Heilbronn
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Creme 21 feiert 21. Geburtstag

Benannt nach einer alten Cremedose besteht die Heilbronner Diskothek Creme 21 jetzt seit 21 Jahren. Im Interview blicken die drei Geschäfsführer Stefan "Billy" Müller, Bodo Schaerping und Thomas Sinn auf die guten alten Zeiten zurück.

Milva Klöppel
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Eigentlich waren nur ein paar Jahre geplant, jetzt sind sie seit 21 Jahren Geschäftsführer vom Creme 21 (von links): Stefan „Billy“ Müller, Thomas Sinn und Bodo Schaerping. Foto: Mario Berger

Unterschiedlicher als die Geschäftsführer der Diskothek Creme 21 im Heilbronner Industriegebiet können drei Freunde wohl kaum sein. Genau das scheint aber das Geheimrezept für die erfolgreiche Zusammenarbeit zu sein. Schließlich gibt es das Creme 21 trotz Clubsterben seit 21 Jahren. Eine Reise in die Vergangenheit mit Stefan "Billy" Müller, Bodo Schaerping und Thomas Sinn.

Ihr feiert dieses Jahr das 21-jährige Bestehen vom Creme 21 - aber eigentlich ging es schon früher los.

Stefan Müller: Mit den PTX-Partys. Die este hat Tom 1990 in Leingarten im heutigen Obi veranstaltet. 1996 haben wir drei uns dann gefunden. Und haben bei dem Autoverleih Katzenmeier, einer alten Schrauberwerkstatt in der Salzstraße, die erste Party gemacht.


Wie kam es dann zum alten E-Werk?

Thomas Sinn: Zufall - das Gebäude war zum Abriss freigegeben - der Sprengmeister hatte schon die Löcher fürs Dynamit gebohrt, die man heute auch noch sieht. Wir kamen genau zum richtigen Zeitpunkt. Der Herr Triebel von der EnBW hat uns die Auflage gegeben, wenn wir das obere Stockwerk, eine alte Lagerhalle mit Maschinenteilen und Gerümpel, am Ende komplett leer räumen und Auflagen wie Notausgänge erfüllen, dann bekommen wir den Raum. Er hat nicht geglaubt, dass wir das schaffen, war aber ein Direktor alter Schule und stand zu seinem Wort.


2000 wurde dann aus den regelmäßigen Partys im ersten Stock die feste Diskothek im Erdgeschoss. Erinnert ihr euch noch daran?

Müller: Damals wurde von der EnBW Geld in die Hand genommen und oben wurde weiter auch im Hinblick auf Kulturveranstaltungen ausgebaut - Sanitäreinrichtungen und mehr. Parallel durften wir uns hier unten in der alten Schreinerei einnisten. Sinn: Von einem Abriss zu einem fünf Millionen Investment ...


Wie bekam der Club seinen Namen?

Bodo Schaerping: Tom und ich haben früher leidenschaftlich 70er-Jahre-Möbel gesammelt. Das passte eigentlich gar nicht in den Club rein, aber wir hatten so viel Krempel und haben es einfach als Aufhänger genommen. So kam dann auch die Gestaltung des ersten Creme 21 in Orange und Weiß zustande, so wie die Möbel, Tapeten damals waren. Irgendwann rückte der Tag der Eröffnung näher und ich habe mich daran erinnert, dass bei meinem Vater in der Garage eine Creme-21-Plastikdose lag, in der ich Grammophonnadeln aufbewahrt habe. Ich habe dann ganz aufgeregt von unterwegs angerufen und gesagt: "Jungs, das Ding heißt Creme 21."

Müller: Interessanterweise gab es die Hautcreme zu der Zeit gar nicht mehr.

Schaerping: Gäste haben dann altes Original-Werbezeug von der Creme 21 mit in den Club gebracht - im Büro liegen Notizblöcke, aufblasbare Bälle, Kosmetikbeutel aus Frottee.


Damals gab es dann in einer Ecke des Clubs ein richtiges Wohnzimmer - mit Stehlampe, Schrankwand. Heute sieht es hier ganz anders aus ...

Müller: Das Creme in Orange war damals zu der Zeit das Richtige. Wir sind aber mit der Zeit gegangen und haben uns nach den Wünschen und Bedürfnissen unserer Gäste verändert.

Sinn: In 21 Jahren mussten wir neue Styles, neue Ideen bringen. Das hat uns auch immer wieder Schwung für die Zukunft gebracht. Am Ende haben wir versucht, mit der Zeit zu gehen und der sogar immer etwas voraus zu sein.


2006 begann die weiße Phase - was war die Idee?

Sinn: Wir waren da sehr fortschrittlich. Weiß in einer Diskothek ist ziemlich unpraktisch. Viel Dreck, viele Schuhe. Wir haben es auch lange diskutiert. Es hat aber gut zur Marke gepasst. Schaerping: Der Grundgedanke war, eine weiße Fläche mit Diaprojektoren zu bespielen - ab und zu haben wir das auch gemacht.


Der große Umbau kam 2017. Das DJ-Pult wurde verlegt, eine Mauer wurde eingezogen und der Raum sichtbar verkleinert. Warum?

Sinn: Clubbetrieb war mit einem Mal nicht mehr ganz so hip, Shishabars kamen in Mode. Wir haben erkannt, dass wir den Einzelgast noch mehr in den Fokus nehmen müssen. Er muss sitzen und es gemütlich haben. Nur so kann ich mit weniger Gästen den gleichen Umsatz generieren.


Mittlerweile kommen die Kinder eurer früheren Stammgäste. Wie bleibt ihr am Ball?

Müller: Wenn wir hier drin sind, kennen wir von den Gästen niemanden mehr. Aber jedes Wochenende hat von uns jemand Dienst. Wenn du nicht mehr da bist, verlierst du den Bezug zum Personal, zum Geschäft. Ansonsten ist Felix Seeger als Betriebsleiter unsere Verbindung zu den Jungen. Jeden Montagabend treffen wir uns außerdem, um zu besprechen, was gut läuft und was nicht. Selbst während der Corona-Phase.


Anekdoten aus dem Club

Nur einmal in 21 Jahren wurde ins Creme 21 eingebrochen - allerdings war der Einbrecher vor allem am Alkohol interessiert und schlief seinen Rausch dann auf dem Sofa im Büro aus. Dort fand ihn Bodo Schaerping morgens.

Eines Morgens fiel Thomas Sinn beim Zählen der Geldbeutel eine große Zehn-DM-Münze in die Hände - von den Olympischen Spielen 1972 in München. Sinns Verdacht: "Da brauchte einer Geld und vergriff sich an der Münzsammlung des Vaters."

Zurecht stolz können Stefan "Billy" Müller, Bodo Schaerping und Thomas Sinn auch auf die DJs sein, die in den zurückliegenden 21 Jahren in der Lichtenbergerstraße 17 aufgelegt haben. Darunter zum Beispiel im November 2003 Mousse T. alias Moustaffa Gündogdu. Damals mit Songs wie "Sex Bomb" auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Im Interview mit der Heilbronner Stimme gestand der Künstler allerdings, dass er mit dem Namen Heilbronn bis dahin nichts verbunden hätte. Übernachtet hat Mousse T. in der Präsidentensuite im Insel.

Bereits einen Monat später kam im Dezember 2003 ebenfalls kein Unbekannter zum Auflegen ins Creme 21: Ex-Teenie-Idol und Take-That-Bandmitglied Howard Donald. Allerdings war es für Donald bereits sein dritter Besuch in der Neckarstadt. 2004 war der Brite übrigens auch aktiv dabei, als der Creme-21-Wagen vom Publikum der Züricher Street Parade zum schönsten Wagen der Parade gewählt wurde.

Musikalisch wechselten sich in den Jahren seit 2000 Elektro und Black Music im Creme 21 ab - eine friedliche Koexistenz. So kamen DJs aus beiden Genres zum Auflegen vorbei. Darunter Namen wie Moonbootica, Felix Kröcher, Monika Kruse, Axwell, Format B, Karotte, Robin Schulz, Tiefschwarz, Lexy & K-Paul sowie Oliver Koletzki.

Weitere Besonderheiten: 2004 fand im Creme 21 auch ein Casting für die damalige ARD-Kuppelshow "Herzblatt" statt. Und Heilbronner, die noch CDs besitzen, haben vielleicht eine "Creme21 - Der Club, Compilation" im Schrank.

 

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