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Energiepreisschock trifft Schwimmbäder

Erste Gemeinden senken Wassertemperatur oder starten später. Der Branchenverband, die Deutsche Gesellschaft für das Bäderwesen, hält Schließungen für möglich.

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Freibad Güglingen
Die Preissteigerung bei Öl und Gas setzt Freibadbetreibern zu. Foto: Archiv/Mugler  Foto: Mugler, Dennis

Die Freibad-Saison steht unter keinem guten Stern: Neben Personalproblemen setzt die Preissteigerung bei Öl und Gas Betreibern zu. Die Deutsche Gesellschaft für das Bäderwesen (DGfdB) sieht dringenden Handlungsbedarf dort, wo moderne Technologien wie Solar, Dämmung oder Wärmepumpen noch nicht zum Einsatz kommen. Erste Bäder in der Region senken die Wassertemperatur, um Energie zu sparen.

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Bundesverband entwirft Szenarien

Unter dem Titel "Schwimmbäder in der Energiekrise" entwirft die DGfdB mit Sitz in Essen Szenarien, in denen im Fall von Engpässen oder gar Lieferstopps auch Bäderschließungen nicht ausgeschlossen sind. "Noch ist nicht sicher, welche Konsequenzen der Angriff Russlands auf die Ukraine für die Energieversorgung in Deutschland haben wird", schreibt der Verband, der bundesweit 7000 Hallen- und Freibäder vertritt.

Diese müssten sich "auf eine Situation knapper Energieressourcen" einstellen. Ging es beim Energiesparen bisher vor allem um den Klimaschutz, geht es seit der russischen Invasion in die Ukraine um eine deutlich schnellere Abkehr von traditionellen Energieträgern. Als Sofortmaßnahme empfiehlt die DGfdB die Absenkung der Wassertemperatur in den Becken. In einigen Bädern der Region bleibt das Wasser denn auch kühler als üblich.

Ilsfeld etwa ist so in die Saison gestartet. Dort wird das Bad nur noch durch Sonneneinstrahlung und die vorhandene Solaranlage beheizt.

Deutliches Zeichen gegen den Krieg

Die Maßnahme habe man nicht aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus getroffen, betont Bürgermeister Thomas Knödler. Der Gemeinde sei es vielmehr wichtig, "einen ganz kleinen Teil dazu beizutragen, dass überhaupt weniger Erdgas eingesetzt wird".

Auch in Gundelsheim argumentiert man so: Um ein Zeichen gegen den Krieg zu setzen, wurde die Wassertemperatur dort auf 23 Grad festgelegt. "Vor allem in der Anwärmphase im Mai kann diese Maßnahme erhebliche energieeinsparende Wirkung zeigen", sagt Bürgermeisterin Heike Schokatz. Die Akzeptanz bei den Schwimmern sei groß.

Auch in Schwaigern und im Bönnigheimer Mineralfreibad, Ziel vieler Badefreunde aus dem südlichen Landkreis Heilbronn, ist die Wassertemperatur in den Becken niedriger als in den Vorjahren. In Bönnigheim sind es 24 statt 25 Grad.

Lauffen geht einen anderen Weg: Die Stadt hat schon 2019 den Freibadstart um zwei Wochen nach hinten auf den 15. Mai verschoben. Das Bad schon zum 1. Mai auf 24 Grad zu bringen habe große Mengen Gas gekostet, sagt Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger: "Das ist nicht mehr zu verantworten."

Lauffen erwägt, die Freibadsaison früher zu beenden. Überlegungen, die Wassertemperaturen abzusenken, gibt es auch im Freibad Oberes Bottwartal. In Öhringen, wo das Strandbad und das Freibad in Michelfeld erst an diesem Samstag eröffnen, geht man mit solchen Überlegungen zunächst nicht in die Saison. "Wie andere Kommunen auch haben wir längerfristige Verträge", sagt der Leingartener Kämmerer Stefan Schnepf. Von Kostensteigerungen sei man im Moment verschont. Aber: "Wenn es hart auf hart kommt, wird auch die Stadt Leingarten sparen müssen."

Eintrittspreise bleiben 2022 stabil

Wärmeres Wasser kann anbieten, wer bei der Wasseraufbereitung auf Solar setzt, wie die Stadt Heilbronn im Gesundbrunnen und im Freibad Kirchhausen, Neckarsulm im Ernst-Freyer-Bad in Obereisesheim oder Gemmingen im Imre-Gutyan-Bad: "Wir haben zwar auch Gas", sagt der dortige Bürgermeister Timo Wolf, "aber nur für das Warmwasser in den Duschen. Das ist finanziell überschaubar."

In Bad Rappenau heizt das Rappsodie das Hallen- und das Freibad mit Fernwärme des örtlichen Kompostunternehmens. Freibäder wie das in Bad Wimpfen oder in Wüstenrot, sind an dieser Stelle fein raus: Sie erwärmen ihr Wasser seit jeher nur mit den Strahlen der Sonne.

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