der Zucker aus der Rübe "nicht gemacht, sondern gewonnen" wird.

 
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