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Comedyfestival "Baden-Württemberg lacht": Ein humoristischer Höhepunkt jagt den anderen

Gleich vier Comedians stehen am Sonntagabend auf der Sparkassen-Bühne auf der Eppinger Gartenschau. Die Themen sind vielfältig, das Line-Up hätte diverser sein können. Mehr als 550 Gäste werden aber bestens unterhalten.

Linda Möllers
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Lesezeit 2 Min
Comedyfestival "Baden-Württemberg lacht" auf der Eppinger Gartenschau: Ein humoristischer Höhepunkt jagt den anderen
Ganz in der Rolle des patzigen Klaus Kinski: Der politische Kabarettist Thomas Schreckenberger, einer der vier komödian-tischen Höhepunkte beim Comedyabend "Baden-Württemberg lacht" auf der Eppinger Gartenschau. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Die prüfenden Blicke gen Himmel kommen nicht von ungefähr. Deutete bis zum Abend des durchnässten Pfingstsonntags noch alles darauf hin, dass der Comedy- und Kabarettabend "Baden-Württemberg lacht" auf der Eppinger Gartenschau zumindest nicht ohne einen Schauer davonkommen würde, bleibt das bestens besuchte Event am Ende doch zum Glück davon verschont.

Mit zweieinhalb Stunden humoristischer Vielfalt von vier Comedians geht die Rechnung bei "Baden-Württemberg lacht" vollends auf. Auch wenn das Line-Up diverser hätte sein können, bleiben Gelächter, Juchzer und Lachtränen zu keinem Moment aus.

Politisches und gesellschaftskritisches Kabarett

Eppingen, das ist dem gebürtigen Heidelberger Thomas Schreckenberger ein Begriff. "Ich habe meine Jugend in Sinsheim verbracht, als es noch kein Ortsteil von Hoffenheim war", scherzt der smarte Kabarettist, der heute nahe Stuttgart lebt - dort, wo "alles, was sich bewegt, gegrüßt, und was sich nicht bewegt, geputzt wird." Schreckenbergers spitzzüngiger und intelligenter Humor arbeitet sich an Politik und Gesellschaft ab, an der CDU mit Friedrich Merz und Philipp Amthor, "dem fleischgewordenen Abischerz", an Corona-Querdenkern, dem zaudernden Bundeskanzler oder Homeschooling im Lockdown. Als Höhepunkt präsentiert er mit einer gelungenen Klaus-Kinski-Imitation Nachrichten einmal "emotional".

Schwer hat es hingegen Nikita Miller mit der eigenwilligen Erziehungsweise seines russischen Vaters. Neben Leistungsdruck macht ihm der Vater seinen Klassensprecher-Job madig ("Du hast dich zum Verräter wählen lassen") oder treibt den jugendlichen Nikita in die Not, den Urin seines urschwäbischen Freundes für einen Drogentest zu nutzen - blöd nur, dass gerade Spargelzeit ist. Die Anekdoten aus dem Leben einer Familie mit kasachischen Wurzeln erzählt der Wahl-Stuttgarter anschaulich, trocken und herrlich unaufgesetzt.

Gegen schwäbische Ressentiments

In Höchstform zeigt sich Ernst Mantel, nicht umsonst mehrfach ausgezeichnet mit dem Kleinkunstpreis Baden-Württemberg. Liebevoll führt er an die Eigenheiten seines Mutteridioms heran, sei es mit zungenbrecherischer Wortakrobatik, bei der er das "Scht" des schwäbischen Dialekts ad absurdum führt, oder einer musikalischen Ode an den Schwarzwurstring. "Ihr seid super drauf", stellt der gebürtige Schwäbisch Gmünder fest, bevor er zu einem "Ein-Mann-Dialog" übergeht, bei dem er das Halbwissen über Krankheiten abhandelt. Schließlich kommt der Comedian und Liedermacher den Zugaberufen seines Publikums nach.

Den weiten Weg aus Hamburg mit dem Zug hat Thorsten Bär nicht auf sich genommen, damit Zuschauer früher gehen. Die spontane Interaktion mit dem Publikum funktioniert also, als der "31-Jährige, plus zehn Jahre" mehrere Gäste, die früher aufbrechen, entzürnt anspricht: "Ich sitze acht Stunden in der Bahn und ihr haut nach Heilbronn ab?" Die Klischees des Hessen über seine Wahlheimat Hamburg, Fußball und die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen kommen super beim Publikum an, den krönenden Abschluss bilden gelungene Imitationen, etwa von Marcel Reich-Ranicki oder Udo Lindenberg.

Mehr als 550 Besucher kommen

Vier Top-Comedians mit dem Best-of ihrer Programme, und das vor der idyllischen Kulisse des Gartenschau-Geländes - mehr Anreiz brauchte es kaum, um zahlreiche Besucher mit einer Tages- oder Dauerkarte nach Eppingen zu locken. So reichten die zusätzlich zu den 550 Stühlen der Sparkassen-Bühne aufgestellten Sitzplätze nicht für alle Gäste aus.

Bei dem Showkonzept von "Baden-Württemberg lacht" stehen mehrere Comedians gleichzeitig auf mehreren Bühnen. In Eppingen kam das Konzept "Baden-Württemberg lacht - Spezial" zum Tragen - hier traten die Künstler nacheinander auf einer Bühne auf.

 
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