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Förderprogramm Rückenwind: Den Schulen fehlt dafür das Personal

Das Kultusministerium in Stuttgart setzt viel auf das Förderprogramm für Schüler, "Lernen mit Rückenwind". In der Region kommt das aber nur sehr schwer an. Das hat vor allem einen Grund.

Simon Gajer
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Lesezeit 2 Min
Förderprogramm Rückenwind: Den Schulen fehlt dafür das Personal
Das Programm "Lernen mit Rückenwind" will pandemiebedingte Lernrückstände ausgleichen und sozial-emotionale Kompetenzen stärken. Foto: Davide Angelini/stock.adobe.com  Foto: Davide Angelini adobe

Mit dem Förderprogramm "Lernen mit Rückenwind" will das Land seit Herbst den Kindern und Jugendlichen nach den langen Corona-Schulschließungen unter die Arme greifen. Pandemiebedingt entstandene Lernrückstände ausgleichen, sozial-emotionale Kompetenzen stärken: Beides steht im Mittelpunkt. Rückenwind gilt als ein zentraler Baustein, um dem Nachwuchs zu helfen. Das Programm ist auf zwei Jahre bis einschließlich dem Schuljahr 2022/2023 angelegt. Nur: In der Region fällt die Bilanz bescheiden aus. Von den hehren Zielen ist in Heilbronn, dem Landkreis Heilbronn sowie in Hohenlohe wenig angekommen.

Den Schulen fehlen geeignete Helfer

In der Theorie hört es sich gut an. Externe Partner kommen an die Schulen. Förderangebote, so das Kultusministerium, können innerhalb oder außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden. Die Praxis: "Bezüglich Rückenwind im Hohenlohekreis sieht es sehr unterschiedlich aus", berichtet Jana Kolberg von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Weil ohnehin schon Lehrer fehlen, "wird geeignetes Personal auch für den Unterrichtsbetrieb mit eingesetzt". In Hohenlohe heißt das, dass kein geeignetes zusätzliches Personal mehr für Rückenwind zu finden sei. Das sei nicht das einzige Problem.

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Das Land setzt viel auf das Förderprogramm "Lernen mit Rückenwind". In der Region fehlt dafür aber das Personal.

Gewerkschaft bedauert die geringe Bezahlung

"Hinzu kommt, dass die Bezahlung so gering ist, dass es nicht sehr attraktiv für ausgebildetes Personal ist", sagt die GEW-Kreisvorsitzende Main-Tauber/Hohenlohe. Schüler könnten ebenfalls eingesetzt werden. Das alles ist nach Angaben von Jana Kolberg zwar hilfreich. "Jedoch ist die Qualität und das, was dann bei den Kindern ankommt, je nach eingesetztem Personal und zusätzlich reingesteckter Unterstützung der Lehrkräfte vor Ort, sehr unterschiedlich." Ihrer Ansicht nach wäre es effektiver und für alle Beteiligten hilfreich, "wenn ausreichend, dauerhaftes und qualifiziertes Personal für die Unterstützung eingestellt werden würde." Sie betont: "Wer Qualität möchte, muss auch investieren."

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Verband Bildung und Erziehung betont: Professionelle Personen sind für Rückenwind notwendig

Ähnliche Erfahrungen macht Sebastian Lutz, der unter anderem Landesbezirksvorsitzender Nordwürttemberg beim Verband Bildung und Erziehung (VBE) ist. An Schulen, die sich in der Nähe von Pädagogischen Hochschulen befinden, gebe es flächendeckende Angebote. Anders sehe es aber im ländlichen Raum aus. "Da bräuchte man viel mehr Kapazitäten", blickt er auf die fehlenden Lehrer. In der Region sei man weit von dem entfernt, was sich das Kultusministerium vorgestellt habe. "Rückenwind kann nur funktionieren, wenn es von professionellen Personen gemacht wird", sagt Sebastian Lutz.

Das Programm will sowohl beim Stoff als auch beim sozial-emotionalen Bereich ansetzen. Gerade beim zweiten Punkt sieht Sebastian Lutz Nachholbedarf bei Schülern. Früher habe es pro Schule nur wenige Kinder mit Schulangst gegeben. Jetzt seien es zwei pro Klasse, weiß er. Man müsse deshalb auch die schulpsychologische Beratung aufstocken. Es könne nicht sein, betont er, dass Kinder bis zu einem halben Jahr auf einen Termin warten.

In der Region verteilen Schulen Gutscheine für Nachhilfe-Institute

Harald Schröder, GEW-Sprecher in der Region Heilbronn, kennt keine Schule, in der Rückenwind in dem Format umgesetzt wird, wie es sich Stuttgart ursprünglich vorgestellt hatte - stattdessen würden Gutscheine vom Land verteilt, damit Kinder bei Nachhilfe-Instituten Stunden nehmen können. Grund ist auch für ihn, dass Schulen keine zusätzlichen Freiwilligen fänden. "Personen, die Rückenwind machen könnten, sind schon anderweitig im Einsatz." Harald Schröder betont: "Uns fehlen die Leute."

Es mangelt an Personal. Melanie Haußmann begrüßt dennoch den Ansatz des Landes, den sozial-emotionalen Bereich bei Kindern zu fördern. Noten seien zwar als Eintrittskarten ins Berufsleben wichtig, so die Geschäftsführende Schulleiterin in Heilbronn, aber man schaue sich das ganze Kind an. Schulen setzten auf Teambuilding, gingen mit finanzieller Unterstützung der Stadt Heilbronn auf Ausflüge. "Das Miteinander muss gepflegt werden", sagt Melanie Haußmann. Das sei die Basis, um dann gut lernen zu können.

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