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Geschäftsführer Thomas Jendges verlässt die SLK-Kliniken

Abschied nach zehn Jahren: Der Familie wegen orientiert sich Jendges gen Osten. Aufsichtsratschef Harry Mergel würdigt seinen Einsatz für den Krankenhaus-Verbund und dessen Umbau.

Von Christian Gleichauf
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Geschäftsführer Thomas Jendges verlässt die SLK-Kliniken
Thomas Jendges, Geschäftsführer der SLK-Kliniken, lässt im Gespräch mit unserer Zeitung seine zehnjährige Tätigkeit in Heilbronn Revue passieren und erläutert die Beweggründe seiner Entscheidung. Foto: Andreas Veigel

Nach mehr als zehn Jahren an der Verwaltungsspitze verlässt Geschäftsführer Dr. Thomas Jendges den Verbund der SLK-Kliniken. Die vorzeitige Vertragsauflösung erfolgt auf Wunsch von Jendges zum Anfang des nächsten Jahres. "In seiner Zeit wurden mehr als 500 Millionen Euro in eine komplett neue Infrastruktur investiert", erklärte der SLK-Aufsichtsratschef, Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel, der das Ausscheiden ausdrücklich bedauert.

Beim Nachfolger sind noch letzte Punkte zu klären

"Wir haben eine gute Lösung für die Nachfolge, doch noch müssen Eckpunkte geklärt werden", wie Mergel betont. Deshalb wird ein Name noch nicht verraten. Dem scheidenden Geschäftsführer stellt Mergel ein sehr gutes Zeugnis aus. "Unter Führung von Dr. Jendges haben die SLK-Kliniken eine beeindruckende Entwicklung genommen." Dabei hob er vor allem die wirtschaftliche Stabilität des Hauses hervor, das unter Jendges nur im Jahr 2017 rote Zahlen schrieb. "Wir sind zukunftssicher aufgestellt", so Mergel.

"Ich habe sehr mit dieser Entscheidung gerungen", sagte Jendges im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Der Auslöser sei ein rein familiäres Thema. Jendges Sohn aus erster Ehe wohnt in Berlin. Kurzfristige Besuche seien da kaum möglich, das soll sich ändern. Jendges jetzige Ehefrau Claudia Pfefferle hat bereits eine Stelle als Arbeitsdirektorin in Leipzig angenommen. Nun möchte er sich ebenfalls eine Aufgabe irgendwo zwischen Leipzig und Berlin suchen. "Einen neuen Arbeitgeber gibt es noch nicht", erklärt der 53-Jährige. Doch wenn er im ersten Viertel- oder halben Jahr noch nichts finde, dann "tut das nach der Zeit in Heilbronn auch mal gut".

Der Skandalarzt sorgte für schlaflose Nächte

Denn auch persönlich hat Jendges viel investiert. Eine besondere Belastung war der „niederländische Skandalarzt“, wie Jendges es formuliert. Dieser von der „Bild“-Zeitung als „Frankenstein“ bezeichnete Arzt hatte in den Niederlanden seine Approbation zurückgegeben, in Nordrhein-Westfalen eine neue erhalten, mit der er anschließend bei der SLK als Neurologe arbeitete und Anfang 2013 aufflog. Jendges war schnell auch persönlich in der Schusslinie, weil die Unterlagen des Mannes – so die Vermutung damals – nicht ausreichend geprüft worden seien.

Letztlich wurden die Vorwürfe entkräftet. Auch die Vermutung, dass den Patienten des Hochstaplers Schaden zugefügt wurde, stellte sich als haltlos heraus. "In der Zeit habe ich pro Nacht maximal zwei Stunden geschlafen", erinnert sich Jendges. "Normalerweise übersteht ein Geschäftsführer so etwas nicht." Der Aufsichtsrat stand zu ihm. Wenige Wochen später wurde einstimmig seine Vertragsverlängerung beschlossen.

Mehr zum Thema: SLK-Geschäftsführer Dr. Thomas Jendges hinterlässt seinem Nachfolger moderne Strukturen. Stimme-Redakteur Reto Bosch kommentiert (Premium)  

 

Bei Stadt und Landkreis sieht er kaum entgegengesetzte Interessen

Auch solche Erlebnisse spielen eine Rolle, wenn Jendges die kommunalen Träger des SLK-Verbunds lobt. "In die unterschiedlichen Interessen von Stadt und Landkreis Heilbronn, die die SLK im Namen führt, wird zu viel reininterpretiert." Beispielsweise ist Jendges überzeugt, dass die Beibehaltung der zwei Standorte Gesundbrunnen und Plattenwald richtig war. "Mit 1000 Betten sind wir hier in Heilbronn an der Grenze." Außerdem müsse man sich nur vorstellen, dass es an einem Krankenhaus einen Skandal gebe oder eine Infektion ausbreche, "dann ist man froh, ausweichen zu können".

Für richtig hält er nach wie vor, dass die Häuser in Brackenheim und Möckmühl geschlossen wurden. Entscheidungen, die viel Gegenwind aus den betroffenen Landkreis-Kommunen auslösten. "Das war übrigens nicht durch die politischen Rahmenbedingungen erzwungen worden." Vielmehr habe das vor allem mit der Spezialisierung in der Medizin zu tun. Die SLK habe gehandelt, als sie noch gestalten konnte. "Politisch einfacher wäre es gewesen zu warten, bis die Personalnot keinen anderen Ausweg mehr lässt."

Verbesserungen in der Notaufnahme sind möglich

Neben aller Kritik, die es immer wieder gab, wurden zuletzt immer häufiger lobende Worte geäußert. Auch die Wartezeiten in der Notaufnahme habe man „vergleichsweise im Griff“. Es seien aber bundespolitische Reformen geplant, von denen er sich Verbesserungen erhofft. Das sind dann Themen, mit denen sich sein Nachfolger beschäftigen wird.

 

Die Klinik und ihr Geschäftsführer

Dr. Thomas Jendges kam 2009 von den Berliner DRK-KIiniken nach Heilbronn. Als studierter Diplom-Ingenieur hat er in Volkswirtschaftslehre promoviert und war über seinen Doktorvater auch an die erste Klinik gekommen. Bis heute veröffentlicht er regelmäßig Artikel in Fachzeitschriften – „das ist so mein Hobby, da bin ich ziemlich verkopft“, sagt er über sich. Eines seiner Themen: Krankenhäuser im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und „politischer Dividende“ – also worauf kommunale Träger wie die SLK vielleicht verzichten müssen und was sie dafür im Gegenzug bekommen.

An den SLK-Kliniken stieg die Zahl der stationären Patienten in den vergangenen zehn Jahren von 60 000 pro Jahr auf 75 000. Der Umsatz wuchs von 220 Millionen auf 380 Millionen Euro. Gleich zu Beginn im Jahr 2010/11 wurde die Fachabteilung für Neurologie vom Klinikum am Weissenhof gekauft. Das Leistungsspektrum wurde im Lauf der Jahre kontinuierlich erweitert. Organisatorisch führte Jendges unternehmerische Führungsstrukturen ein, was in den ersten Jahren auch zu zahlreichen Personalwechseln führte. 

Von den Politikern in Berlin wünscht er sich, dass sie die Krankenhäuser nicht überschütten „mit nicht zu Ende gedachten Reformen“. So sei beispielsweise seit anderthalb Jahren bei Frühchen unter 1500 Gramm eine Eins-zu-Eins-Betreuung gefordert. Bei Drillingen müssten also innerhalb weniger Stunden rechnerisch 16,5 Vollzeitstellen für eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung sichergestellt werden. „Da hat man dann die Wahl, die Regel zu verletzen oder eine Aufnahme abzulehnen.“ Ein Risiko auch für den Geschäftsführer. 


 


 

 

 

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