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Blütenreicher Frühling versüßt das Honigjahr

Nasse und kalte Witterung hatten im Vorjahr für große Ausfälle gesorgt. In diesem Jahr ist es ungleich besser angelaufen, finden die Bienenhalter. Das Imkern liegt in dessen im Trend. Woran sich der Boom ablesen lässt:

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Blütenreicher Frühling versüßt das Honigjahr
Es summt und brummt: Imker Patrick Rupp kontrolliert in Obersulm-Affaltrach einen Bienenstock. Der Rauch aus der Kanne sorgt dafür, dass die Tiere auf der Wabe sitzen bleiben.  Foto: Seidel, Ralf

Imker atmen vorsichtig auf. Nach dem katastrophalen Bienenjahr 2021 scheinen die Bedingungen in der aktuellen Saison viel besser zu sein. Dass das neue Bienenjahr gut angelaufen ist, bestätigt der Vorsitzende des Bezirks-Imkervereins Heilbronn, Torsten Eberhardt: Die Völker würden zwischen 1,5 und zwei Kilo Nektar pro Tag einfliegen.

"Nicht zu nass, nicht zu kalt", so beurteilt Nebenerwerbs-Imker Patrick Rupp aus Beilstein den Frühling. 2018 hatte er gemeinsam mit seinem Bruder Florian angefangen, Bienen zu halten. Im letzten Jahr gingen die Brüder mit 26 Völkern ins Rennen, nur 14 davon haben überlebt.

Woran das Bienensterben liegt

Dass die Verluste im vergangenen Winter überdurchschnittlich hoch ausfielen, bestätigt auch Andreas Grathwohl. Er ist Vorstand des Bienenzuchtvereins Hohenlohe-Öhringen, in dem 221 Mitglieder 1761 Bienenvölker versorgen. Die Verluste liegen laut Grathwohl zwischen 30 und 100 Prozent. "Es ist so gravierend, dass es kaum Bienenvölker zu kaufen gibt, da die meisten Imker keine Völker abgeben können", bedauert er. Woran liegt dieses immer wieder auftretende Völkersterben? Es gebe viele Ursachen und viele Faktoren, die zusammenwirken, sagt Andreas Grathwohl.

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Letztes Jahr sei überhaupt ein miserables Bienenjahr gewesen. "Vor allem im Frühjahr war es zu nass und zu kalt. Die Bienen konnten kaum Honig sammeln, mussten zum Teil zugefüttert werden", erinnert sich der Vereinsvorsitzende. Hinzu kam der wechselhafte Sommer, der die Behandlung der Völker gegen die eingeschleppte Varroamilbe erschwerte und auch die Winterbienen beeinflusste.

Mit welcher Blühpflanze man 20 Kilo Honig erntet

Blütenreicher Frühling versüßt das Honigjahr
Imker zeigen am 1. Mai in Öhringen ihre Zunftstange.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

"Wir sind dieses Jahr relativ früh in der Blüte", meint Patrick Rupp. Manche Blüten seien bereits abgeschlossen, andere, wie der Raps, momentan in Hochform. "Das gibt einen guten Blühhonig", glaubt er. Ab Mitte Juni ist der Tisch für die Bienen dann etwas geringer gedeckt. Die Gebrüder Rupp haben allerdings vorgesorgt. In Zusammenarbeit mit dem Ilsfelder Landwirt Markus Läpple können sich die Bienen an Phacelia-Blüten laben. Die violett blühende Pflanze gilt als ausgesprochen nahrhaft für Bienen und wird von Läpple als Bestandteil von Blühwiesenflächen bereitgestellt. "Wenn alles gut läuft, können wir mit Phacelia 20 Kilo Honig pro Volk ernten", hofft Imker Rupp.

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Imkern liegt im Trend, auch bei jungen Menschen. "Wir haben für unseren Neuimkerkurs keine Werbung gemacht und mussten zahlreiche Anfragen ablehnen", berichtet Andreas Grathwohl. Aktuell erlernen beim Bienenzuchtverein Hohenlohe-Öhringen 25 Neuimker das Handwerk. Ein Kurs dauert eineinhalb Jahre; alle zwei Jahre werden neue angeboten. Dabei lernen die Neuimker auch, die Völker ideal zu platzieren. Sonnig sollte es sein, idealerweise mit einer natürlichen Wasserquelle. Dafür nehmen die Imker auch lange Wege in Kauf. Denn wer sortenreinen Honig möchte, muss dafür beispielsweise in den Wald fahren.

Für welchen Honig die Völker in den Schwarzwald gefahren werden

Für Tannenhonig ist oft der Schwarzwald das Ziel. "Wenn ich die Bienen an ihrem Standort lasse, dann gibt es bei der ersten Schleuderung Frühjahrsblütenhonig und beim zweiten Schleudern Sommerblütenhonig", erklärt Grathwohl. Landwirte freuen sich, wenn Imker ihre Völker beispielsweise nah an ihren Obstbaumplantagen platzieren. "Ohne Bestäubung wäre die Ernte bis zu 80 Prozent geringer und die Früchte von schlechterer Qualität", sagt Grathwohl.

Patrick und Florian Rupp wollen ihren Honig ausschließlich regional erzeugen. Die Bienenstöcke stehen in Beilstein-Billensbach, Ilsfeld und Obersulm-Affaltrach. Wanderfahrten mit den Völkern, um reinen Akazien- oder Kastanienhonige zu erhalten, kommt für die Brüder nicht in Frage. Zurzeit setzen sie die Honigräume auf die Bruträume auf.

 
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