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Ein Schub für die Kooperation mit Kamerun

Der Bildungsminister aus Kamerun besucht die Region. Wie blickt er auf den Austausch und was hat das mit einem Ausbildungszentrum in Duala zu tun?

Freidhelm Römer
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Lesezeit 2 Min
Ein Schub für die Kooperation mit Kamerun
Am Dienstag besuchte Mounouna Foutsou (links) das Unternehmen Förch in Neuenstadt und traf mit Firmengründer Theo Förch zusammen. Foto: privat  Foto: privat

Ein umfangreiches Arbeitsprogramm hat Mounouna Foutsou in diesen Tagen in der Region absolviert. Der Jugend- und Bildungsminister aus Kamerun informierte sich vor allem über das duale System der überbetrieblichen Ausbildung in Deutschland und setzte sich für einen intensiveren Austausch der bereits seit Jahren laufenden Kooperation ein.

"Ich möchte mich hier inspirieren lassen, wie das deutsche Modell in Kamerun funktionieren kann", sagte der Minister, der mit einer Delegation aus Staatssekretären sowie Kameruns Botschafter in Berlin, Viktor Ndocki, in Heilbronn, Neckarsulm und Neuenstadt unterwegs war.

Offene Türen

Ob beim Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel, in der Christian-Schmidt-Schule Neckarsulm (CSS), im Bildungs- und Technologiezentrum in den Böllinger Höfen Heilbronn (BTZ) oder beim international aufgestellten Unternehmen Förch in Neuenstadt: Überall rannte der Minister offene Türen ein.

Dabei sind die anstehenden Aufgaben schon ziemlich konkret: Im September soll in der Wirtschaftsmetropole und Hafenstadt Duala ein Ausbildungszentrum nach deutschem Vorbild auf die Beine gestellt werden. Zwischen 60 und 80 junge Menschen werden nach der Fertigstellung dort in die Ausbildung starten. "Und fünf junge Leute sollen aus Kamerun zu Förch kommen", sagt Förch-Geschäftsführer Gerhard Heilemann.

Ein Schub für die Kooperation mit Kamerun
Michael Heil (von links), Rektor der Christian-Schmidt-Schule, zeigt dem Bildungsminister Kameruns, Mounouna Foutsou, dem Botschafter Viktor Ndocki, und den weiteren Mitgliedern der Delegation die Funktionsweise der Anlage 4.0. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Die Basis für das Projekt haben der Geschäftsführer der MaBu Metallbau, Karlheinz Mack aus Langenbrettach und dessen Angestellter Valère Bernard Hiobi, der vor 30 Jahren als Student aus Kamerun nach Deutschland kam, gelegt. Hiobi gründete 2014 den Verein My Africa in Bad Friedrichshall. Dieser hat sich die Förderung der Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Afrika zum Ziel gesetzt. "Die Regierung in Kamerun hat nachhaltig die Bildung im Blick", sagt Heilemann. "Sie stellt die Gebäude für die Ausbildung, wir liefern die Werkzeuge." Rund 360 Schulen sollen auf diese Weise ausgestattet werden. Auch die Christian-Schmidt-Schule beteiligt sich und stellt alte Werkbänke, Bohrer und Schraubstöcke zur Verfügung. Einen ersten Container hat Initiator Karlheinz Mack im September 2021 auf die lange Reise geschickt, ein zweiter folgt in Kürze.

Aus Kamerun zugeschaltet

An dem Modell einer Produktionsanlage der Industrie 4.0 präsentierte CSS-Schulleiter Michael Heil, wie ein internationaler Austausch künftig aussehen könnte. Über einen Bildschirm waren zwei Schulen aus Kamerun zugeschaltet, die aus der Ferne auf digitalem Weg Bestellungen aufgeben und die Anlage in Bewegung setzen können. "Wir haben die Möglichkeit zu lernen, ohne auf einen Standort beschränkt zu sein", sagte Hiobi und sieht eine Win-Win-Situation: Kamerun hat viele junge Menschen mit einer hohen Motivation, was auch Förch-Geschäftsführer Gerhard Heilemann bestätigt. Deutschland hat das Knowhow. Heilemann: "In Kamerun schätzt man den deutschen Fleiß und das Qualitätsbewusstsein." Für Förch spiele nicht nur die wirtschaftliche Ausrichtung, sondern auch die soziale Verantwortung eine wichtige Rolle.

Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, erklärte im BTZ: "Junge Menschen in Kamerun sollen dort ausgebildet werden, Perspektiven im Handwerk bekommen, wir wollen sie unterstützen." BTZ-Leiter Johannes Richter wies unterdessen auf den Fachkräftemangel in Deutschland hin: "Die Berufsorientierung ist existenziell geworden in Deutschland." Das Handwerk hofft, die 14-, 15-jährigen Achtklässler für diese Berufe zu begeistern.

My Africa

Der Verein My Africa mit Sitz in Bad Friedrichshall hat 16 Mitglieder. Sein Ziel ist die Förderung von Entwicklungsprojekten in Bildung und Ausbildung und hat laut Gründer Valère Bernard Hiobi auch die Förderung von Frauen im Fokus. "Wir wollen, dass die Menschen dort Perspektiven erhalten, die sie noch nicht haben." Dadurch solle auch die illegale Einwanderung bekämpft werden. "Deutschland genießt einen guten Ruf, aber Deutschland ist nicht da", sieht Hiobi noch viel Potenzial.

 
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