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Gründerinnen brauchen Mut und Selbstbewusstsein

Beim Founderette-Talk in der Hochschule Heilbronn berichteten drei Unternehmerinnen von ihren Erfahrungen. Ein wichtiger Tipp für interessierte Stundentinnen lautet, sich nicht von den Männern unterkriegen zu lassen.

Jürgen Paul
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Gründerinnen brauchen Mut und Selbstbewusstsein
Die Unternehmerinnen Brigitte Kohnz (von links), Jessica Padmanabhan, Ana Monte und Moderatorin Susan Barth beim Gespräch auf dem Bildungscampus. Foto: Paul

Nur 15 Prozent aller Unternehmensgründungen in Deutschland kommen von Frauen. Beim Founderette-Talk des Gründerzentrums Startklar der Hochschule Heilbronn am Mittwochabend auf dem Bildungscampus begaben sich erfolgreiche Gründerinnen auf Ursachensuche. Die drei Unternehmerinnen ermunterten die Studierenden, Mut zur Selbstständigkeit zu zeigen.

Das Risiko wurde belohnt

Brigitte Kohnz hat in ihrem Berufsleben schon viel erlebt. Als sie im Jahr 2000 in das Sternenfelser Dienstleistungsunternehmen Telepower einstieg, stellte sie der damalige Investor irgendwann vor die Wahl: Entweder du steigst ein oder wir liquidieren die Firma. Bedenkzeit: ein Monat.

Wo andere zurückgeschreckt wären, ging Brigitte Kohnz ins Risiko: Gemeinsam mit einem Geschäftspartner übernahm sie das Unternehmen, das heute in Eppingen sitzt und drei Standorte in Pforzheim, Landau und Pirmasens betreibt. Die Mitarbeiterzahl ist von damals zehn auf 300 angewachsen.

Den Spieß einfach umgedreht

Diesen Erfolg musste sich Kohnz hart erarbeiten in einer noch immer männlich dominierten Arbeitswelt. "Mein Partner bot mir am Anfang 49 Prozent an, er wollte 51 Prozent haben", berichtete sie. Doch das kam für die schockierte Unternehmerin nicht in Frage, sie bestand auf 50 Prozent. Heute führt sie Telepower gemeinsam mit zwei Partnern und hat sich ihre Position erkämpft. "Ich habe den Spieß einfach umgedreht und gesagt: Ohne mich würde gar nichts gehen." Das hat funktioniert.

"Gründen Frauen anders als Männer?" wollte Moderatorin Susan Barth vom Gründerzentrum Startklar wissen. Nein, war die Antwort der Unternehmerinnen. "Es gibt eher kulturelle Unterschiede", sagte Ana Monte. Die gebürtige Brasilianerin hat mit einem Partner das Soundtechnik-Unternehmen Delta Soundworks in Sandhausen gegründet. Die Deutschen, egal ob Mann oder Frau, seien perfektionistisch, sehr gründlich und zurückhaltend, während sie als Brasilianerin eher aggressiv und laut sei.

Auch Jessica Padmanabhan findet, es komme mehr auf die Persönlichkeit des Gründers an als auf das Geschlecht. Vielen Deutschen mangele es an der Risikobereitschaft, die es für eine Existenzgründung brauche. "In Deutschland darf nichts schiefgehen", sagte die Geschäftsführerin des nachhaltigen Damenmode-Labels Soome aus Mannheim.

Ein Business-Plan sollte ausgearbeitet werden

Die erfolgreichen Unternehmerinnen rieten den Studierenden, sich mutig und selbstbewusst in das Abenteuer Selbstständigkeit zu stürzen. Idealerweise hinterlegt mit einem sauberen Business-Plan, bei dem das Gründerzentrum Startklar gerne hilft. Rückschläge und Fehler gehören dazu.

"Daraus kann man sehr viel lernen", betonte Jessica Padmanabhan. Brigitte Kohnz ermutigte potenzielle Gründerinnen, sich nicht von Männern unterkriegen zu lassen. Und den deutschen Perfektionismus sollte man vergessen. "Es muss nicht perfekt sein", sagte Ana Monte. "Macht einfach!"

 

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