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Schützen: Änderungen helfen nicht

Heilbronn - Im Stimme-Dialog nach den aktuellen Tötungsfällen mit privaten Waffen sahen Vertreter von Schützenverbänden und des Landratsamts keine Möglichkeit, grundlegend etwas an dem Problem zu verändern.

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Stimme-Redakteure diskutierten am Freitagabend mit Vertretern von Schützenverbänden und von der Waffenbehörde im Landratsamt.
Redakteure der Heilbronner Stimme diskutierten am Freitagabend mit Vertretern von Schützenverbänden und von der Waffenbehörde im Landratsamt.

 

Heilbronn - Rund eine Woche sind die tödlichen Schüsse von Lehrensteinsfeld her, gut zwei Wochen die Tat eines Karlsruhers, der bei einer Zwangsräumung vier Menschen erschoss. Beide Täter waren Sportschützen.

Im Stimme-Dialog um die tödliche Gefahr von privaten Schusswaffen sahen Vertreter von Schützenverbänden und von der Waffenbehörde im Landratsamt keine Möglichkeit, grundlegend etwas an dem Problem zu verändern.

Menschen vor einer Waffenzulassung genau ansehen

Bei diesen Fällen "stehen menschliche Tragödien dahinter", doch nicht die Sportschützen, die Gesellschaft müsse Gewaltbereitschaft reduzieren und ein Miteinander verbessern, stellte Landesoberschützenmeisterin Hannelore Lange fest. Die Fälle "sind furchtbar, grausam, aber wir können sie nicht verhindern".

Wenn eine Sportwaffe so eingesetzt werde, "ist es Missbrauch". Man sensibilisiere die Vorstände, Menschen vor einer Waffenzulassung genau anzusehen. Man prüfe einen Neuling ein Jahr lang, dränge auf eine sichere Aufbewahrung. "Wir können aber nicht prophylaktisch sagen, passt da mal besser auf."

Gegen einen Generalverdacht

"Man kann nichts machen", sagt auch Rainer Mahler, Vorstand im Schützenverein Sülzbach, in dem der Lehrensteinsfelder Täter Mitglied war. Man habe dem Mann nichts angemerkt, er habe mögliche Probleme nicht in den Verein getragen. In anderen Fällen hat Mahler schon seine Zustimmung zu einer Waffenerlaubnis verweigert, zum Beispiel bei einem "Eigenbrötler", der sich ins Vereinsleben "nicht integriert hat".

Gegen einen Generalverdacht gegen Millionen von Sportschützen, die ihre Waffe "als Sportgerät" sehen, wehrt sich Hannelore Lange. Sportschützen hätten durch die intensive Schulung sogar "eine größere Hemmschwelle" als Nicht-Sportschützen, auf Menschen zu schießen, ist Kreisoberschützenmeister Klaus Koch überzeugt.

Auch Waffenbesitzer haben Rechte

Überfordert sieht Hannelore Lange Vereinsvorstände, wenn sie hinter die Fassade eines Menschen blicken müssten. Psychologische Fortbildungen gebe es nicht. Einen Menschen in einer Krise erkennen, der mit einem Lächeln auftritt? Erahnen, ob ein Unglück bevorsteht? "Das kann niemand beurteilen."

Dennoch: Immer wieder sind Fälle in den Schlagzeilen, in denen mit Waffen von Schützen Menschen ermordet wurden. Etwa jeden Monat stoße er bei kritischen Informationen über einen Waffenbesitzer ein Widerrufsverfahren für eine Waffenerlaubnis an, sagt Thomas Maier, Leiter der Waffenbehörde im Landratsamt. Er leite im Zweifel lieber eher ein Verfahren ein, als sich hinterher Vorwürfe machen zu müssen.

Es sei immer eine "Gratwanderung", man dürfe die Leute auch nicht gängeln. Rechtlich müsse man sich auch bei Kontrollen an das Gesetz halten. "Wir sind keine Spitzel und Detektive." Informationen über Straftaten oder Vergehen eines Waffenbesitzers darf die Behörde nicht an die Vereine weitergeben − Datenschutz.

Gesetzgebung ist Sache der Politik

Ein "Kesseltreiben" sehen die Schützenverbände nach den aktuellen Fällen. Wieder einmal. Was tun? Waffen im Schützenhaus lagern? Für Hannelore Lange eine zu leichte Beute für Diebe. Man könne Schützenhäuser nicht zum Sicherheitstrakt umbauen.

Doch dann? Auf tödlich wirkendes Großkaliber verzichten? Dies sei eine genehmigte Disziplin der Sportordnung. Munition und Waffen getrennt lagern? Beim Training komme man wieder an beides. Lange: "Wir haben schon so vieles diskutiert." Dass man mit Waffen im Haus eher zu einer Straftat neige, sieht der pensionierte Polizist und Waffenkontrolleur Herbert Wallrath "eher nicht".

Mit Vorschlägen hält sich Waffenbehördenleiter Thomas Maier zurück. Er sei ausführender Beamter, die Gesetzgebung sei dagegen Sache der Politik. "Solange die Rechtslage so ist", sagt er, "können wir nicht mehr machen."

 

 

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